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Der Literaturexpress von Lasha Bugadze

von Franzi S.
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Das Buch ist für mich absolut sexistisch – ich verwende Zitate, zwar nicht bildlich oder brutal, aber will dennoch den Hinweis darauf geben.

Zaza ist erfolgloser, georgischer Autor. Überraschend bekommt er eine Einladung aus Deutschland – mit 99 anderen Autoren soll er in einem Zug eine literarische Fahrt quer durch Europa antreten. Warum gerade er, ist ihm schleierhaft. Kurz darauf bricht der Kaukasuskrieg aus, seine Freundin Helene macht mit ihm Schluss und er erfährt, dass Zwiad, ein hochneurotischer Lyriker, der zweite georgische Autor im Zug sein soll. Zaza ahnt, die Reise wird sein Leben auf den Kopf stellen, denn im Literaturexpress erwartet ihn eine ausgefallene Schicksalsgemeinschaft.

Kaum Story und ein sexistisches Arschloch von Protagonist

Für mich war „Der Literaturexpress“ von Lasha Bugadze leider absolut nichts. Die Protagonisten, alle, vollkommen unstrukturiert ohne jegliche Entwicklung oder sinnvolle Gestaltung – rein in die Klischee- und Frauenfeindlichkeits-Kiste und rein in den Zug, fertig. Versprochen hatte ich mir ein interessantes Zusammentreffen von Autoren aus ganz Europa, dass mich ein bisschen in Prosa und Lyrik eintauchen lässt, in die Städte Europas mit eintauchen lässt und natürlich wollte ich wissen, wie es Zaza im Anschluss geht – denn der Klappentext verspricht ja, sein Leben würde auf den Kopf gestellt werden.

Tja, nun. Eigentlich sind wir fast nur im Zug. Hin und wieder stehen die 100 Autoren in einem heruntergekommenen Hotel in irgendeiner europäischen Stadt auf der Bühne. Vor den jeweils anderen der Gruppe. Immer ein paar andere stammeln in ihrer Sprache ihren Text runter – was natürlich weder wir erfahren, noch die anderen verstehen könnten. Denn so ein bisschen Arche Noah mäßig sind immer nur so zwei Autoren pro Land an Bord. Außer Zaza und Zwiad und noch zwei komische andere Autoren aus Russland lernen wir praktisch keinen kennen. Auch diese lernen wir eigentlich nicht wirklich kennen.

Doch eines ist allen gemein – alles sind irgendwelche ständig trinkenden, fremdgehenden, sexistischen Arschlöcher. Klischees, Vorurteile, Bodyshaming – all das könnt ihr im Buch erwarten. Mag witzig gemeint sein, geht für mich aber unter die Gürtellinie und war einfach ein absolutes NoGo. Noch dazu erleben wir eigentlich nur solche dämlichen Gedanken und Sprüche inklusive sexueller Traumgebilde des Protagonisten. Hin und wieder wird ein wirrer, völlig aus dem Zusammenhang genommener Text eines der Autoren, die wir nicht kennenlernen dürfen, eingeworfen. Der Sinn des Buches erschließt sich mir nicht, will ich auch gar nicht nach Stellen, wie den nachfolgenden:

Man muss schweigen können, wenn man hinter einer Achtzehnjährigen her ist. Schweigen, eine gewisse Strenge ausstrahlen und geheimnisvoll wirken. Wie bereits erwähnt, fangen sie erst ab fünfundzwanzig an, redselige Typen zu schätzen. Also schwieg ich eisern und hörte mir ihr Geschwätz an. Komischerweise unterhielten sie sich über Politik. Ja, sie waren vielleicht jung und dumm, aber sie diskutierten mit einem beachtlichen Enthusiasmus.

Der Literaturexpress, S. 77

Das könnt ich jetzt eigentlich schon so stehen lassen, oder? Dem ging übrigens voraus, dass man ja, wenn man als 28-Jähriger eine 18-Jährige ins Bett kriegen will, auf keinen Fall grammatikalisch korrekte Sätze verwenden darf, Satzzeichen schon gar nicht – sind ja jung und dumm und können von Politik oder der Welt absolut keine Ahnung haben. Da Platze mir schon zum ersten Mal die Hutschnur – absolut NOPE! Weiter gehts, hab noch ein paar mehr Beispiele, um zu verdeutlichen, warum ich dieses Buch als unter die Gürtellinie gehend betrachte:

Aber ein Gedanke huschte mir trotzdem durch den Kopf: Eine Intellektuelle. Leicht zu kriegen. Denn am schwierigsten zum Sex zu animieren sind die Dummen.

Der Literaturexpress, S. 144

Ja, richtig gelesen. Das steht da. Da ist so viel falsch einfach! Alleine schon das „zu animieren“ – nein, einfach nein. Man hat gefälligst niemanden zum Sex zu „animieren“ – Nein ist nein, wer nicht will, will nicht. Geht noch weiter, obacht:

Hätte ich keine Angst gehabt, wäre ich hartnäckig geblieben, hätte ihr Gesicht erneut in die Hände genommen und sie an mich gezogen. Und hätte sie sich weiterhin geweigert, hätte ich vielleicht sogar ein wenig mit ihr gerungen, so wie es sich gehört.

Der Literaturexpress, S. 220

WIE ES SICH GEHÖRT – ARE YOU FREAKIN KIDDIN ME?!!!! – Nein! Ganz ehrlich, da krieg ich das Kotzen. Vielleicht hab ich das Buch „nicht verstanden“. Vielleicht soll es witzig sein. Aber, nope – solche Aussagen gehen für mich nicht. Gefühlt waren das noch fast die harmlosen Dinge. Und bevor ich hier jetzt vollkommen ausraste, belasse ich es dabei – ich denke, ihr versteht, warum das Buch für mich gar nicht ging. Von mir absolut keine Leseempfehlung!

Infos zum Buch
Der Literaturexpress, Lasha Bugadze, Ullstein, Taschenbuch, 320 Seiten, ISBN: 3 9783548290881, Roman, Erscheinungsjahr: 2018


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WTF?
Und das wird heute noch zwischen zwei Buchedeckel gedruckt. UNFASSBAR!

Klingt ja übel! Ich meine, dass in den letzten Jahren vermehrt solcher Schmarrn auf den Buchmarkt kommt.
LG
Sabienes

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