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Das Floß der Medusa – Franzobel*

von Franzi S.
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Das Floß der Medusa von Franzobel (c) Zsolnay - Hanser Verlag

(c) Zsolnay – Hanser Verlag

Rezensionsexemplar

Werbung: *Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Hanser Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrlich und eigene Meinung wieder.

Am 18. Juli im Jahre 1816 entdeckt der Kapitän der Argus ein rund zwanzig Meter langes Floß. Der Anblick, der sich ihm darauf bietet, lässt ihm eiskalte Schauer über den Rücken jagen. Ein Anblick von 15 kaum noch lebenden Menschen. 15 von ursprünglich 147: Ausgedörrt, eingefallene, hohle Augen, verbrannte Augen, übersät von Wunden und Blasen. Die letzten Überlebenden nach dem Untergang der Fregatte Medusa. Zumindest die letzten, die von den anderen auf diesem unmenschlichen Floß zurückgelassen wurden. Zwei Wochen verbrachten sie auf offener See, kaum Trinken, keine Nahrung. 15 Menschen die nur überlebten, weil sie alle Moral und das Gewissen vergaßen in ihrem Kampf zum Überleben.

Franzobel nimmt in seinem Buch diese historisch belegte Geschichte als Basis seines epochalen Romans. Eine, die in jeder Generation immer wieder aufs neue aufkommt. Eine, die mitten in den Kern der Menschlichkeit zielt, die sich die Frage stellt, wie hoch der Preis ist, um überleben zu können. Er verwebt dieses historische Ereignis mit einem ganzen Schiff voller Narren, den unterschiedlichsten, kuriosesten Charakteren. Jeder von ihnen bekam eine eigene Identität, merkwüdig, gemein, sympathisch, eine bunter Mix, der unterhält.

Obwohl man weiß, wie die Geschichte endet, was passieren wird, schaffte es Franzobel eine gewisse Spannung aufrechtzuerhalten, zumindest am Anfang und gegen Mitte des Buches. Wir starten mit der Entdeckung des Kapitäns der Argus und fragen uns unweigerlich, wie diese 15 Menschen, wenn es denn noch welche sind, bis zu diesem Moment schaffen konnten. Dabei benutzt er eine einfache, überwiegend authentische, brutale Sprache, die perfekt zur Szenerie passt.

Was mich jedoch störte, waren die Verwebungen zur Gegenwart. Alle paar Seiten wirft er mal eine Einspielung zur heutigen Zeit ein, die für mich diese historische Szenerie wieder etwas zerstörtet. Zudem zog sich die Darstellung der ganzen Idiotie der Schiffsführung und Besatzung etwas zu lange. Der Schiffbruch hätte schneller geschehen können, die Geschichte rasanter zum Floß kommen können. Auch die Fede zwischen Viktor, dem Küchenjungen mit Gaines und Clutterbucket störte den eigentlichen Kern der Geschichte – nämlich ob und wie Moral, Zivilisation und Menschlichkeit bestehen können, wenn man in einer so aussichtslosen Situation gefangen ist.

Insgesamt ein interessanter Einsteig, spannend und Neugierde weckend. Allerdings wird es schnell zu langatmig, zu detailreich, mit für mich einfach störenden Einstreuungen der Gegenwart. Franzobel konnte mich daher nicht ganz überzeugen, auch wenn ich die Kernfrage der Geschichte überaus interessant finde, ging diese in zu vielen Details unter.

Infos zum Buch

Autor: Das Floss der Medusa
Erscheinungsdatum: 30.01.2017
Verlag: Hanser
Seiten: 592

Genre: Roman

Meine Wertung: 3 von 5 Sternen
Format: ePUB ebook
ISBN: 978-3-552-05843-9
Format: Fester Einband
ISBN: 978-3-552-05816-3
Preis fester Einband: [D] 26,00 €; [AT] 26,80 €
Preis eBook: [D] 19,99 €; [AT] 19,99 €

Autor:

Franzobel wurde 1967 in Vöcklabruck geboren. Er ist einer der populärsten und polarisierendsten Schriftsteller Österreichs. Er erhielt bereits verschiedene Auszeichnungen, wie den Ingeborg-Bachmann-Preis (1995), den Arthur-Schnitzler-Preis (2002) und den Nicolas Born-Preis (2017). Bei Zsolnay, Hanser, erschienen zuletzt seine Krimis „Wiener Wunder“ und „Groschen Grab“ sowie der Roman „Das Floß der Medusa“.

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