Worum geht es?

Tim und Bullwinkel haben kein Glück mit Frauen. Beide hatten noch nie Sex. Als die beiden eine Party besuchen, begegnen sich zwei Stewardessen, die Interesse an exotischen Drogen haben. Und für die Männer, die ihnen den Stoff besorgen können. Die beiden finden heraus, dass die beste Droge der Welt der Urin von einem Elch ist, der vorher psychogene Pilze gegessen hat. So reisen die beiden kurzerhand nach Finnland, um an diese Wunderdroge heranzukommen.

Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten von Rochus Hahn (c) Goldmann

Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten von Rochus Hahn (c) Goldmann

Warum habe ich abgebrochen?

Ok, ich gebe zu, der Titel und die Inhaltsangabe zeigen ja schon, dass das Thema und auch das Buch nicht ganz ernst zu nehmen sind. Allerdings dachte ich, dass mich eine humorvolle Geschichte so ein bisschen Richtung American Pie oder mehr retro, Eis am Stiel und Co, erwartet. Eine Geschichte die wahrscheinlich Grenzen austestet, aber nicht übers Ziel hinausschießt. Und ja, es mag ein paar Menschen da draußen geben die mit dem, ich nenne es mal eigenwilligen Humor, etwas anfangen können.

Für mich ist die Grenze hier viel viel zu weit übertreten. Es gibt einfach gewisse Dinge, die man nicht schreibt, die nicht mehr witzig sind. Zumindest nach meinem Geschmack. Ich habe dem Buch 200 Seiten lang eine Chance gegeben. Obwohl ich mich tatsächlich schon nach den ersten Seiten aufgeregt habe.

Ich finde es leider nicht allzu witzig, wenn Frauen ständig nur als Girls, Weiber oder Honeybunnys bezeichnet werden. Oder wenn Homosexuelle als Tunten beschrieben werden vor denen der Protagonist Todesangst hat. Und wenn Frauen laut Bullwinkel mal grob heruntergebrochen Gebärmaschinen sind, von denen viele bestimmt für Geld ins Bett gehen würden, weil sie schließlich die Art erhalten müssen. Über die Art und Weise, die Zeit zu vertreiben, von Arschklöppeln, bei denen Bullwinkel den Frauen “aus Versehen” den Po begrapscht oder Rate-Spiele spielen, wer echte und wer gemachte Brüste hat, mal abgesehen.

Hinzu kommt, dass das Buch vollgestopft mit abgedroschenen Phrasen oder Synonymen für Sex ist. Einige Beispiele: Ein Rohr verlegen oder das Girl pudern, plus Dinge wie „stolz wie Bolle“, „wie Kaugummi ziehen“, „kein Frosch sein“, „auf den Zeiger gehen“ und weitere. Ja, die letzen paar sind jede für sich ja ok, aber wenn sie innerhalb von wenigen Seiten hintereinander weg kommen, dann ist es für mich irgendwann nervig, statt witzig. So ein, zwei normale Sätze zwischendurch, die nicht so erzwungen witzig sein wollen, wären angenehmer zu lesen.

Außerdem hat mich gestört, dass die beiden immer mal wieder dargestellt werden, als wären sie unverstandene, eigentlich herzensgute und liebenswerte junge Männer, die nur die große Liebe finden wollen. Aber eigentlich geht es nur darum, dass sie endlich ihren ersten FXXX bekommen. Und ganz ehrlich, wer Frauen ständig oberflächlich auf ihre Äußeres reduziert, sie nach einem Ranking einstuft, bei denen es extra Punkte für einen prallen Hintern gibt und Frauen als oberflächliche, nur für die Arterhaltung existierende Objekte darstellt, der braucht sich ja wohl nicht wundern, wenn er keine abbekommt.

Ach und nicht zu vergessen die Sache, dass Bullwinkel wenn er keine Frau bekommt mit seinen Ersparnissen eine Pferdebox und eine Stute mieten will…ich gehe jetzt nicht genauer darauf ein wozu..nur so viel – normal “reiten” möchte er nicht. Weil, von hinten gesehen, wenn man nicht auf den Rest achtet, sieht das Hinterteil eines Pferdes ja exakt so aus, wie eine Frau von hinten genommen. Enough said? Enough said!!!!

Ihr seht, ich hatte einige Gründe, das Buch nach 200 Seiten dann doch abzubrechen. Es gibt witzig, mit leichten Grenzaustestungen. Und es gibt niveaulos, übers Ziel hinausschießen. Für mich war „Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten“ leider letzteres.

Infos zum Buch

Titel: Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten

Autor:  Rochus Hahn

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Goldmann

Seiten: 444

Format: Taschenbuch

Preis: [D] 9,99 €; [A] 10,30 €

ISBN 978-3-442-48449-2

Autor

Rochus Hahn ist vielen eher als Drehbuch-Autor bekannt. Er schrieb unter anderem die Drehbücher zu „Das Wunder von Bern“, „Sketchup“, „Der Geschmack von Apfelkernen“, „Tatort“ und „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Er lebt mit Frau und Kindern in Frankfurt. „Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten“ ist sein erster Roman.

*Das Buch wurde mir von Literaturtest zur Rezension zur Verfügung gestellt.

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