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Veronika beschließt zu sterben (1998) ist ein Roman des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho (220 Seiten).
Es erzählt die Geschichte einer 24-jährigen Slowenin, die alles im Leben zu haben scheint, aber beschließt, sich umzubringen. Das Buch basiert zum Teil auf Coelhos Erfahrungen in verschiedenen psychiatrischen Anstalten und beschäftigt sich mit dem Thema des Wahnsinns. Die Kernaussage ist, dass "kollektiver Wahnsinn Vernunft genannt wird".

Zusammenfassung

Veronika ist eine junge Frau aus Ljubljana, Slowenien, die ein perfektes Leben zu haben scheint, sich aber dennoch entschließt, mit einer Überdosis Schlaftabletten Selbstmord zu begehen. Während sie auf den Tod wartet, bricht sie den begonnenen Abschiedsbrief an ihre Eltern ab, plötzlich provoziert durch einen Zeitschriftenartikel.

Der Zeitschriftenartikel fragt witzigerweise "Wo ist Slowenien?", also schreibt sie einen Brief an die Presse, um ihren Selbstmord zu rechtfertigen. Die Idee ist, die Presse glauben zu lassen, dass sie sich selbst umgebracht hat, weil die Leute nicht einmal wissen, wo Slowenien liegt. Ihr Plan scheitert und sie wacht in Villette, einer psychiatrischen Klinik in Slowenien, aus dem Koma auf, wo ihr gesagt wird, dass sie nur noch ein paar Tage zu leben hat, da ihr Herz durch die Überdosis geschädigt ist.

Ihre Anwesenheit dort wirkt sich auf alle Patienten der Nervenheilanstalt aus, besonders auf Zedka, die unter klinischen Depressionen leidet, Mari, die Panikattacken hat, und Eduard, der an Schizophrenie leidet und in den sich Veronika verliebt. Während ihrer Internierung in Villette erkennt sie, dass sie nichts zu verlieren hat und deshalb tun und sagen kann, was sie will, und sein kann, wer sie will, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, was andere über sie denken; als Geisteskranke ist es unwahrscheinlich, dass sie kritisiert wird. Aufgrund dieser neu gewonnenen Freiheit erlebt Veronika all die Dinge, die sie sich selbst nie erlaubt hat zu erleben, einschließlich Hass und Liebe.

In der Zwischenzeit versucht Villettes leitender Psychiater, Dr. Igor, ein faszinierendes, aber auch provokantes Experiment: Kann man jemanden "schocken", damit er leben will, indem man ihn davon überzeugt, dass der Tod unmittelbar bevorsteht? Wie ein Arzt, der einem Herzinfarktopfer die Elektroden eines Defibrillators anlegt, bringt Dr. Igors "Prognose" Veronika dazu, die Welt um sie herum neu wahrzunehmen.

Fazit

Der Schreibstil vermittelt ein ständiges Feuerwerk von Eindrücken, Interpretationen, Gefühlen, Impulsen - jeder Reiz wird ernst genommen und gewinnt eine tragische Schwere.

Die verschiedenen Figuren des Buches werden alle in einen von der Gesellschaft genormten Weg gepresst, was sie dann früher oder später erkennen und versuchen, daraus auszubrechen. Es geht um die Fragen, was ist in den Augen der Gesellschaft richtig, was ist falsch, was ist „Verbotenes“, wie soll das Leben auszusehen ... und wer genau gibt dies eigentlich vor.

Der Erfolg des Romans liegt darin begründet, dass Coelho die Rückschläge, die traumatischen Erlebnisse sowie die Glücksmomente seines Lebens zu einer konzentrierten Botschaft verdichtet.

Umberto Eco sagte in einem Literaturgespräch mit Paul Coelho das ihm der Roman „gefallen“ und „wirklich tief berührt“ habe.

Der Roman wurde unter der Regie von Emily Young verfilmt und kam 2010 in die Kinos. Die Rolle der „Veronika“ übernahm die US-amerikanische Schauspielerin Sarah Michelle Gellar. In dem Film wird der Schauplatz nach New York verlegt und der Name des Klinikleiters in Dr. Blake geändert.

Autor

Paulo Coelho de Souza (* 1947) ist ein brasilianischer Lyriker und Romancier, der vor allem durch seinen Roman "Der Alchemist" (1988) bekannt wurde. Im Jahr 2014 lud er seine persönlichen Papiere online hoch, um die virtuelle Paulo Coelho Foundation zu gründen.

Paulo Coelho wurde in Rio de Janeiro, Brasilien, geboren und besuchte eine Jesuitenschule. Mit 17 Jahren wurde er von seinen Eltern in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, aus der er dreimal ausbrach, bevor er im Alter von 20 Jahren entlassen wurde.

Auf Wunsch seiner Eltern schrieb sich Coelho an der juristischen Fakultät ein und gab seinen Traum, Schriftsteller zu werden, auf. Ein Jahr später brach er das Studium ab und lebte ein Leben als Hippie, reiste durch Südamerika, Nordafrika, Mexiko und Europa und begann in den 1960er Jahren mit dem Drogenkonsum.

1986 ging Coelho den über 500 Meilen langen Jakobsweg im Nordwesten Spaniens. Auf dem Weg hatte er ein spirituelles Erwachen, das er in Die Pilgerreise autobiographisch beschrieb.