Die Frauen von La Principal von Lluis Llach (c) Suhrkamp

Lluís Llach erzählt uns die Geschichte von den Frauen der La Principal über drei Generationen hinweg. Alle drei sind Frauen, die sich den Zwängen ihrer jeweiligen Zeit befreien und sich in dieser Männerwelt behaupten. Es geht um Maria, deren Vater mit ihren vier Brüdern nach Barcelona geht, als die Reblaus ins spanische Pous Einzug hält. Der Wein ist in Gefahr. Doch sie muss bleiben. Als einzige Tochter soll sie verwalten, was vom Weingut noch übrig ist. Für Sie ist es zunächst die Enttäuschung ihres Lebens. Für alle anderen der Beginn einer neuen Zeit. Doch auch für Sie brechen schon bald völlig andere Zeiten an.

Der Buchrücken gibt nicht mal im Ansatz wieder, was sich auf den rund 370 Seiten versteckt. Ein Roman, der ein bisschen Krimi, ein bisschen Familiendrama bzw. -geschichte und Gesellschaftskritik in einem ist. Ein Buch, das einen mitten rein versetzt in das spanische Dorfleben der letzten drei Generationen. Das schaffte einen spannenden Mix und konnte mich gut unterhalten. Wir starten zunächst mit Maria, die auf dem Gut zurückgelassen wird. Frauen wird zu dieser Zeit noch eine Ausbildung verwehrt und so bleibt ihr kaum eine andere Wahl. Maria Roderich, die schon bald einfach nur “die Alte” genannt wird, fügt sich schnell und zeigt, was ihn ihr steckt. Denn sie lässt sich so schnell nicht unterkriegen und führt das Gut mit starker Hand. Außerdem begleiten wir ihre Tochter, Maria Magi, die das Weingut später übernimmt. Hier handelt es sich meist um den Erzählstrang im Jetzt. Von diesem landen wir in Rückblicken in die Zeiten zur Übergabe von La Principal an ihre Mutter und wie es in den Jahren danach weiterging.

Maria Magi ist die mächtigste Frau in Pous und leitet, wie schon ihre Mutter, das Gut mit strenger, professioneller Hand. Ihre Mutter, die Alte, starb recht jung und so übernimmt sie das Gut schon früh. Niemand wagt es, Maria Magis Autorität in Frage zu stellen. Bis eines Tages Hauptkommissar Lluis Recarder vor der Tür steht. Er will bezüglich eines Mordes ermitteln, der kurz vor dem Krieg in Pous stattfand. Die Leiche legte man auf die Türschwelle der Principal. Und schon landen wir in einem Hauch Kriminalroman, neben dieser Geschichte um Generationen von starken Frauen, deren Handeln und Ansichten ich zwar nicht immer gut fand, aber stets nachvollziehen konnte.

Viele Schlüsselpunkte der Geschichte erfahren wir durch Úrsula, die schon seit Jahrzehnten Haushälterin und Amme im Hause ist. Damit wir hier nicht durcheinander kommen, werden ihre Erzählperspektiven, viel mehr Rückblicke und Geschichten, stets in kursiv dargestellt. Aber dem ist noch nicht genug, denn es gibt noch eine dritte Ebene und eine dritte Maria, die ich aber nicht näher erklären möchte, denn für mich war dieser Teil der Geschichte ein kleiner Überraschungsmoment und soll es natürlich auch für euch sein.

Der Autor und Liedermacher Llach nimmt uns mit in die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis in die ersten Jahre kurz nach der Jahrtausendwende. Wir begleiten drei Generationen von Frauen, die in der damals patriarchalischen Welt, in denen Frauen nicht viel zu sagen hatten, das Zepter in der Hand halten und das mächtige Gut wirtschaftlich führen, weiterentwickeln und am Leben halten. Sie alle sind respektiert, teilweise gefürchtet und ein wichtiger Bestandteil für den kleinen Ort. Wir erleben mit Ihnen Höhen und Tiefen, Momente der Stärke und der Schwäche sowie Schicksalsschläge, die keine der Marias je zu lange aus der Bahn werfen.

Die Frauen von La Principal war ein bunt gemischter Roman, vielschichtig und vielseitig mit authentischen, starken Charakteren, die überzeugen. Ein Buch von großen und kleinen Momenten. Still, spannend und faszinierend. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählsträngen sorgt zwar für Abwechslung, dennoch hatte ich, gerade zu Beginn, immer mal wieder so meine Schwierigkeiten damit. Auch mochte ich tatsächlich den dritten Erzählstrang, über den ich euch nicht mehr erzählen möchte, eher weniger.

Dennoch konnte mich das Gesamtpaket von Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt und Zeit durchsetzten und behaupten, gut unterhalten. Ein leichtes und unterhaltsames und zugleich auch tieferes Buch, dass kaum merklich nebenbei die Politik, den Bürgerkrieg und die damals intriganten Machenschaften der Kirche verwebt und gleichzeitig sehr atmosphärisch und szenisch geschrieben ist.

Anzeige - Infos zum Buch

Verlag: Suhrkamp

Erscheinungsjahr: 2016

Seiten: 368

Genre: Roman

Format: Gebunden mit Schutzumschlag

Übersetzung: Petra Zickmann

Originaltitel: Les dones de la Principal

Originalverlag: Editorial Empúries

ISBN: 978-3-458-17672-5

Preis: 19,95 €

Headerbild: (c) Suhrkamp Verlag

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Autor:

Lluís Llach, geboren 1948, erlangte als Sänger der Nova cançó große Berühmtheit. Sein während der Franco-Diktatur im Pariser Exil entstandener Song L’Estaca gilt als die Hymne der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Llach lebt auf seinem Weingut im katalanischen Dorf Porrera. Die Frauen von La Principal ist sein erster Roman in deutscher Übersetzung.

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