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Café Honeybee von Claire Bonnett

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar

Wäre die liebe Juliane von Iamjane.de nicht gewesen, wäre ich auf das Buch Café Honeybee von Claire Bonnett vermutlich niemals aufmerksam geworden. Erstens, weil ich zurzeit kaum noch Bücher kaufe oder nach ihnen stöbere, nachdem meine Wunschliste nach Buchmesse und Verlagsstöbertouren überläuft. Zweitens, weil ich in letzter Zeit nicht so Lust auf zu viel Romantik-Kitsch hatte. Und das wäre nun mal das, was ich auf den ersten Blick bei Café Honeybee erwartet hätte. Aber, in den Insta-Stories von iamjane.de (btw unbedingt folgen) hat sie mich überzeugt, den das Buch schien so anders und eben nicht typisch Romantik-Kitsch. Ob ich das nun auch so empfand?

Neuanfang dank Gedächtnisverlust?

Stell dir vor, du würdest von heute auf morgen dein Gedächtnis verlieren, wüsstest nicht mehr, wer deine Familie ist, dein Freund und du selbst? Und du hättest plötzlich die Chance, einen Neuanfang zu machen, dich selbst neu kennenzulernen?

Genau in diese Situation gerät Greta. Seit ihre Mutter gestorben ist, hat sie sich und ihre Zukunftspläne mehr oder weniger aufgegeben. Sie kümmert sich um ihre Zwillingsschwester, die den Tod der Mutter noch immer nicht verarbeiten konnte und in eine depressive Phase gerutscht ist. Noch dazu unterstützt sie ihre Großmutter Pru im Familiengeschäft – dem Café Honeybee. Und dann ist da auch noch Fin, ihr Freund, der unbedingt den nächsten Schritt ihrer Beziehung wagen will. Der Sie einerseits aus dieser Tretmühle, in der jeder immer nur von Greta verlangt und fordert, herausholen will und sie dabei gleichzeitig in seine eigene Tretmühle hereinholen möchte. Ob das Greta will, wie es ihr geht und wie sie in jungen Jahren noch ihre Zukunft gestalten möchte? Das interessiert gerade niemanden. Kein Wunder, dass Greta die Nase gestrichen voll hat! Wer hätte das nicht?

Nach einem Streit mit der Großmutter macht sie sich genervt und frustriert auf den Heimweg und hat einen Autounfall. Mit Gedächtnisverlust wacht sie im Krankenhaus wieder auf. Vielleicht ist das ihre Chance? An die Situation, in der sie vorher war, hat sie keine Erinnerung mehr. Sie könnte ihr Leben noch mal komplett neu gestalten, ihre Träume verwirklichen und vielleicht gleich noch die Probleme ihrer Familie lösen? Sie schmiedet kurzer Hand einen Plan, der jedoch für alle Beteiligten einige weitreichende Folgen haben wird.

Alles andere als Liebes-Romantik-Kitsch

Ja, natürlich spielt ein bisschen Beziehungs-Romantik-Problem-Chaos eine Rolle. Und ja, auch das sich verlieben-entlieben und was da so dazugehört. Aber: Überwiegend steht die Familie, Träume und Wünsche und das Leben an sich im Vordergrund. Und: Bücherliebe, Nerdliebe und Harry Potter. Was nicht im Vordergrund steht? Kitsch und zu viel Klischee!

Ich habe also wirklich keine Kitsch-Romantik bekommen. Stattdessen überrascht Café Honeybee mit einer locker-leichten und doch tiefgründigen Geschichte. Alleine die Idee, Greta ihr Gedächtnis verlieren zu lassen und uns mit erleben zu lassen, wie sich das anfühlen könnte, hat Claire Bonnett sehr gut umgesetzt. Das schafft sie dank ihrem sehr angenehmen, atmosphärischen Schreibstil, der dennoch so unbeschwert und wolkig-leicht ist. Und sie schafft es durch überraschende Wendungen und vielschichtige, authentische Protagonisten, die weder nur gut oder nur schlecht sind. Sondern ganz normale Menschen, die wir jederzeit wirklich auf der Straße treffen könnten.

Greta mochte ich, auch wenn ich nicht glücklich mit ihrem Handeln war. Ich hätte ihr den Kopf abreisen können und sie am liebsten feste geschüttelt. Aber genau das hat mir so gut gefallen: Eigentlich ist sie ein lieber Mensch, der nur irgendwie allen helfen will und macht aus Verzweiflung einiges falsch. Das macht sie gerade so authentisch und realistisch, denn jeder von uns tut manchmal die falschen Dinge aus dem richtigen Grund. Auch ihre Schwester Shawna mochte ich, aus deren Sicht ebenfalls einige Kapitel geschrieben sind. Sie zeigt uns, wie gegensätzlich jeder mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen umgeht. Anders als Greta hat sie sehr große Problem, den Tod der Mutter zu verarbeiten und fällt in ein ziemliches Loch. Wenn die Autorin aber beabsichtigen wollte, eine Depression zu suggerieren, dann bin ich mit der zu schnellen Art, wie sie da wieder herauskommt, absolut nicht zufrieden. Für jemanden, der sich damit selbst etwas auskennt, ist das fast schon ein No Go – den du kommst nicht aus einer Depression raus, die soweit ging, dass du nur noch schläfst, nichts mehr isst, in dem mal eben ein neuer Typ vor dir steht und nur weil deine Schwester gerade nicht mehr kann. Das ist für mich ein Punkt gewesen, den ich unglücklich fand.

Neben Greta und Shawna gibt es noch Pru, ihre Großmutter, die das Café aufgebaut hat. Eine absolute Schreckschraube. Sowas unfassbar rücksichtsloses und unsympathisches, wow, einfach wow. Ich hab mich so über sie aufgeregt – was super ist, denn das macht für mich ein Buch erst lebendig. Ihr Freund Fin war ein grandioses, egoistisches, selbstverliebtes Arschloch, von Anfang an habe ich sooo gehofft, dass der Unfall dafür sorgt, dass der verschwindet. Ob er das tut, warum noch einige andere Charaktere eine sehr wichtige Rolle einnehmen und was J.K. Rowling und Jane Austen in dem Buch zu suchen haben? Das lest ihr am besten selbst, denn:

Weitere Rezensionen:


Infos zum Buch

Autor: Claire Bonnett

Erscheinungsjahr: 2018, November

Verlag: Forever by Ullstein

Seiten: 450

Format: epub

ISBN:9783958183926

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Vielen Dank an Netgalley und den Forever Verlag für das Rezensionsexemplar. Die Rezension spiegelt dennoch meine eigene Meinung wider.

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