Rezensionsexemplar

Von Ein Baum wächst in Brooklyn hat bestimmt schon fast jeder von euch schon einmal gehört oder es gar schon gelesen. Seit der Nominierung zum Pulitzerpreis 1944, verzaubert die Geschichte rund um Francie und ihre Familie immer wieder neue Leser und Leserinnen weltweit. Ein Roman über ein starkes Mädchen in schwierigen Zeiten, das gegen viele Hindernisse und Armut anliest. Der Insel Verlag hat nun endlich wieder eine neue, deutsche Ausgabe zu diesem zauberhaften Buch veröffentlicht.

Aber Francie war eine Leserin. Sie las alles, was sie finden konnte. – S.32

Es geht um die zu Beginn elfjährige Francie Nolan, die eine leidenschaftliche und unbändige Leserin ist. Außerdem ist sie eine Süßigkeiten-Connaisseuse und erkennt die menschliche Natur ihres Gegenübers fast sofort und fast immer richtig. Die kleine, die jeden Tag ein Buch Lesen möchte und dazu jedes Wochenende in die Bibliohtek geht, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Schon von klein auf hat sie einen großen Traum – sie möchte unbedingt Schriftstellerin werden. Doch mitten in Brooklyn, genauer, im bunten, harten, eher ärmlichen Williamsburg im Jahr 1912, ist dieser Traum nahezu unmöglich. Vor allem für jemanden aus solchen Verhältnissen wie Francie.

Was zunächst für mich klang wie ein Buch, dass als Kernpunkt die Liebe zu Büchern und zum Schreiben hat, entpuppt sich schnell als Mosaik an lebendigen, einzigartigen, authentischen Charakteren aus der damaligen Zeit. Ein Sammelsurium aus dem Leben im Jahr 1912 mitten in Williamsburg. Eine Gegend voller Mietskasernen, in denen überwiegend Zuwanderer aus aller Welt, allen voran Juden, Deutsche, Iren und Italiener leben. Wir erleben mit Francie und ihrer Familie den täglichen Kampf ums überleben. Der Vater ist ein Tunichtgut und Säufer, verdient hin und wieder Geld als singender Kellner für seine Familie. Ihre Mutter Katie ist die Hausfrau und verdient das Geld mit dem Putzen der Mietshäuser. Und außerdem haben wir noch die ganze Familie, wie ihre quirlige, aus dem Einheitsgrau hervorstechende Tante Sissy, ihre Oma, die ihre Tochter beibrachte, dass Bildung alles ist oder ihrem Bruder Neely, denn ich genauso sehr ins Herz schließen konnte. Vielmehr die Beziehung zwischen den beiden war, was mich berührte und verzauberte. Gemeinsam mit ihm sammelt sie Trödel und verkauft diesen für ein paar Penny mehr die Woche.

Doch Francie ist keinesfalls unglücklich, denn wenn sie mit Büchern auf ihrer Feuerleiter sitzt, dann kann sie sich keinen besseren Ort auf der Welt vorstellen. Sie liebt ihr zu Hause und das Leben dort, egal wie hart es ist. Denn sie bekommt diese Lebensfreude und diese Freude an den kleinen Dingen des Lebens schon früh vorgelebt. Egal wie die Umstände sind, sie zeigt uns, dass es sich immer lohnt, an den guten Dingen festzuhalten, sein Lachen nicht zu verlieren und an seinen Zielen und Träumen festzuhalten. Und Francie ist wie der Baum, der mitten in Wiliamsburg auf den Straßen wider seiner Natur wächst. Sie ist nicht unterzukriegen und hält an ihrer Lebensfreude und ihren Träumen fest, egal was kommt.

Die Leute glauben immer, Glück sei etwas Fernes‘, dachte Francie, ‚etwas Kompliziertes und schwer Erreichbares. Aber welche Kleinigkeiten es doch bewirken können, ein geschützter Ort, wenn es regnet – eine Tasse starken Kaffee, wenn man traurig ist, für einen Mann eine Zigarette für die Zufriedenheit, ein Buch zum Lesen, wenn man allein ist –, einfach mit dem zusammen sein, den man liebt. Das alles macht Glück aus.‘ – S.577

Ich kannte bisher weder das Buch, noch die kenne ich die Verfilmung. Und ich bin nun sehr froh, dieses Buch, dass es für mich definitiv mit Büchern wie „To Kill A Mockginbird“ aufnehmen kann, endlich gelesen zu haben. Ein Buch, das mir aufgrund der puren Lebensfreude unter die Haut ging, dass durch starke und sehr lebensechte Chraketer überzeugt. Ein Buch, dass das Leben in Brooklyn damals authentisch zeichnet und die bunt gemischte Nachbarschaft und deren Leben und Umgang zu einem bunten Potpourri vermischt, ohne dabei zu viele und zu starke Klischees zu nutzen. Zwar bringt das Buch vieles mit, dass man aus einigen anderen typisch amerikanischen Storys kennt, dennoch wird es mir aufgrund des angenehmen Schreibstils, dieser wundervollen Hauptprotagonisten und der Lebensfreude und Warmherzigkeit lange in Erinnerung bleiben.

*Das Buch wurde mir vom Suhrkamp/Insel Verlag zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Infos zum Buch

Erscheinungsjahr: 23.10.2017 (Diese Ausgabe)

Verlag: Insel

Seiten: 621

Sprache: Deutsch

Genre: Roman/Klassiker

Format: Gebundene Ausgabe

Originaltitel: A Tree Grows In Brooklyn

Originalverlag: Harper & Row

Übersetzung: Eike Schönfeld

ISBN: 978-3-458-17720-3

Preis: [D] 25,00 €, [A] 25,70 € [CH] 35,50 sFr

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Autorin:

Betty Smith wurde 1896 geboren. Sie wuchs als Tochter deutscher Immigranten in armen Verhältnissen in Brooklyn auf. Gemeinsam mit ihrem ersten Ehemann zog später nach Michigan. Dort schrieb sie sich zwar an der Universität ein, durfte dann jedoch nicht an den Kursen teilnehmen. Ein Baum wächst in Brooklyn ist ihr erster Roman und war 1943 sofort ein Erfolg. Später verfasste sie weitere Romane und Dramen. Sie starb 1972.