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Im Maulwurfstunnel von Thomas Kastning

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar

Konstantin ist Sekretär in einer Papierfabrik, ohne Freundin, wenig Kontakt zu Familie, kaum Freunde – ein ereignisloses Leben. Er lebt so vor sich hin und ist dabei nicht sonderlich glücklich und zufrieden. Als eines Tages eine neue Nachbarin, Leyla mit Sohn Paul, einzieht, verliebt er sich. Durch sie kommt er in Kontakt mit der linksextremen Szene und sein ereignisloses Leben ist plötzlich alles andere als normal und langweilig. Kurze Zeit später erschüttert eine Anschlagsserie der linken Terrorzelle die Bundesrepublik.

Anschläge wie bei Baader Meinhof

Konstantin lernt durch Leyla die Oswalds kennen. Franziska und Karl, die Kinder, Armin, der Vater. Gegen seinen Willen wird Konstantin in die politisch geprägten Attentate der linken Terrorszene verwickelt. Sein ruhiges Leben ist plötzlich alles andere als ereignislos und er steht vor der Frage, wie weit ein Einzelner im Widerstand gegen den Staat gehen darf, ob Gewalt ein legitimes Mittel ist, ob man ein Menschenleben gegen das vieler aufwiegen kann?

Die Beschreibung des Buches erinnerte mich direkt etwas an Baader Meinhof, das Buch „Baader Meinhof Komplex“ hatte ich erst dieses Jahr zum ersten Mal gelesen. Tatsächlich erinnerte es mich teilweise auch an die Gruppe von damals. Was für mich ganz klar für die realitätsnahe Erzählweise von Kastning spricht. Denn sein Buch ist fiktiv, Baader Meinhof und Co. waren real und ich hätte mir zu jeder Zeit gut vorstellen können, dass die Oswalds und andere durchaus wirklich existiert haben könnten. Gegen Ende passieren Dinge mit Konstantin und Karl, die zwar bestimmt so möglich sind, aber auch irgendwie so vollkommen „einfach“ klappten und sich entwickelten, dass es hier etwas an Glaubwürdigkeit verliert. Der Grad, nicht zu viel Details in das Buch zu packen, um die Spannung hochzuhalten und trotzdem realistische Szenarien zu gestalten war hier aber auch sehr schmal. Daher ist das für mich dennoch ganz gut umgesetzt. Nichtsdestotrotz hätte hier ruhig etwas gekürzt werden können, dann wäre die Entwicklung rund um Konstantin noch spannender gewesen.

Interessante, aber etwas langwierige Ermittlungsarbeit

Neben dem Erzählfaden von Konstantin, der ehrlich gesagt wirklich ein wahnsinniger Jammerlappen und Schnarchzapfen ist und mir teilweise tierisch auf den Keks ging, gibt es noch den Strang rund um Kriminalhauptkommissar Dr. Priester. Die Leitung des Sonderkommandos zur Aufklärung der Anschläge ist sein Höhepunkt und gleichzeitig auch sein letztes großes Ding bevor er in Rente gehen wird. Er steht unter enormen Druck der Öffentlichkeit und versucht auf Hochtouren herauszufinden, wer hinter dem Ganzen steckt. Doch die Attentäter haben sich sehr gut vorbereitet, ja sogar sich in Sachen „Wie würde die Polizei handeln“ Fortbildungen gemacht und Dr. Priester steht vor einem enormen Rätsel, laschen Hinweisen aber keiner konkreten Spur.

Laut Buchbeschreibung entsteht eine atemlose Verfolgungsjagd – die fehlte mir aber komplett. Wer eine rasante Jagd nach der anderen erwartet, wird hier enttäuscht. Auch wer hohe kriminalistische Raffinesse erwartet, wird wohl weniger Spaß mit „Im Maulwurfstunnel“ haben. So wie Dr. Priesters Vorgesetzter ungeduldig wegen fehlender Ergebnisse wird, so zog es sich auch etwas für mich als Leser. Insgesamt war dieser Part des Buches dennoch interessant und der Spagat, den Kastning zwischen politisch-philosophisch angehauchten Fragestellungen und der Spannung eines Kriminalfalles wagt, ist dennoch, vor allem für ein Romandebüt, gut gelungen. Er konnte mich gut unterhalten, teilweise auch etwas auf Trab halten und zum Nachdenken anregen.

Das hochexplosive Szenario mit rasanter Jagd wird aber nicht ganz gehalten. Moralische Überlegungen und politische Fragestellungen stehen für mich deutlich mehr im Vordergrund. Er stellt Fragen in den Raum, die sich damit beschäftigen, ob Deutschland mit Staaten kooperieren sollte, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Ob militärische Interventionen in fremden Staaten notwendig oder legitim sind und ob Selbstjustiz ein erlaubtes Mittel ist. Wer sich darauf einlässt und nicht zu viel Spannung und rasante Ermittlungsarbeit erwartet, trifft mit „Im Maulwurfstunnel“ von Thomas Kastning eine gute Wahl.

Infos zum Buch

Autor: Thomas Kastning

Jahr: 2018

Seiten: 256

Verlag: Parlez

Format: Taschenbuch

ISBN: 978-3-86327-050-6

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