(c) Maike von Kunterbunte Flaschenpost

Die Zeit vergeht mal wieder wie im Fluge. Könnt ihr das glauben? Heut ist doch tatsächlich schon der dritte Advent. Und damit bin ich wieder an der Reihe in dem gemeinsamen Adventsprojekt von der lieben Maike und mir. Jeden Adventssonntag bekommt ihr von uns einen weihnachtlichen Post. Und natürlich könnt ihr auch zwei buchige Pakete gewinnen. Einmal Throne of Glass eins und zwei und einmal Soulmates eins – selbstverständlich mit passenden Goodies für den perfekten Leseabend. Zum ersten Advent gab es von mir meine liebsten Filme zur Weihnachtszeit. Maike berichtete über den Mann, der Weihnachten magisch machte. Und heute für euch:

Weihnachtstraditionen

Etwas unbuchiger, aber dafür umso weihnachtlicher – ich dachte mir, ich nehme euch mit durch die Welt der Weihnachtstraditionen. Von eigenen über Jólabókaflóð bis hin zu Essen gegen Geister.

Weihnachtszauber damals und heute

Ich kann mich noch ganz genau an dieses kribbelig-hibbelig-magische Gefühl aus der Kindheit erinnern. Schon seit klein auf bin ich ein absoluter Weihnachtsmensch. Ich mag diese besinnliche, mehr oder weniger ruhige Zeit. Plätzchenduft, Räuchermännchen, Punsch, Zimt, diese winterliche Stille (ja damals gabs noch häufiger weiße Weihnachten). Der perfekte Mix, um am Ende des Jahres noch einmal herunterzukommen.

In meiner Kindheit war die Vorweihnachtszeit noch deutlicher ausgeprägt. Heute rennt sie meist nur so an einem vorbei, während man kurz vor dem Durchatmen noch mal richtig Gas geben muss. Aber damals war alles einfach magisch. Jeden Montagmorgen wurde „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ gesungen. Da stieg die Kerzenanzahl stetig an und die ganze Schule wurde immer nervöser und aufgeregter. Ob das Christkind wohl die Wunschliste bekommen hat? Ob man brav genug war? Und sitzt das Flötenspiel auch richtig?

Dann endlich, Heiligabend ist da. Wie wir die Vormittage verbrachten, weiß ich gar nicht mehr so genau. Als wir noch ganz jung waren, ging es gemeinsam zur Weihnachtsandacht in die Kirche. Und ab Nachmittag war das Wohnzimmer dann für mich und meine Schwester tabu. Heiligabend war einer der seltenen Tage im Jahr, wo das mit dem gut vertragen mal so richtig gut klappte. In ihrem oder meinem Zimmer beschäftigten wir uns mit spielen, singen, flöten, was uns eben so einfiel. Und dann kam das lang ersehnte Glöckchen und das Wohnzimmer war wieder bereit. Da Stand er, unser vorher am Tag geschmückter Baum und darunter die Geschenke. Doch bevor wir sie aufmachen durften, gab es meist erst einmal eine Vorführung von uns: Singen, Gedichte, ein Flötenstück – die Geschenke musste man ja erst einmal erarbeiten. Ach, das Gefühl, so kurz vorher, ich erinnere mich noch heute daran. Und natürlich gab es jedes Jahr den klassischen, sächsischen Kartoffelsalat mit Würstchen. Heute ist es uns vor allem wichtig, einfach unsere Zeit gemeinsam zu verbringen. Aber, mit welchen Traditionen verbringt eigentlich der Rest Europas seine Festtage?

Weihnachtstraditionen quer durch Europa

Der Grundsatz ist wohl in allen Ländern gleich – Weihnachten wird im Kreise der Familie gefeiert. Doch an welchen Tagen, wann gibt es Geschenk und welche Besonderheiten gibt es? Ich habe mich ein bisschen durch die Traditionen einiger europäischer Länder recherchiert.

Dänemark – Nisser

In Dänemark kommt kein Weihnachten ohne Nisser aus. Das sind Weihnachtskobolde, die sich als Figuren und Schmuck in jeder Wohnung finden. In ländlichen Gegenden gibt es zum Teil noch heute folgende Tradition: Während der Weihnachtszeit wird eine Schüssel mit Milchreis auf den Dachboden gestellt. Sie soll die Nisser glücklich stimmen, damit sie den Rest des Jahres nicht zur Plage werden. Na, wenn Milchreis nicht glücklich macht, was dann? (Quelle: Wikipedia)

By Erik Christensen (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

By Erik Christensen (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Frankreich – Vielfalt pur

In Frankreich erhält man in der Nacht zum 25. Dezember seine Geschenke. Und zwar von Père Noël oder Père Challande. Wie bei uns am Nikolaustag landen die Geschenke unter anderem in den Stiefeln der Kinder und nicht nur unterm Weihnachtsbaum. Ansonsten gibt es aber von Region zu Region starke Unterschiede bei den Weihnachtstraditionen. In Aquitanien und einigen anderen Regionen erlebt man den Brauch, böse Wintergeister mit Fackeln zu vertreiben. Andere wiederum halten Weihnachtsmärkte mit Tonfiguren ab, die die Berufszweige des Dorfes widerspiegeln oder legen ihre Lämmer in der Krippe als Opfer dar. (Quelle: Paris360.de)

Finnland – Heimat des Weihnachtsmannes

Auf Finnisch heißt der Weihnachtsmann Joulupukki. Und aus Finnland kommt er auch, wie uns beispielsweise auch Matt Haig in „A Boy Called Christmas“ zeigt. Der Joulupukki wohnt auf dem Berg Korvatunturi, der in Lappland liegt. Er hat eine Frau und lebt dort mit ihr und ganz vielen Wichteln. Ihr könnt ihm sogar Briefe schicken, auf Finnland.de gibt es seine Adresse (Quelle: Finnland.de).  Die Wichtel werden auch Tonttus genannt, kleine Wesen, flink und mit roten Zipfelmützen. (Quelle: Tarjasblog.de). Sie ähneln also dem Nisse aus Dänemark. In Schweden heißen die kleinen Helfer übrigens Tomte – und ach, jetzt weiß ich also, warum Tomte Tummetott von Astrid Lindgren so heißt und aussieht.

Island – Bücherflut

Das Weihnachtsfest in Island geht bis zum Heiligdreikönigstag. Geschenke gibt es in Island von dreizehn Weihnachtszwergen von den Bergen, auch Weihnachtsgesellen oder Jólasveinar genannt. Sie sehen dem Weihnachtsmann sehr ähnlich. Der erste der 13 kommt zwölf Tage vor Weihnachten und der letzte an Heiligabend. Am ersten Weihnachtsfeiertag verschwindet dann der erste wieder, der letzte an Heiligdreikönig. (Quelle: Wikipedia)

Aber, ein ganz besonders toller Brauch ist Jólabókaflóð für uns Buchnerds. Dabei handelt es sich um die Bücherflut. Denn seit etwa 75 Jahren werden zwei Dinge verschenkt: Schokolade und ganz viele Bücher. Eine Tradition nach meinem Geschmack. In Island spielt die Literatur nämlich insgesamt eine große Rolle und so verbringt man den Weihnachtstag meist lesend. Anlässlich von Jólabókaflóð wird jedes Jahr ein spezieller Katalog mit allen Neuerscheinungen des Jahrs zusammengestellt. Und, jetzt wird es noch besser, dieses Jahr kommt das ganze dank Torsten Woywood auch nach Deutschland. Hier gehts zur Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/839119372935234/.  Und der Katalog steht ebenfalls schon:

Der Katalog zur Bücherflut (c) Torsten Woywood

Der Katalog zur Bücherflut (c) Torsten Woywood

Schweden – Lucia-Fest und Julbock

In Schweden heißt das Weihnachtsfest Julfest und ist das wichtigste im Jahr. Schon Wochen vorher laufen die Vorbereitungen. Ein wichtiges Symbol in der schwedischen Adventszeit: Der Julbock. Dabei handelt es sich um einen aus Stroh gefertigten Ziegenbock. In Gävle gibt es jedes Jahr einen 13 Meter hohen Julbock – ein Wesen aus der nordischen Mythologie. (Quelle: skandinavien.eu)

Julbock in Schweden (c) Christian Gidölf

Julbock in Schweden (c) Christian Gidölf

Doch einer der Höhepunkte der schwedischen Weihnachtszeit ist das Lucia-Fest am 13. Dezember, am Tag der Lichterkönigin. Vor der Kalenderrevolution war der 13. Dezember der kürzeste Tag des Jahres und war die Wintersonnenwende. Mittlerweile ist es zwar der 21 bzw. 22 Dezember, die Tradition blieb aber beim 13. Fast alle schwedischen Mädchen würden gerne einmal die Lucia sein. Meist ist es die älteste Tochter. Die ist dann einen Tag lang der Mittelpunkt, in weißem Kleid, mit rotem Seidenband um die Taille und einer Krone aus Kerzen auf dem Kopf. Im ganzen Land ziehen Umzüge durch die Gegend und das schon ab den Morgenstunden. Der Brauch soll Helligkeit und Freude in die dunkle Jahreszeit bringen. (Quelle: elchburger.de)

Spanien – Geduld bis Heiligdreikönig

Geschenke an Weihnachten funktioniert, zumindest an Heiligabend, in Spanien etwas anders. An Noche Buena, so heißt das Weihnachtsfest dort, trifft sich die gesamte Familie zum großen Weihnachtsessen. Und danach kommt die „Urne des Schicksals“. Sie ist voll mit Geschenken aber auch Nieten. Jeder darf so lange etwas ziehen, bis jeder ein Geschenk in Händen hält. Die eigentliche Bescherung erfolgt dann erst am sechsten Januar. Hier wird fast überall in Spanien ein großer Umzug veranstaltet und die Heiligen drei Könige bringen den Kindern die Weihnachtsgeschenke. Aber nur die artigen bekommen etwas. Für die unartigen Kinder gibt es nur Kohlestücke. (Quelle: andalusien360.de)

Nach dem Weihnachtsfest, am 28.12, findet traditionell das „Fest der unschuldigen Kinder“ statt. An diesem Tag ist es Brauch, andere durch erfundene oder verfälschte Geschichten hereinzulegen. Auch die Medien bringen üblicherweise besonders originelle und glaubwürdig klingende Falschmeldungen. (Quelle: Wikipedia)

Italien – La Befana kommt

Auch für die unartigen Kinder in Italien gibt es nichts als Kohlestücke. Doch hier bringt sie La Befana – die gute Zauberin oder Hexe. Sie kommt am sechsten Januar und klettert durch die Schornsteine. In Strümpfen oder Schuhen lässt sie die Geschenke da. Allerdings gibt es die Tradition nicht überall. In manchen Regionen gibt es auch schon am 25.12 die Bescherung. An diesem Tag kommt die ganze Familie zum Familienessen zusammen.

Bulgarien – Essen für die Geister

In Bulgarien nennt sich Weihnachten Koleda oder auch Roschdestwo Christowo und findet am 25.12 statt. Es läutet das Ende einer Fastenzeit ein, die am 15. November beginnt. Bereits am Vorabend, also unserem Heiligabend, wird ein großes Essen veranstaltet, an dem eine ungerade Zahl an Gerichten dargeboten wird. Meist sieben, neun oder dreizehn. Aber hier gibt es ausschließlich vegetarische Speisen. Diese sollen dem Essenden Reichtum im kommenden Jahr bescheren. Besonders wichtig sind jedoch die Walnüsse. Man knackt sie, um Erfolg oder Misserfolg vorherzusagen.

Doch am Weihnachtstag selbst geht es dann los – das Essen für die Geister. Jetzt wird es reichhaltig und fleischlastig. Aber nicht nur das Essen soll böse Geister vertreiben. Auch die Koledari, Sternsinger, tragen dazu bei. Sie ziehen von Haus zu Haus und wünschen Gesundheit, Glück und Wohlstand. (Quelle: blog.liebherr.com)

Krampus – Schreckgestalt an vielen Orten

In südlichen Bayern, Österreich, Oberpfalz, Lichtenstein aber auch in Ungarn und vielen weiteren Regionen treibt der Krampus sein Unwesen. Auch in München gibt es jährlich den bekannten Krampuslauf. Der Nikolaus beschenkt die braven Kinder, der Krampus bestraft die unartigen. Ursprünglich stammt die Gestalt des Krampus aus der vorchristlichen Zeit. Unter dem Lärm ihrer Glocken ziehen in vielen Regionen heute noch die Krampuse durch den Ort, um Passanten zu erschrecken. Mancherorts versuchen die Kinder als Mutprobe die Krampuse zu reizen – dabei müssen sie sich vor deren Rute in Acht nehmen. (Quelle: Wikipedia)

Krampuslauf Klagenfurt (c) By Anita Martinz (Perchtenlauf Klagenfurt) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Krampuslauf Klagenfurt (c) By Anita Martinz (Perchtenlauf Klagenfurt) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Ich finde es wahnsinnig faszinierend, was für unterschiedlichste Traditionen es so gibt. Habt ihr gewisse Bräuche, die bei euch nicht fehlen dürfen? Kennt ihr Weihnachtstraditionen aus anderen Ländern oder kommt gar selbst aus einem anderen Land und könnt aus dem Nähkästchen plaudern? Dann teilt eure Erfahrungen doch gerne in den Kommentaren.

Und wer wollte jetzt noch mal was gewinnen? Ihr? Na dann, schaut mal hier vorbei: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – unsere Gewinnspielseite. Wenn ihr genau aufpasst, findet ihr das neue Lösungswort oben im Text auffälliger markiert.