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Bösland von Bernhard Aichner

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar

Auf dem Dachboden eines Bauernhauses wird im Sommer 1987 ein Mädchen brutal ermordet. Der Täter ist ein dreizehnjähriger Junge. Er schlägt siebenmal mit dem Golfschläger auf seine Mitschülerin ein und richtet ein Blutbad an. Die nächsten 30 Jahre bleibt diese Geschichte im Verborgenen, bis sie mit voller Wucht zurückkommt und der Junge von damals wieder mordet.

Komm mit mir ins Bösland, Ben

Ben hatte eine brutale und schwer Kindheit. Sein Vater forderte ihn regelmäßig dazu auf, mit ihm ins Bösland zu kommen. Der Dachboden, auf dem die nächste Tracht Prügel auf Ben wartet. Die Mutter schaute weg, spielte die vorbildliche Hausfrau. Bis ein Tag auf dem Dachboden alles verändert. Als er und sein damals bester Kumpel mit einer Mitschülerin ihren Tag dort verbringen, doch das Mädchen kommt nicht lebend wieder herunter. Ben wird in die Psychiatrie verfrachtet, dort verbringt er den Rest seiner Kindheit, seiner Jugend und der ersten wackligen Schritte des Erwachsenenlebens. Bis er mit Anfang zwanzig erst mit betreutem Wohnen und dann selbstständig wieder am Leben teilnimmt. Von damals weiß er kaum noch etwas. Gemeinsam mit seiner Therapeutin versucht er, mit der Vergangenheit abzuschließen und Erinnerungen wiederzuerwecken, um sie so verarbeiten zu können. Doch ein Foto bringt alles zu unbarmherzig zurück, eine Entdeckung und eine erneute Begegnung mit seinem Kumpel Kux von damals. Der einzige Lichtblick, den er damals hat und der, der ihm schon mit zehn Jahren am Selbstmord hinderte. Kux, der sich 30 Jahre nicht bei Ben gemeldet hat, ihn nie besuchte und heute ein stinkreiches, behütetes Leben in seiner Villa hinter dicken Mauern, als Chemiekonzern-Chef, verbringt.

Was mir, wie schon in der Totenfrau-Triologie, sehr gut an Bernhard Aichners Büchern gefällt: Die tiefer gehende Hintergrundgeschichte. Die gut recherchierten und authentisch dargestellten Traumata, die schlimme Erlebnisse in der Kindheit anrichten können und die daher glaubhaft dargestellten Protagonisten. Während der Therapie versucht Ben, sich seiner Vergangenheit zu stellen, die er wohl doch lieber unangetastet gelassen hätte, oder nicht?

Bösland von Bernhard Aichner (c) BTB

Gut, aber nicht so gut wie Blum

Bösland ist Aichners erstes Stand-Alone Buch. Mit der Totenfrau-Triologie hat er steil vorgelegt, da wird es schwer, anzuknüpfen. Für mich ist und bleibt die Totenfrau-Triologie das beste, was ich an Thrillern in den letzten Jahren gelesen habe. Da kann man fast nicht rankommen, was aber nicht schlimm ist, denn deswegen kann eine Geschichte ja dennoch gut sein. So auch Bösland.

Ich mochte die Hintergrundgeschichte, ich mochte teilweise die Aufklärung und Handlung. Auch hier besticht Aichner wieder mit seinem sehr klaren Schreibstil. Der sich aber auch verwandelt hat. Er schreibt mehr längere Sätze, die dennoch weiter kurz und prägnant sind. Der typische Ein-Wort-Satz-Stil ist aber verschwunden. Trotzdem erkennt man das Buch ganz klar als typisch Aichner und es ging mir alleine dadurch schon unter die Haut. Aber: Der Böse war mir zu schlicht zu einseitig und simple Böse. Seine nächsten Schritte waren etwas zu vorhersehbar und am Ende passierte der ein oder andere Turn, der das ganze nur in die Länge gezogen hatte. Dennoch konnte mich Aichner den Großteil der Geschichte packen und in einen Leserausch mitnehmen.

Ein guter Thriller, mit interessanten Höhepunkten, aber leicht abgeflachter Spannungskurve. Alles, was mit der Vergangenheit direkt in Bezug stand, fand ich faszinierend dargestellt und absolut spannend. Psychoterror in vier Wänden. Doch später, Kux, Ben und Soy, Kux Frau, fliegen nach Thailand – ab da wird es mir zu lang und zu viel. Dieser Teil der Geschichte hat einfach nicht so rund zum Kern, dem Abend vor 30 Jahren, gepasst. Daher war Bösland zwar gut, aber konnte mich nicht komplett überzeugen.


Infos zum Buch

Autor: Bernhard Aichner

Jahr: 2018

Verlag: BTB

Seiten: 448

Format: Hardcover mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-442-75638-4

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Wi beide haben ein sehr ähnliches Leseempfinden! Ein guter solider Thriller, den ich verschlungen habe, mich aber dennoch nicht gänzlich überzeugen konnte! Ich bin fast froh, denn dritten Blum-Band noch ungelesen hier zu haben. Ich mag seinen Schreibstil mega gern, weil er sich garndios abhebt – ein wenig, nur ein wenig, fehlte mir im Vergleich zu Blum etwas und ab Thailand fangen auch meine Kritikpunkte an. Er schreibt ja an einem neuen Thriller und du wirst es nicht glauben, im Frühling bringt er eine Lovestory raus o.O Hab dich frech bei mir verlinkt , danke dir für meine Verlinkung und… Weiterlesen »

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