Nach Onkalo von Kerstin Preiwuß (c) Piper

Werbung: *Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Piper/Berlin Verlag Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrlich und eigene Meinung wieder.

Nach Onkalo nimmt uns mit in das Leben des vierzig Jahre alten Provinzlers Matuschek. Kurz lernen wir noch seine Mutter kennen, bevor diese stirbt. Mit ihr teilt er schon sein ganzes Leben das Haus, was mich kurz an Howards Mutter aus TBBT denken ließ. Aber so zum Schmunzeln ist nach Onkalo bei Weitem nicht, im Gegenteil. Kerstin Preiwuß Werk ist vielmehr zum Nachdenken um die großen Fragen des Lebens gedacht.

Doch für mich kam dieser Effekt eher weniger rüber. Matuschek hat keine Frau, wurde von seiner Mama bedient und kennt nichts anderes. Nun weiß er nicht, wie es nach dem Tod der Mutter weitergehen soll. Von dort, wo er wohnt, geht man in der Regel weg, wenn man irgendwie kann. Doch er ist schon immer einer gewesen, der bleibt. Ein Bewohner des Hinterlandes, das schon längst von allen aufgegeben ist. Aber es gibt ja zum Glück Nachbarn. Wie beispielsweise den Russen Igor, der zum Freund wird. Oder auch der alte Witt, mit dem er die Liebe zu den Brieftauben verbindet und den er schon seit der Jugend  kennt.

Und seine Tauben, mit denen er an Preisfliegen teilnimmt und die er züchtet, seit er sie als Kind bekam. Egal wie oft er sie wegfliegen lässt, durch ihren inneren Kompass kommen die Tauben immer wieder zurück. Gepaart mit dem alten Witt, dem Nachbarn und dann ist da plötzlich noch Irina – sollte doch reichen zum Leben, oder nicht? Bis dann wieder etwas schief geht und Matuschek erst einmal in ein Loch fällt, bevor er wieder neu anfängt.

Eine Geschichte, die sich um die großen Fragen des Lebens drehen soll – was hält einen Zusammen, wie wird man eigentlich glücklich? Fragen, die Matuschek nicht beantworten will. Denn er will lieber seinen Alltag meistern. Aber wer weiß, vielleicht reicht das ja, ihm zu offenbaren, ob sich die Mühe lohnen wird?

Fragen, die sich für mich leider nicht wirklich ergaben. Nach Onkalo ist eher trübsinnig, grau. Matuschek war mir  äußerst unsympathisch. Ich hatte diesen Klischee-Bierbauch-Hartzer aus dem typischen Vormittags-Programm diverser Fernsehsender im Kopf. Und so hinterwäldlerisch sind auch seine Einstellungen und die seines Nachbarn was die Rolle einer Frau angeht. Bedienen lassen, nichts machen im Haushalt, dafür ist ja die Frau da und als Sexobjekt natürlich auch. Dann kommt da noch der Klischee-Russe und der durchgeknallte Alte mit eigenem Atombunker daher und ein paar Täubchen und schon ist die Hinterwäldler-Provinz-Klischee-Tüte voll bis oben hin.

Nur sein Umgang mit den Tauben hat mir gut gefallen (bis auf eine große Ausnahme gegen Ende des Buches). Sie sind sein Ein und Alles, für sie ist er da, für sie übernimmt er Verantwortung (meistens zumindest). Und auch die Hingabe, mit der er seinem Job nachging, gefiel mir.

Und auch der Schreibstil an sich war einnehmend mit einem Hauch Poesie aber dabei authentisch. Was aber störte, waren diese Sprünge ohne jegliche Absätze. In einer Zeile sind wir hier, in der nächsten beginnt, ohne wirkliche optische Abgrenzung, plötzlich eine ganz neue Szene, die auch Tage später spielen könnte. Das riss mich leider des Öfteren aus dem Fluss heraus.

Insgesamt war ich von Matuschek und den Klischees eher genervt, als dass mich das Buch zum Grübeln über die großen Fragen brachte. Und genau das ist mir aber wichtig, dass ich diese erkenne und darüber nachdenke und nicht nur gesagt bekomme, dass ein Buch dies erreichen möchte. Ein Buch, das okay war, mich aber nicht vom Hocker reißen konnte.

Infos zum Buch

 

Erscheinungsdatum: 1.3.2017

Genre: Roman

Verlag: Piper/Berlin Verlag

Format: ebook

Seiten: 240

ISBN: 978-3-8270-7934-3

Preis: 17,99 € [AT und DE]

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Vanessas Bücherecke

Autorin:

Kerstin Preiwuß wurde 1980 in Mecklenburg geboren. Heute lebt sie als freie Autorin mit ihrer Familie in Leipzig. Ihr Debüt war im Jahr 2006 der Gedichtband „Nachricht von neuen Sternen“. Im Jahr 2008 erhielt sie das Hermann-Lenz-Stipendium. Sechs Jahre später folgte der zweite Gedichtband namens „Rede“. 2014 erschien schließlich ihr Romandebüt „Restwärme“ sowie 2016 ihr Lyrikband „Gespür für Licht“.