Eine Liebe im Kaukasus von Alissa Ganijewa (c) Suhrkamp Verlag

*Werbung: Das Buch wurde mir vom Suhrkamp Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrliche und eigene Meinung wieder.

Headerbild: Eine Liebe im Kaukasus von Alissa Ganijewa (c) Suhrkamp Verlag

In „Eine Liebe im Kaukasus“ landen wir im Leben von Patja und Marat. Patja verbrachte einige Monate in Moskau, um dort ein Praktikum zu absolvieren. Sie ist 25 Jahre alt und kehrt zurück in ihren Heimatort nach Dagestan. Dort gilt sie schon fast als alte Frau und muss daher dringend verheiratet werden. Während Patja versucht, sich vor Timur und seinen Nachstellungen zu flüchten, sind ihre Elter begeistert von ihm als potenziellen Kandidaten.

Marat, ein junger Anwalt, der in Moskau praktiziert, kommt zurück zu seinen Eltern. Auch er muss nach Meinung seiner Eltern dringend heiraten. Der Hochzeitssaal ist deshalb bereits gebucht, der Tag stet fest, die künftigen Schwiegertöchter stehen Schlange. Marat will aber keine davon und wird von seiner Mutter von einer potenziellen Kandidatin zur nächsten mitgenommen.

Eine Reise durch die Milieus in Dagestan

Während der Suche nach der richtigen Schwiegertochter oder dem richtigen Schwiegersohn nimmt uns Alissa Ganijewa mit durch eine Reise der verschiedenen Milieus in Dagestan. Und dabei erleben wir auch, wie sich die Wege von Patja und Marat kreuzen und sich die beiden verlieben.

Doch, anders als man nach dem Klappentext glauben mag, passiert dies doch sehr spät und nimmt erstaunlich wenig Raum ein. Im Vordergrund stehen das Leben in Dagestan allgemein, die Traditionen, Religion und Kultur. Vieles war für mich als Laie eher verwirrend, mir fehlte es an der Liebesgeschichte, die ich erwartet hatte. Alles kam mir recht unstrukturiert vor, wirr aneinander gereiht. Erst nachdem ich die Erklärung zu den Hintergründen der Traditionen und Hinweise gelesen habe, machte das Buch im Rückblick deutlich mehr Sinn. So soll es tatsächlich vor allem auf den Verlust der Sprache, der Traditionen, der Kultur aufmerksam machen. Es zeigt die zunehmende Vermischung der neuen, globalisierten Freizeitgewohnheiten und Konsumgewohnheiten auf und stellt Aberglaube, alte Konventionen und Nationalstolz daneben. Vor allem diese Suche nach Einheit, Versöhnung, Zusammenhalt spiegelt die Geschichte von Katja und Marat wieder. Symbole zur Einheit wie das Meer, der Rausch, die Figur Hidr, hier Halilbek, sollen das ganze verdeutlichen und eingehend näherbringen, was ich aber ebenfalls nur dank der Erklärung erfuhr.

Moderne, globalisierte Gewohneiten vs. Aberlgaube, Tradition und Religion

Im Rückblick macht das alles Sinn und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Allerdings wird das einem als Laie was die dortige Kultur, Tradition, die arabischen Wurzeln, Salafistentum und Islam angeht, nicht klar. Erst dank der Erklärung von Übersetzerin Christiane Körner, verstand ich, was das Buch eigentlich aussagen will.

Leider ist die genau das, was mich an „Eine Liebe im Kaukasus“ stört. Ich erwarte von einer Geschichte, dass sie mir ihren Sinn und notfalls die wichtigen Erläuterungen dazu, bereits mittendrinnen offenbart. Dass sie auch mich als Laien abholen und einfangen kann. So habe ich das Buch gelesen, fand es ok, war aber nicht richtig überzeugt, weil mir genau dieses Klare „Ja, das ist die Botschaft und deshalb macht es alles so wie es dasteht Sinn“, fehlte.

Sprachlich konnte mich Alissa Ganijewa dennoch vollkommen überzeugen!

Das liegt gewiss nicht an Alissa Ganijewas Art zu schreiben, sondern einzig alleine an meinem Unwissen bezüglich dieser Themen, die sie transportieren wollte. Jemand, der sich in diesem Gebiet näher auskennt, Einblick in die Religion, Tradition, Bräuche und Symbole hat, der wird das Buch bestimmt als etwas Besonderes, faszinierendes, aufrüttelndes erleben. Sprachlich konnte mich Alissa dennoch vollkommen überzeugen.

Leider konnte mich Alissa Ganijewa mit „Eine Liebe im Kaukasus“ nicht ganz begeistern. Ich wurde nicht richtig abgeholt und war größtenteils verwirrt. Auch wenn sie sprachlich punkten konnte. Erst dank der Erklärung von Christina Körner erschloss sich mir der doch tiefgründigere, spannende Sinn des Buches. Ich erwarte von einem Buch allerdings, dass es diesen Sinn und die wichtigsten Erklärungen dazu bereits mittendrin, im Laufe der Geschichte liefert, auch wenn ich nur ein Laie des Themas bin.

Meine Empfehlung – wenn ihr das Buch lest, so lest am besten erst das Vorwort, dann könnt ihr die Botschaft, die Alissa Ganijewa vermutlich darstellen und transportieren will, deutlich besser verstehen und das Buch ist somit eventuell etwas ganz Besonderes für euch und zwar schon während des Lesens.

Infos zum Buch

Titel: Eine Liebe im Kaukasus

Autor:  Alissa Ganijewa

Übersetzung: Christiane Körner

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Suhrkamp

Seiten: 227

Format: Hardcover

Preis: [D] 22.00 € ; [A] 22,70 €

ISBN 9-783518-425541

Autorin und Übersetzerin

Alissa Ganijewa wurde 1985 geboren. Sie wuchs in Machatschkala/Dagestan auf. Seit 2003 lebt sie in Moskau und gilt als eine der wichtigsten Stimmen einer neuen, russischen Schriftstellergeneration. 2014 erschien ihr erster Roman „Die russische Mauer“, der in mehrere Sprache übersetzt wurde. „Eine Liebe im Kaukasus“ stand auf der Sportlist des russischen Booker-Preises 2015.

Die Übersetzerin Christiane Körner lebt in Frankfurt am Main und ist ebenfalls Publizistin und Dozentin. Sie übertrug bereits Tatjana Tolstaja, Dmitri Prigow, Lew Tolstoi, Vladimir Sorokin, Pawel Salzmann, Lidia Ginsburg und weitere. Außerdem gab sie Anthologien russischer Erzählungen wie „Das schönste Proletariat der Welt“ heraus.