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Freie Stücke von Sonja Eismann, Anna Mayrhauser (HG.)

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar – Das Buch wurde mir von Edition Nautilus zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dennoch spiegelt sie meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Kann man sich bei einer Anöhrung im Asylverfahren einen Rest Selbstbestimmung bewahren, wenn man sogar nur in Belgeitung aufs Klo darf? Und wenn ja, wie? Kann man sich durch puren guten Willen den Ekel vor „hässlichen“ Körpern abtrainieren? Wie gefährlich ist ein Coming Out für syrische Ministerialbeamte? Und wie kann man sicher sein, dass jemand wirklich Tee mit mir trinken will?

15 individuelle, einzigartige Geschichte zum Thema Selbstbestimmung

Auf Freie Stücke und Edition Nautilus bin ich dank Mareike (CrowandKraken) aufmerksam geworden – ich habe mich direkt mal in fast das gesamte Programm verliebt und Freie Stücke ist mir besonders aus dem aktuellen Programm ins Auge gesprungen. Hier kommen 15 Autor*Innen aus dem Umfeld des bekannten Missy Magazine zu Wort und schreiben über Selbstbestimmung, Macht und Gewalt. Dabei ergründet jeder Text auf seine ganz individuelle Weise, wie erfüllende, gleichberechtigte Beziehungen im 21. Jahrhundert gehen oder eben nicht.

„Selbstbestimmung“ ist dabei so viel mehr als das viel diskutierte Wort „Consent“. In all den Texten geht es um schon sehr alte Forderungen von Emanzipationsbewegungen. Forderungen, die aber gerade in der heutigen Zeit wieder brodeln, akut und wichtig sind. Die Texte sind dabei alle sehr persönlich, gleichzeitig aber auch analytisch, kritisch, mal komisch, oft provokant und für mich auf jeden Fall Augen öffnend. Nicht mit jedem Text konnte ich etwas anfangen, manche waren für mich etwas schwer zu lesen, da sie auch ziemlich „frei Schnauze“ sind und es einem nicht immer leicht machen, den Gedanken zu folgen. Aber überwiegend konnte mich die Mehrheit der Geschichten überzeugen.

Einer meiner ersten Blicke bei solchen Sammlungen ist stets – wie vielfältig sind die Geschichten und vor allem die Autor*Innen? Eine Sammlung reiner weißer, heterosexueller cis-Stimmen wäre für mich nämlich ein absolutes NoGo. Dank Kurzbiografien, die am Ende des Buches stehen, hat man hier schnell den Überblick, wenn man die Autor*Innen nicht eh schon kannte. Sorgen muss man sich bei „Freie Stücke“ nicht machen – denn die Texte handeln, wie man schon am Klappentext gut erkennen kann, genau um Perspektiven noch immer marginalisierter oder exotisierter Stimmen und Stile und genauso bunt, vielfältig und individuell wie die Geschichten sind auch die Autor*Innen, die diese beisteuern.

Fazit – Kategorie „Gute Unterhaltung/Lektüre“ und „Wichtige Lektüre“

Ganz klar lässt sich „Freie Stücke“ für mich in meiner Kategorie „Gute Unterhaltung/Lektüre“ einsortieren – zum Highlight hat es das Buch nicht ganz geschafft. Was aber viel wichtiger ist – „Freie Stücke“ ist ganz klar ein Teil meiner Sonderkategorie „Wichtige Lektüre“ – denn jeder Text, egal ob er mich nun überzeugte oder nicht, ist für sich so wichtig und sollte deshalb von euch entdeckt, gelesen und geteilt werden. Am meisten mitgenommen und überzeugt haben mich „Schritte“ von Fatma Aydemir, „Wem gehört meine Brust?“ von Ninia LaGrande, „It Takes Two To Have Tea“ von Mithu M. Sanyal und „Scham.Haare“ von Sibel Schick.


Kennt ihr das Buch, den Verlag oder das Missy Magazin bereits? Wenn ihr das Buch kennt, welches ist eure favorisierte Geschichte oder findet ihr auch, dass alle gehört beziehungsweise viel mehr gelesen werden sollten?

Infos zum Buch
Verlag: Edition Nautilus
Erscheinungsdatum: März 2019
Seiten: 160
Genre: Kurzgeschichten
Format: Klappenbroschur
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