Die unsichtbare Bibliothek von Genevieve Cogman (c) Bastei Lübbe

Die unsichtbare Bibliothek hat mich ehrlich gesagt fast etwas sprachlos hinterlassen. Aber nicht, weil es mich so überwältigt hat. Sondern weil ich nicht so richtig weiß, wie ich euch beschreiben kann, ob es mir gefiel oder nicht. Ist okay, dass ich es gelesen habe, aber es hätte auch nicht sein müssen. Und warum? Es war zu viel und zu unrund.

Zunächst mal zur Story: Wir haben eine unsichtbare Bibliothek. Diese liegt jenseits von Raum und Zeit und hat es sich zur Aufgabe gemacht, wertvolle und einzigartige Bücher aus den unterschiedlichsten Parallelwelten zu retten und aufzubewahren. Dafür sind verschiedene Bibliothekare im Außendienst zuständig, wie sie Irene, unsere Hauptprotagonistin ist. Keiner, außer die Mitarbeiter, weiß von der Bibliothek oder gar von den anderen, existierenden Welten. Die Plot-Idee an sich hat mich überzeugt: Bücher, Bücherliebhaber und die Bibliothek, die als Bewahrer dieser Schätze fungiert mit einem Hauch Fantasy – klingt doch gut.

Wir begleiten Irene dabei, wie sie zu ihrem neuen Einsatz gemeinsam mit Kai, den sie einlernen soll, aufbricht. Sie soll eine seltene Ausgabe der Grimmschen Märchen organisieren und zur Bibliothek bringen. Doch schnell ist es kein harmloser Einsatz mehr, sondern eine gefährliche, ja fast tödliche Jagd. Denn nicht nur Irene möchte das Buch haben. Klingt doch auch noch gut. Doch dann kommen wir zum ABER: die Umsetzung!

Das Buch ist vollgestopft mit haufenweise Fantasy, dann werfen wir noch eine Prise Steampunk obenauf und versuchen nebenbei noch eine Kriminalgeschichte im Stile Sherlock Holmes einzuweben. Eine Bibliothek im Nichts zwischen Parallelwelten hätte doch eigentlich schon ausgereicht. Nein! Drachen, Vampire, Werwölfe, Magier und möchte gern Steampunk-Momente, die durch Zeppeline und komische mechanische Riesentausendfüßler hinzukommen plus einen Detektiv, der es aber mal so gar nicht mit Sherlock aufnehmen kann. All das finden wir ebenfalls in diesen knapp 450 Seiten rein gequetscht. Das war mir persönlich viel zu viel, überfrachtete das Buch und verwischte den Plot vollkommen. So kam ich mir regelrecht erschlagen vor.

Durch dieses wirre Chaos fehlte mir auch der rote Faden. Ich fühlte mich wie von einer Szene in die nächste geschleudert. Ohne im Buch ankommen zu können. Ohne mit den Protagonisten oder der Welt warm zu werden. Für mich hatte die Story kein Schema, dem sie folgte, mehr eine Willkür. Als wäre ihr Genevieve Cogman beim Schreiben, dies und das eingefallen, dass sie einfach sofort einbaut, statt durchdacht zu strukturieren. Bei den Charakteren bleiben wir dann sehr oberflächlich, ich konnte mit keinem warm werden und habe jetzt schon wieder keine Erinnerung daran, welche Charakterzüge diese den ausgezeichnet haben. Ach, außer den Klischee-Schönling-Kai.

Getoppt wurde das Ganze dann von einem Schreibstil, der mal okay war, aber ziemlich häufig zu gewollt-ironisch-witzig und zu unrund war. Die holprigen, unrunden Stellen könnten allerdings auch der Übersetzung geschuldet sein (wie beispielsweise zerbrechlich wie eine Gardine). Eventuell hätte es mir also im Original mehr Spaß gebracht, was den Schreibstil anbelangt.

Die zu überladenen Handlung, die blassen und teilweise Klischee beladenen Charaktere hätte das Original aber auch nicht gerettet. Tja und wie ihr seht, am Anfang wusste ich nicht, ob ich euch sagen kann, ob mir das Buch nun gefiel oder nicht. Nachdem ich, dass nun alles aufgeschrieben habe, ist das Fazit wohl doch eindeutig: Mäh statt Yay und damit keine Leseempfehlung von mir. (Es sei den, euch stören die obengenannten Punkte eher selten, dann los gehts, denn die Grundidee ist doch ganz nett).

Infos zum Buch

Erscheinungsdatum: 21.07.2017

Genre: Fantasy – Roman

Verlag: Bastei Lübbe

Übersetzung: Dr. Arno Hoven

Originaltitel: The Invisible Library

Originalverlag: Pan

Format: Taschenbuch

Seiten: 447

ISBN: 978-3-404-20870-8

Preis: [D] 10,00 €

Weitere Rezensionen:

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Autorin:

Genevieve Cogman begeisterte sich schon früh für Tolkien und Sherlock Holmes. Sie hat zunächst den Master of Science (Statistik) absolviert und arbeitete bereits in den unterschiedlichsten Berufen, die vor allem mit Datenverarbeitung zu tun hatten. Die unsichtbare Bibliothek ist ihr Debütroman, mit dem sie in der englischen Buchbranche für großes Aufsehen sorgte. Sie lebt im Norden Englands.