Cats Bestimmung von Lily Konrad
Rezensionsexemplar

Cat, das ist Catriona Thalmann. Sie ist Kriminalbeamtin bei der Frankfurter Polizei und wird zu ihrem ersten Mordfall gerufen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Ihr bisheriges Leben wird dadurch völlig auf den Kopf gestellt. Denn sie entdeckt Fähigkeiten, von denen sie nichts ahnte. Plötzlich kann sie Gedanken lesen. Und mehr als einmal tauchen Personen in ihrer Nähe auf, die sich auf unerklärliche Weise wieder in Luft auflösen. Außerdem sind auf der Tatwaffe, einem Dolch, merkwürdige Schriftzeichen, die scheinbar niemandem sonst auffallen. Im Laufe der Geschichte versteht Cat mehr und mehr, was und wer sie ist. Doch dadurch wächst auch die Bedrohung an, der sie ausgesetzt ist. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann und ob der Mann, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt hat, ein gefährliches Spiel mit ihr spielt.

Versprochen wird eine Mischung aus SciFi, Fantasy und Krimi, mit etwas Romance. Abgesehen von der Romance also die perfekte Mischung und da mich die Inhaltsangabe schon echt neugierig machte, habe ich dieses Rezensionsexemplar gerne angenommen. Außerdem hatte mir die Agentur, mit der die Autorin zusammenarbeitet das Buch noch wie folgt verkauft: Cat ist eine Power-Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, Fragen stellt, eigene Schlüsse zieht und kein typisches „Frauchen“ ist, dass ihrem Helden seufzend in die Arme sinkt und sich selbst aufgibt.

Leider muss ich dazu klar sagen – gehalten, wurde das jetzt so nicht ganz. Aber fangen wir von vorne an: Mich konnte Cats Bestimmung leider weder mit nehmen, noch fand ich es spannend, noch war der Schreibstil sonderlich berauschend. Er war schlicht, einfach und recht kühl. Es fehlt der Feinschliff, das gewisse Etwas, was mich mit zieht. Sämtliche Gefühle, Personen, Umgebungen sind extrem schlicht, sachlich und mit kaum Atmosphäre oder Spannung beschrieben. Teilweise holpert es auch immer wieder, es fehlt einfach so eine Prise: „Gerade in dem Moment, in welchem sie in Erwähnung zog, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, klingelte ihr Handy irgendwo im Flur“. In dem Stil, ist das Ganze Buch geschrieben. Sie fand, sie dachte, sie zog in Erwähnung…sie registrierte sie ist auf Island, sie stellte fest, sie ist in einer Höhle. Ich hoffe, man kann etwas verstehen, was ich meine? Ich fühlte mich dadurch einfach nicht in das Geschehen, an die Orte transportiert, spürte nicht ihre Angst, die Beklemmung, die sie angeblich fühlte.

Dann kommen wir noch zu den kleinen Dingen an Logik, Geschichte und Protagonisten, insbesonderer unserer Catriona, die mich störten. Zum einen gibt es Szenen, in denen sie im ersten Moment am liebsten sofort mit Matteo, einem Wächter und um mehrere Ecken Verwandten, ins Bett springen möchte. Im nächsten findet sies blöd, wenn er in ihrer Wohnung steht. Klar, macht für mich voll Sinn. Dann störte mich dieses ständige hin und her zwischen Cat und Catriona, gerade zu Beginn des Buches. Schon auf den ersten Seiten stellt sie klar, dass sie Cat genannt werden will, alle nennen sie auch so und dennoch benutzt Lily Konrad immer wieder auch den umständlichen vollen Namen (wenn sie mal wieder sagte, dachte, fand, feststellte, überlegte).

Dann gibt es da die sogenannten Wächter, wo einer wohl heißer und perfekter aussieht als der andere (ich hatte irgendwie mit Selbstbräuner eingesprühte Bodybuilding-Typen oder Stripper im Kopf) und vor Klischee triefen. Ich habe mich unter anderem genau wegen der Tatsache, dass Cat nicht so typisch, omg ein heißer Typ, ich werde schwach-mäßig drauf sein sollte, für das Buch entschieden. Nun ratet, genau, jedem der Typen denen sie begegnet verfällt sie erst mal. Hunter ist heiß, aber ihr Onkel. Mit Matteo will sie am liebsten erst mal schlafen. Gerade hat sie erfahren, was sie ist und wo sie herkommt, aber das ist einer der ersten Gedanken, der ihr in den Kopf kommt. Später trifft sie dann noch Mitch, für den sie plötzlich auch Gefühle hat, die sie so noch nie empfunden hat und mit dem sie am liebsten auch schon am ersten oder zweiten Tag in die Kiste hüpft. Ähm..finde den Fehler?

Die folgenden beiden Zitate haben mich dann fast schon zum Abbrechen gebracht, die die Art Typ, die wir hier fast ausschließlich kennenlernen und Cats ach so gutes „Ich bin so eine nicht“ noch mal unterstreichen:

Sie hatte das Gefühl, in der Falle zu sitzen. Schließlich konnte sie ihm schlecht einen Korb geben, wo sie ihm doch eine Wiedergutmachung schuldig war. Dennoch war sie sich nicht mehr sicher, dass sie tatsächlich Sex mit ihm haben wollte. (S. 89)

‚Den Umgang mit Frauen musst du erst noch lernen, mein Lieber‘, (…) ‚Bis jetzt hat sich noch keine beschwert‘, maulte Hunter beleidigt, ‚Und es war auch noch keine so schwierig wie sie.‘ (…) ‚Ich habe von Frauen gesprochen, nicht von Betthäschen.‘ (ich hab leider versemmelt, die genau Seitenzahl aufzuschreiben, war kurz nach dem ersten)

Ach ja, ich glaube Hunter ist es auch, der sie natürlich erst mal Kätzchen nennt, oder Matteo, bin mir nicht mehr sicher. Meine Augen rollten ganz schön weit in den Kopf rein, als ich das las.

Darüber hinaus kam sie, was vor allem dem Schreibstil geschuldet ist, für mich sehr kalt und nüchtern rüber. Ihre „Gefühlsregungen“, Gedanken und Handeln wirkten für mich sehr hölzern und nicht so richtig authentisch und realistisch.

Einige Sekunden lang beschäftigte sie sich mit der Frage, ob sie Angst haben sollte. Sie kam rasch zu dem Ergebnis, dass ihr das auch nicht helfen, sondern ihr weiteres Vorgehen vielmehr behindern würde. Also entschied sie sich dagegen. (S.128)

Sie nimmt die starken Änderungen richtiggehend Gleichgültig hin, ist mehr sauer, dass ihr zwei Halbonkel, die plötzlich auftauchen und wieder verschwinden und die sie noch nie im Leben gesehen hat, nicht bei einer Organisationssache helfen, als dass sie irgendwie verstört oder entsetzt über all die Dinge wäre, die ihr offenbart wurden. In manchen Momenten blitzt tatsächlich die oben beschriebene, starke Power-Frau auf. Leider immer nur für wenige Sätze. Denn die meiste Zeit denkt sie nur, wo sind meine Wächter, warum bin ich alleine (was sie so gut wie nie ist). Ich kann ohne meine Wächter nicht, die müssen doch auf mich aufpassen und und. Ist vielleicht verständlich, aber für mich war sie eher unsicher, ängstlich und alles andere als eine, die ihr Leben voll im Griff hat. Was okay wäre, wenn es nicht anders versprochen worden wäre.

Auch kam für mich das ganze Buch über keinerlei Spannung oder Nervenkitzel auf, selbst an den Stellen, an denen man das eigentlich erwarten würde. Zu sehr erklären kann ich das nicht, ohne zu spoilern. Es wird nur über mehrere Seiten hinweg etwas aufgebauscht, wie gefährlich das alles ist und wie unüberwindbar das Vorhaben eigentlich sein könnte. Und dann ist das Geschehen selbst in einem Halbsatz abgehandelt. Zack, einfach so, hats geklappt und man hat keinerlei Beschreibungen zur Atmosphäre, vielleicht irgendwas was schiefgeht oder sonstige Spannungselemente. Zumindest war das für mich leider absolut nicht der Fall.

Ich hatte gehofft, dass der Showdown anders wird, war zwar ganz kurz ganz okay, aber hat mich auch nicht mehr vom Hocker hauen können. Die weiteren Bände sind dann für mich auf jeden Fall raus, was vor allem an den Klischee triefenden-Typen liegt, dem sehr holprigen, einfachen Schreibstil und der für mich in sich nicht schlüssigen Hauptprotagonistin.

Infos zum Buch

Verlag: BoD

Erscheinungsjahr: 2018

Seiten: 268

Genre: Roman

Format: eBook

ISBN: 9783752883381

Autorin:

Lily Konrad begann 2002 Romane zu schreiben. Erst nur für ein paar Testleser. Bis ihr Debüt „Staub von den Sternen“ 10 Jahre später erschien. Sie lebt mit ihrer Familie in ihrer Wahlheimat Butzbach, einem Städtchen in der nähe von Frankfurt. Ihre Freizeit verbringt sie mit Schreiben, Lesen, Stricken, Wandern und Reisen. Mehr zu ihr auf ihrer Website.