Der Lavendelgarten von Lucinda Riley (c) Goldmann

Emilie de la Martinières hat jahrelang gekämpft, um sich ihre eigene Existenz jenseits ihrer aristokratischen, gehobenen Herkunft aufzubauen. Doch dann stirbt ihre unnahbare, glamouröse Mutter Valérie. Emilie wird mit den Lasten eines gewaltigen Erbes konfrontiert. Sie kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück – ins Château de la Martinières, einem herrschaftlichen Stammsitz in der Provence.

Emilie ist alleine, denn ihr Vater Édouard starb als sie gerade vierzehn Jahre alt war. Sie hat keine Geschwister, keine weiteren Verwandten und so ist sie Alleinerbin des Châteaus, der umliegenden Weinberge und eines Stadthauses in Paris. Noch dazu ist das Chateau renovierungsbedürftig und das Anwesen hochverschuldet.

Die alles andere als verwöhnte, dennoch sehr naive und leichtgläubige Emilie ist mit ihrer Aufgabe vollkommen überfordert. Wie durch Zufall steht ein junger, attraktiver Kunsthändler aus England vor der Tür und bietet ihr Hilfe an. Schnell entsteht eine Romanze und nur wenige Monate später folgt eine nach meinem Geschmack überstürzte Hochzeit.

Mir war dieser Teil der Geschichte zu kitschig, Emilie war mir zu naiv. Wo sie doch zunächst wie eine starke, unabhängige Frau wirkt, die in Paris ein eigenes Leben hat und Tierärztin ist. Doch plötzlich ist sie dieses hirnlose, rettungslos verliebte Mädchen. Damit konnte Lucinda Riley bei mir leider gar nicht punkten.

Glücklicherweise gibt es aber wie immer einen zweiten, viel spannenderen und faszinierenderen Erzählstrang. Hier erfährt Emilie, dass das Leben ihrer Tante von einem tragischen Geheimnis geprägt war. Sie verfolgt die Spur ihrer Familiengeschichte bis an den dunkelsten Tag zurück und bis zu einer verbotenen Liebe.

Diese Rückblicke in die Zeit im Zweiten Weltkrieg, die uns die Geschichte ihrer Tante, ihres Onkels und der Oma ihres neuen Ehemannes und dessen Bruders näherbringt, hat mir deutlich besser gefallen. Hier ging es weniger kitschig und realer zu, was vermutlich an dem realen Setting mitten im Kriegs-Frankreich liegt. Die Protagonisten, die Handlungen und der Spannungsbogen haben mir in diesem Teil der Geschichte deutlich besser gefallen. Zudem war dieser Teil auch nicht so furchtbar vorhersehbar, wie die erste Erzählperspektive.

Ein großer Kritikpunkt ist der fehlerhafte Klappentext für mich. Hier steht, Emilie würde ein Gedichtband ihrer Tante in die Hände fallen. Das ist jedoch nie passiert. Stattdessen hört sie die Geschichte um ihre Tante nämlich vom älteren Besitzern der „Cave“, die zu den Weinbergen gehört.

„Der Lavendelgarten“ lässt mich zwiegespalten zurück. Ich mochte die Geschichte im Zweiten Weltkrieg sehr. Hier gab es Spannung, faszinierende Hintergrundinformationen und wundervolle, starke Charaktere. Der andere Erzählsptrang rund um Emilie gefiel mir hingegen überhaupt nicht – Kitsch, Naivität und eine mir nicht verständliche Entwicklung der Protagonistin.

Beide Stränge sind jedoch geschickt miteinander verwoben und zeichnen sich durch einen einnehmenden Schreibstil aus, bei dem mir vor allem die Szenenbeschreibung gefiel. Alles in allem durchwachsen, aber empfehlenswert, falls ihr mit Kitsch und einer leicht vorhersehbaren Handlung im ersten Erzählteil zurechtkommt.

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Infos zum Buch

Titel: Der Lavendelgarten

Autor:  Lucinda Riley

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Goldmann

Seiten: 504

Format: Klappbroschur

Preis: [D] 9,99 €; [A] 10,30 €

ISBN 978-3-442-47797-5

Autor
Lucinda Riley, in Irland geboren, verbrachte als Kind viel Zeit in Fernost. Sie liebte das Reisen und ist mit diesen Orten ihrer Kindheit immer noch sehr verbunden. Sie hatte bereits eine Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin, konzentriert sich heute jedoch aufs Schreiben. Ihr erster Roman war „Das Orchideenhaus“ und auch ihre weiteren Bücher stürmten wie dieses die internationalen Bestsellerlisten. Mehr über Lucinda Riley gibt es auf ihrer Website.

Headerbild: Der Lavendelgarten von Lucinda Riley (c) Goldmann

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