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Das geheime Glück von Julie Cohen

von Franzi S.
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Das geheime Glück von Julia Cohen (c) Diana Verlag
Werbung/Rezensionsexemplar*

Robbie erwacht neben seiner schlafenden Frau Emily. Ein Morgen, wie jeder andere. Zumindest fast. Er steht auf, er kocht sich seinen Kaffee. Doch an diesem Morgen schreibt er Emily auch einen Brief. Er weiß, dass es ihr das Herz brechen wird. Aber er weiß auch, dass er diesen Preis zahlen muss, um ihre Liebe zu schützen. Denn seit fünf Jahrzehnten verbindet die beiden ein Geheimnis, das niemand erfahren darf.

Rückwärts durch die Zeit mit angenehmem Schreibstil

Das Buch habe ich bei der lieben Juliane von Iamjane.de entdeckt und es sieht soo schön aus und klang wundervoll. Da musste ich es auch haben, hatte aber schon so meine Befürchtungen als ich mitbekam, dass es ihr am Ende doch nicht so gut gefiel. Dennoch habe ich dem Buch „Das geheime Glück“ natürlich eine Chance gegeben und wurde am Anfang auch gut aufgenommen. Es beginnt leicht mysteriös, man wittert sofort das große Geheimnis. Auch den Schreibstil von Julie Cohen finde ich sehr angenehmen und sanft. Zu Beginn zauberte Sie mir auch an den ein oder anderen Stellen eine leichte Gänsehaut und konnte mich richtig mitnehmen. Sie erzählt die Geschichte rückwärts und fängt mit dem Morgen an, als Robbie seiner Emily den Brief schreibt und etwas tut, um Emily vor der Entdeckung ihres gemeinsamen Geheimnisses zu schützen. Dieser Teil und auch der erste Schritt rückwärts, indem wir etwas zu den Wochen kurz vorher erfahren, hat mich noch richtig berührt und ich mochte die beiden sehr. Doch ihr ahnt schon, da kommt ein Aber.

Unterkühlte Charaktere und fehlender roter Faden

Aber – je weiter Julie Cohen rückwärts in die Vergangenheit der beiden eintauchte, desto distanzierter, unterkühlter und unsympathischer wurden mir die beiden. Als altes Ehepaar hat sie die beiden noch so schön geschildert. Und dann haut sie ein Vater-Sohn-Problem raus, das mich vollkommen unerwartet traf und für mich immer ein ziemliches No-Go ist, wenn man vorher nicht gewarnt wird. Außerdem war das für mich auch ein Problem, das absolut nichts zur Geschichte oder zur Charakterentwicklung beigetragen hat. Wo wir gerade von Charakterentwicklung sprechen – die war für mich, ebenso wie manche Erzählbausteine, nicht rund. Ich finde die Idee der Rückwärtserzählung wirklich toll und es bringt mal frischen Wind mit. Aber hier ging es für mich zulasten der Spannung, der Entwickung und des roten Fadens.

Wenn man die Geschichte der beiden jetzt wieder umdreht und chronologisch betrachtet, rüttelts an manchen Stellen gewaltig. Es wird nicht richtig aufgeklärt, was der Zwist in Emilys Familie ist (mehr kann ich dazu hier nicht sagen). Warum Robbie und auch sein Sohn jetzt dieses Problem haben, kommt nicht richtig rüber, außer um ihn als „verstörten Veteranen“ darzustellen, kann, muss aber echt nicht. Und wo wir grad beim Sohn sind – in der Vergangenheit ist da ein kurzer Erzählstrang bei, der dann einfach in der Luft hängenbleibt, wie man zu dem „idyllischen“ Nachmittag weiter vorne im Buch kommen kann, bleibt mir vollkommen unerklärlich. Allgemein passiert in jedem Teil der Geschichte etwas, dass dann für mich nicht rund aufgeklärt oder zusammengeführt wird.

Mehr als ein Geheimnis – eines hat mir die Geschichte zerstört

Schon im Klappentext ist ja unschwer zu erkennen, dass alles auf ein riesiges Geheimnis hinausläuft. Tatsächlich passieren sogar zwei Enthüllungen. Welches genau jetzt gemeint war, ist mir gar nicht mal so klar. Am Ende hätte es in dem hohen alter nun schon auch nichts mehr ausgemacht, wenn das noch jemand erfahren hätte. Hätte ja an der Tatsache nichts mehr geändert. Aber gut. Das zweite Geheimnis, das worum es vermutlich ging, weil es ganz zum Schluss kommt und die Aussage mit den fünf Jahrzehnten dann hinkommt, ging mir absolut gegen den Strich. Warum, einfach nur warum? Mehr kann ich dazu nicht sagen, das wäre ein ziemlicher Spoiler, aber für mich hat es die gesamte Entwicklung und Geschichte der beiden rückwirkend zerstört. Geht nicht, nope, einfach nope!

Das andere Geheimnis war da gelungener und hätte der Fokus sein können. Wäre „Das geheime Glück“ alleine mit dem Fokus auf dieses Geheimnis aufgebaut wurden, wäre Julie Cohen hier tiefer reingegangen, statt noch weiter in die Vergangenheit, wäre es für meinen Geschmack spannender und runder gewesen. Ein Geheimnis reicht vollkommen und dieses hätte erzählerisch finde ich richtig viel Potenzial gehabt. So haben selbst die positiven Momente und der doch sehr angenehme Schreibstil für mich dennoch einen totalen Dämpfer erhalten.

Weitere Rezensionen:

Iamjane.de

Infos zum Buch
Das geheime Glück, Julie Cohen, Diana Verlag, Taschenbuch, Klappenbroschur, 432 Seiten, ISBN: 978-3-453-35992-5, Roman, Erscheinungsdatum: 10.12.2018, Originaltitel: Together, Originalverlag: Orion, Übersetzung: Babette Schröder

*Das Buch wurde mir vom Rezensionsexemplar vom Diana Verlag über das Bloggerportal zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine eigene, persönliche Meinung wider.

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