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Kaschmirgefühl von Bernhard Aichner

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar – Das Buch wurde mir vom Haymon Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dennoch spiegelt sie meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Ein Telefonanruf und eine Stimme verändern das Leben von Gottfried. Seine Tage sind alles andere als von Leidenschaft erfüllt. Als Krankenpfleger im Hospiz hat er tagein tagaus mit dem Tod zu tun und auch im Privatleben gibt es keine Romantik. Schon ewig ist er Single und lebte bis vor Kurzem mit seiner Mutter zusammen, um diese zu Pflegen. Die Einsamkeit treibt ihn dazu, eines Nachts bei einer Sexhotline anzurufen. Dort hört er zum ersten Mal Maries Stimme – und sein Leben verändert sich für immer.

Ein nächtliches Gespräch – Romantik aber Fehlanzeige

Marie und Gottlieb reden die ganze Nacht miteinander, statt wirklich Telefonsex zu haben. Beide merken von Anfang an, dass da etwas ist, dass sie verbindet. Zwischen den beiden entsteht ein intensives Gespräch, in dem sie sich obskure Geschichten erzählen, um dem anderen ein Ich zu verkaufen, dass sie gar nicht sind, was natürlich beide Seiten immer wieder durchschauen und mit purer Absicht so passiert. Gemeinsam erfinden sie eine Liebesgeschichte, die mit jeder nächtlichen Minuten mehr zur eigenen wird. Was am Ende real ist, erliest man sich dann schließlich ganz am Ende des Buches – das vorweg, ist typisch gekonnter Aichner Erzählstil.

Bernhard Aichner, den man sonst durch seine Krimis und Thriller kennt und durch seinen ganz besonderen Schreibstil, mit dem er mich in der Totenfrau-Trilogie überzeugte. Blum! Ich mochte sie sehr – und nun ein Liebesroman, geht das denn? Ich war natürlich zu neugierig und musste es wissen. Und –

….nein. Für mich ging es Lieder gar nicht. Der Schreibstil ist an diesen typischen, kurzen, abgehakten Stil wie wir in von Blum kennen angelegt. Das Buch ist ein einziges Telefongespräch. Was an sich nicht schlimm ist, aber es passte für mich nicht zu „Einem kleinen Roman über die Liebe“. Wo in all den Kritiken die Romantik und das „Knistern“ herkommt, erschließt sich mir leider gar nicht. Für mich war das einfach nur ein eigenartiges Gespräch voller Lügen, die so offensichtlich nicht wahr sein konnten und auch das Ende konnte für mich das Bild der beiden nicht mehr retten. Beide wirkten für mich einfach wie zwei Talkshow-Teilnehmer aus Sendungen wie Andres Türk und Co. oder wie aus dem klassischen RTL2 Nachmittags-Programm heraus.

Noch dazu ist es mir zu viel Klischee – Gottlieb, der arme, einsam Typ, der sein lebenlang bei Mama wohnte und vollkommen unscheinbar ist. Wobei wir nicht wirklich wissen, wie er oder Marie den nun aussehen, was irgendwie ganz gut gemacht ist. Aber durch die Klischees, die vorher im Gespräch bedient werden, habe ich eben oben genannte Protagonisten aus dem Fremdschäm-Fernsehprogramm vor mir. Marie ist die, die alle ist, je nach Vorliebe des Anrufers. Für Gottfried, der echt einfach nur Reden will, aber auch mal das Strickzeug aus der Hand legt.

Fazit – Nicht mein Fall

Der Schreibstil passte für mich nicht zum Typ Liebesroman, die Protagonisten blieben einerseits offen, andererseits bedienen die beiden im Gespräch einige typische Klischees, sodass ich kaum noch Spielraum hatte, um sie mir als sympathische Menschen vorstellen zu können. Emotionen und Romantik – das sucht man hier vergebens, zumindest ich suchte beides vergebens und bleibe ab sofort lieber bei den Thrillern aus Aichners Feder. Ganz klares „Nicht mein Fall“ aus meinen Bewertungskategorien.

Infos zum Buch
Verlag: Haymon
Erscheinungsjahr: 2019
Seiten: 188
Genre: Roman
Format: Hardcover mit Schutzumschlag

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