Das Sonnenkind von Detlev Meyer (c) Aufbau Digital

Werbung: *Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Aufbau Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrlich und eigene Meinung wieder.

Detlev Meyer schrieb “Das Sonnenkind” kurz vor seinem Tod im Jahr 1999. Anlässlich seines Geburtstages, 70 Jahre wäre er alt geworden, wurde das Buch neu auferlegt, inklusive Nachwort von Matthias Frings. Ich muss ja gestehen, dass ich Detlev Meyer nicht kannte und bin nur durch die Verlagsvorschau des Aufbau-Verlages darüber gestolpert.

Der Klappentext versprach einen spritzigen, leichten Roman. Und das hat er zum Teil auch gehalten. Wir begleiten den neunjährigen Carsten Scholz, der mit seiner Familie in Neukölln des Jahres 1960 wohnt, genauer – im Truseweg. Hier finden wir das wahre Leben, voll mit Liebe, ein bisschen Hass und Neid, Vorstadtidylle und ganz viel Lokalkolorit.

Carsten wird von allen “Das Sonnenkind” genannt. Er ist verhätschelt von Oma, Eltern, Tanten, ein bisschen vom Bruder und ganz besonders von seinem Onkel Max Wollin. Leicht altklug, manchmal ziemlich nervig-überheblich, aber meist liebenswert und äußerst schlau kommt Carsten daher und soll auch eine Art Alter-Ego von Detlev Meyer sein. Ich mochte ihn stellenweise, aber ich hätte ihn genauso gut auch hin und wieder eine überziehen können.

Aber, genau das ist es, was Carsten und auch das ganze Buch ausmacht. Denn durch diesen überzogenen kleinen Jungen wird “Das Sonnenkind” erst so richtig ironisch-spritzig-leicht. Und doch wirkt es dabei nie albern, sondern wartet immer mit dem nötigen Ernst auf und dem wahren Leben. Ungeschönt, eben so, wie es ist.

Der dandyhafte Großvater, der immer im Anzug rumläuft und mit seinem Enkel aus Cognacschwenkern (bei Carsten freilich nur mit Sinalco) trinkt, am Kuhdamm im Café Kranzler. Die Sekretärin Reeskow, die trinkende Tante, der hypersensible Komponist mit Frau, der Hausmeister, der als einziger nicht sofort auf Carstens Charme reinfällt, Jugendliche, die cool sein wollen, aber mehr als Raider und ein Moped muss es dann doch nicht sein. Mit diesem Potpourri an Charakteren konnte mich Detlev Meyer ganz gut amüsieren. Auch wenn der ironisch-saloppe Schreibstil, der einen regelrecht durch die Seiten jagt, manchmal zu viel des Guten war. Ein bunter Mix an Lebenssträngen, mitten aus dem Leben des Neukölln der 1960er Jahre.

Infos zum Buch

Erscheinungsdatum: 19.01.2018

Genre: Roman, Belletristik

Verlag: Aufbau Digital Verlag

Format: ebook

Seiten: 232

ISBN: 9783841214690

Preis: 14, 99 € [DE]

Autor:

Detlev Meyer wurde im Feburar 1948 geboren. Er studierte Bibliothekswissenschaft und Informationswissenschaft in Berlin und Cleveland. Anschließend war er Bibliothekar in Toronto sowie Entwicklungshelfer in Jamaika. Später lebte und arbeitete er als freier Autor und Journalist in Berlin. Er starb bereits am Oktober 1999. Er war PEN-Mitglied und erzhielt zahlreiche Literaturstipendien. Mehr zu seinen Veröffentlichungen: http://www.aufbau-verlag.de/index.php/autoren/detlev-meyer

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