Der Fürst des Nebels von Carlos Ruiz Zafón (c) Fischer

Zafón konnte mich mit „Der Schatten des Windes“ sowas von überzeugen. Ich freute mich daher sehr, sein erstes Buch „Der Fürst des Nebels“ zu lesen, sein erster Schauerroman. Doch mich konnte er mit diesem ersten Buch nicht sonderlich begeistern, es erinnerte mich kaum an all das, was für mich „Der Schatten des Windes“ ausmachte. So wortgewaltig, poetisch und kraftvoll der Schreibstil dort war – hier war das Gegenteil der Fall. Er war sehr schlicht, aber nicht auf eine angenehme Art, sondern eher, wie bei jemanden, der erst noch ein bisschen üben muss, um seinen Stil zu finden. Nachdem es sein erstes Buch war, auch gar nicht so abwegig. Der Anfang begann recht vielversprechend und schaurig, inklusive creepy Clown. Aber schnell war ich eher etwas gelangweilt.

Die Geschichte startet, als Max und seine Familie vor dem tobenden Krieg in ein kleines Fischerdorf fliehen. Frieden und Sicherheit wollen sie in einem alten Haus direkt am Meer finden, dass schon seit Jahren leer steht. Bald schon legt sich ein dunkler Schatten über den Rückzugsort der Familie. Denn Max erfährt, dass der Sohn der ehemaligen Bewohner vor rund zehn Jahren ertrunken ist. Und zwar unter ziemlich mysteriösen Umständen. Auch heute noch liegt diese geheimnisvolle Macht über der Familie, die nun auch das Leben seiner Familie bedroht. Im Dorf lernt er Roland kennen, beide schließen schnell Freundschaft. Gemeinsam tauchen sie zum Wrack der Orpheus und Max spürt richtig, dass dort unten etwas Schreckliches lauert. Wie ist die Verbindung von Wrack, zum Friedhof bis zur Geschichte über den Fürsten des Nebels, die ihnen der alte Leuchtturmwärter versprach?

Nun, das klingt ja eigentlich ganz vielversprechend, oder? Dachte ich mir auch, also mitgenommen. Aber ach, leider hält das Buch nicht, was es verspricht. Nach den anfänglichen recht schaurigen Moment im Skulpturengarten und im Haus flacht es schnell wieder ab. Meist erleben wir Max, Roland und seine Schwester wie sie sich kennenlernen und Dorf und Wrack erkunden, die anfänglichen Besorgnis von Max am Wrack kommt kaum rüber. Außerdem erleben wir viele von Max Gedanken, zu einem Buch, das er liest, wie er seine Schwester und Roland beobachtet und und. So schleppte sich die ganze Erzählung sehr, auch der „Showdown“ am Ende konnte mich dann schon nicht mehr überzeugen.

Noch dazu ist die Geschichte etwas wirr und nicht ganz durchdacht. Nehmen wir den Skulpturengarten, der am Anfang eine sehr bedeutende Rolle zu spielen scheint, ebenso wie die Taschenuhr von Max. Später dreht sich aber plötzlich nur noch alles um das Wrack der Orpheus. Was es nun mit den anderen beiden Dingen auf sich hatte, das erfahren wir nicht. Oder wie Rolands Ziehopa bisher alle vor dem „Bösen“ bewahren konnte, indem er Tag und Nacht in seinem Leuchtturm sitzt, das erfahren wir auch nie. Zudem fehlt es mir an Logik. Denn der Ziehopa weiß um die Gefahr, die vom „Fürst des Nebels“ ausgeht, erzählt sie aber über 10 Jahre lang niemanden. Aber als Max daher kommt, plaudert er plötzlich aus dem Nähkästchen, während Roland und Max Schwester in Gefahr schweben. Die nie hätte sein müssen, hätte er schon immer alles auf den Tisch gepackt. Klar, soll spannend sein, war hier aber leider äußerst unrund und unlogisch verpackt und dargestellt.

Alles in allem war „Der Fürst des Nebels“ also zu Beginn gut, enttäuschte mich aber mit jeder Seite mehr und hat für mich nichts mit dem grandiosen Stil und Storytelling zu tun, den Zafón später in „Der Schatten des Windes“ erschafft. Erwähnenswert ist hier jedoch, dass es ursprünglich als Jugendbuch gedacht war, dass der Stil hier nicht ganz so tief gehend ist, ist damit also logisch. Das gewisse Etwas und die Spannung hätten aber dennoch auch in einem Jugendbuch besser transportiert werden können.

Anzeige - Infos zum Buch

Verlag: Fischer

Erscheinungsjahr: 2018

Seiten: 240

Genre: Roman

Format: Taschenbuch

ISBN: 978-3-596-18726-3

Originaltitel: Blue

Übersetzung: Lisa Grüneisen

Preis: [D] 9,99 €; [AT] 10,30

Weitere Rezensionen:

Zwischen den Seiten

Zeit für neue Genres

Ge(h)Schichten

Autor:

Carlos Ruiz Zafón wurde im Jahr 1964 in Barcelona geboren. Dort besuchte er die Jesuitenschule Sarrià. Später war er beruflich in einer Werbeagentur tätig. Als er 29 Jahre alt war, erhielt der für seinen ersten Roman „El Principe de la nibble“ (Der Fürst des Nebels) einen Jugendliteraturpreis. Mit „Der Schatten des Windes“ (La sombra del viento) schaffte er es an die Spitze der Bestseller-Liste. Seit 1994 lebt er in Los Angeles. Dort arbeitet er als Drehbuchautor und schreibt für die spanischen Tageszeitungen El Pads und La Vanguardia.