Der Kreidemann von C.J. Tudor (Goldmann)
Rezensionsexemplar/Werbung

Vor einigen Wochen erhielt ich überraschende Post vom Goldmannverlag. Hervor kam dieses Buch, gemeinsam mit einer Packung Kreide – richtig toll gemacht. Dennoch spiegelt die Rezension meine eigene und ehrliche Meinung wider.

Als Eddie zwölf Jahre alt ist, begegnet er dem Kreidemann zum ersten Mal. Am Tag des schrecklichen Unfalls, den er niemals vergessen wird. Er erzählte Eddie von den Zeichnungen: Geheime Botschaften, die niemand außer Eddie und seinen Freunden verstand. Am Anfang hat das auch richtig viel Spaß gemacht. Bis die Kreidefiguren sie zum ersten Toten führen. Seither sind 30 Jahre vergangen. Wir treffen Eddie zu dem Zeitpunkt wieder, als er einen Brief erhält, der die alten Wunden auf brutale Weise wieder auf reist. Plötzlich holt ihn die Vergangenheit ein und der Kreidemann geht wieder um.

So rätselhaft, bedrohlich und unberechenbar, wie schon damals. Eddie begreift, dass das Spiel nie ein Ende hatte. Das Buch ist in zwei Zeitstränge aufgeteilt. Im Jahr 1986 treffen wir Eddie, Metal Mickey, Fat Gav, Hoppo und Nickey. Es sind vier Jungs und ein Mädchen, die unzertrennlich sind und die den ganzen Sommer vor sich liegen haben. Eine Geschichte, die von Beginn an ein Coming-Of-Age Feeling wie bei Stand-by-Me versprühte. Ein Sommer, der ihre aller Leben für immer verändern wird und die Freundschaften auf harte Proben stellt. Und wir treffen Eddie, Fat Gav und Hoppo auch im Jahr 2016. In Rückblicken erleben wir mit den fünf den Sommer bis Winter 1986. Und all die Geschehnisse, die das Städtchen in Schrecken versetzten. Dinge, die sich im Jahr 2016 zu wiederholen scheinen. Denn der Kreidemann war noch nicht fertig.

Die Geschichte ist eher ruhiger, kein atemberaubender, schnell voran preschender Thriller. Eher stiller, gemächlicher und mysteriös. Verbunden mit einer Coming-Of-Age Geschichte, in der die Kleinstadt, die Charaktere und auch die Nebenstatisten eine besondere Rolle spielen und äußerst gut und authentisch gezeichnet waren. Genau das macht für mich den meisten Zauber von „Der Kreidemann“ aus. Starke, vielschichtige Charaktere. Authentisch und aus dem Leben gegriffen, mit Ecken und Kanten, Macken aber auch positiven Eigenschaften. Und jeder hat so seine Päckchen und Geheimnisse in diesem eigentlich recht verschlafenen Städtchen in England. Ein Städtchen, in dem man doch merkt: Zwietracht, üble Nachreden, Gerüchte gibt es auch hier und können schnell das Fass zum Überlaufen bringen und auch tiefste Freundschaften sind davor nicht geschützt.

Stephen King sagte zum Buch „Wenn Sie meine Bücher mögen, werden Sie auch dieses verschlingen“ und er hatte recht. Den, wie viele bestimmt wissen, ist Stand-by-Me von ihm und auch an die Gruppe von „ES“ konnten mich Eddie und Co. erinnern. Der Unterschied zu ES – C.J. Tudors Buch ist deutlich kurzweiliger, klar, knackig und geht trotzdem an den nötigen Stellen weit genug in die Tiefe. Gespickt wird das ganze mit vielen Fragen, Rätseln und Cliffhangern, deren Antworten Eddie nun im Jahr 2016 versucht zu finden. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen, war wahnsinnig neugierig und im mysteriösen Setting gebannt.

Kritikpunkt war für mich lediglich das zu schnell abgehandelte Ende. Bei all den vielen Rätseln, Spekulationen und Fragen wurde der „Showdown“ für meinen Geschmack etwas zu rasant abgehandelt, als wäre der Autorin noch kurz eingefallen, dass die Aufklärung ja noch fehlt und noch schnell reinmuss. Da für mich aber tatsächlich die Zeit im Jahr 1986 und die Darstellung von Protagonisten und dem Städtchen wichtiger sind, macht das am Gesamtlesevergnügen nichts aus. Empfehlenswert für jeden, der gerne mysteriöse, ruhigere Thriller mit tiefer gehender Charakterdarstellungen liest und Bücher/Filme wie Stand-By-Me und ES mag.

Infos zum Buch

Verlag: Goldmann

Erscheinungsjahr: 2018

Seiten: 384

Genre: Thriller

Format: Hardcover mit Schutzumchlag

ISBN: 978-3-442-31464-5

Preis: [D] 20,00 €; [AT] 20,60 €

Originalverlag: Michael Joseph

Originaltitel: The Chalk Man

Übersetzung: Werner Schmitz

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Autorin:

C.J Tudor lebt mit ihrer kleinen Tochter und ihrem Lebensgefährten in Nottingham, wo sie auch aufwuchs. Sie hatte schon einige Jobs, wie Synchronsprecherin, Werbetexterin, TV-Moderatorin und Dogwalkerin. „Der Kreidemann“ ist ihr Debüt, der international für Furore sorgte und in kürzester Zeit in 39 Länder verkauft wurde.