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Die kleinen Wunder von Mayfair von Robert Dinsdale

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar – als Überraschungspost von Lovelybooks erhalten

Cathy ist knapp 16 Jahre alt und schwanger. Ihre Mutter möchte sie in ein Heim geben, wo sie das Kind zur Welt bringen soll, welches dann sofort zur Adoption freigegeben wird. Doch Cathy kann das nicht übers Herz bringen. Da stößt sie auf eine Zeitungsannonce, in der Papa Jacks Emporium neue Aushilfen sucht. Kurzerhand macht sie sich auf nach Mayfair zum magischen Spielzeug Laden der Godmans.

Ein Spielzeug-Laden voller Magie

„Fühlen Sie sich verloren? Ängstlich? Sind Sie im Herzen ein Kind geblieben? Willkommen in Papa Jacks Emporium.“

Die kleinen Wunder von Mayfair, Robert Dinsdal

Mit diesen Worten sucht Papa Jacks Emporium neue Aushilfen für die nächste Wintersaison. Cathy fühlt sich wie magisch angezogen und bricht auf in das London des Jahres 1906. Denn nirgend sonst wäre eine alleinstehende junge Frau, die noch dazu schwanger ist, zu diesen Zeiten willkommen. Und so macht sich Cathy auf nach Mayfair. Zu Papa Jacks Emporium – einem magischen Spielzeugladen.

Hier gibt es nicht nur Zinnsoldaten, die strammstehen, wenn du vorübergehst. Hier bringen riesige Bäume aus Pappmaché, fröhlich umher flatternde Vögel aus Pfeifenreiniger, Spielzeughäuser, die innen größer sind als draußen, Patchworktiere und mehr nicht nur Kinderaugen zum Strahlen, sondern alle, die noch einmal an diese magische, fantasievolle Zeit zurückdenken möchten. Gemeinsam mit Cathy tauchen wir ein in diese magische Harry-Potter-Narnia-Polarexpress-mäßige Zauber- und Kindheitswelt und werden auf den nächsten Seiten noch einmal zum Kind.

Dieses Buch und die Art und Weise, wie Robert Dinsdale die Magie von Spielzeug und Fantasie darstellt, ist so so herzergreifend, zauberhaft und unvergesslich. Er nahm mich mit zurück in meine Kindheit, in eine wahrhafte magische Welt voller Wunder.

Wetteifernde, rivalisierte Brüder & weitere Widerstände

Doch die beiden Söhne von Papa Jack, Emil und Kaspar, sind schon immer in ihrem persönlichen Krieg und Wettkampf verstrickt. Emil ist ein begabter und geschickter Handwerker. So lebensecht und detailgetreu wie seine Zinnsoldaten sind sonst keine auf dieser Welt. Kaspar ist der, der mehr der Magie von Papa Jack geerbt hat und das unmögliche möglich machen kann. Papa Jack ist schon alt und muss die Leitung des Emporiums bald abgeben. Und so wird der Wettkampf zwischen den beiden immer verbissener, das große Ganze, wie jeder für sich, mit seinem Talent, wichtig fürs Emporium ist, verlieren sie Komplett aus den Augen.

Und dann bricht auch noch der Erste Weltkrieg aus und reißt die Familie auseinander. Und mit jedem weiteren Tag scheint Papa Jacks Emporium seinen Zauber zu verlieren. Ob es gelingt, die Magie wieder zu entfachen und noch viele weitere Jahrzehnte Kinder und Erwachsenenaugen zum Strahlen zu bringen?

Die kleinen wunder von Mayfair von Robert Dinsdale (c) Knaur

Realität und Moral inmitten der Magie

Robert Dinsdale schafft es einerseits, einen ein sanftes Kribbeln im Bauch zu verschaffen und das Emporium, welches beim ersten Frost seine Tore öffnet und mit dem ersten, blühenden Schneeglöckchen wieder schließt, zum Leben zu erwecken. Und dennoch bekommt er den Bogen ausgezeichnet hin, den Schrecken und die Folgen des Ersten Weltkrieges authentisch und realistisch darzustellen, ohne irgendwas auf die leichte Schulter zu nehmen oder zu verschönen. Dabei webt er nicht nur die körperlichen Folgen von Kriegsverletzungen ein, sondern ganz besonders auch die seelischen Verletzungen, die Soldaten nach dem Krieg mit nach Hause bringen – die, die nicht mehr sprechen, die, die nicht mehr aufhören können zu sprechen und die, die nachts noch immer im Krieg sind.

Auch der Kampf der beiden Brüder, diese Eifersucht auf den andern und das Wetteifern um die Aufmerksamkeit und das Lob des Vaters, ist so gut und geschickt mit der gesamten Magie des Spielzeugladens verstrickt. Es fing schon mit Spielzeugsoldaten an, geht weiter über den Kampf um die Nachfolge der Leitung des Emporiums, bis hin zu den Geschehnissen im Krieg und weit darüber hinaus. Ein Motiv, das sich durch das gesamte Buch erstreckt, und, neben der Magie der Spielzeuge, den wohl wichtigsten Part einnimmt und den ein oder anderen moralischen Zeigefinger hebt, aber auf subtile Art und Weise. Denn, wie wäre es, wenn man sich einfach mal unterhält, gemeinsam arbeitet, gemeinsam plant, wenn wir alle ein bisschen mehr Magie verbreiten würden? Alltagsmagie, wie anderen eine Freude machen, ihnen zeigen, wie wertvoll sie sind?

Starke Protagonisten und ein ganzes Leben

Auch mit den Protagonisten überzeugt Dinsdale. Alleine Cathy, einer unserer Hauptprotagonisten, mit der wir überhaupt erst den ersten Moment in Papa Jacks Emporium erleben, hat er mich schon vollkommen überzeugt. Sie ist wundervoll authentisch und vielschichtige gezeichnet und eine starke Frauenfigur, die aber eher subtil und ruhig stark ist, nicht so Wonder-Women-mäßig. Sie ist gerade mal 15 Jahre, als sie von zu Hause fortgeht, schwanger und auf sich alleine gestellt. Sie wagt den Schritt in die Welt, in ein eigenes Leben, steht die ganze Schwangerschaft komplett alleine durch und versucht, ihren Weg zu gehen. Das ganze Buch hinweg können wir ihre Entwicklung hin zu einer erwachsenen Frau, Mutter und schließlich alten Frau hin miterleben.

Aber auch die gesamte Entwicklung über das ganze Leben der Brüder und der gesamten Familie hat Robert Dinsdale wundervoll, authentisch und vielschichtig umgesetzt. Jeder entwickelt sich auf seine Art weiter, keiner der Protagonisten ist einfach nur perfekt. Eine emotionale Achterbahn, in mitten eines Kindheitsmagie-Settings mit Weihnachtsfeeling pur.

Infos zum Buch

Autor: Robert Dinsdale

Jahr: 2018

Seiten: 464

Verlag: Droemer Knaur

Format: Hardcover mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-426-22672-8

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Das Buch steht auch noch auf meiner Wunschliste. 😊 Aber bevor ich es mir kaufe, muss ich noch ein paar Bücher von meinem SuB lesen.

Ach, ist das eine schöne Rezension! Meine ist nicht ganz so begeistert ausgefallen, aber doch sehr. Das Buch war einfach so originell und wirklich magisch, freut mich, dass es dir so gut gefallen hat! 🙂
Liebe Grüße,
Yvonne

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