Neondunkel von Solveig Engel - neobooks
Rezensionsexemplar

Die Physikerin Dr. Melanie Glanz arbeitete über lange Zeit hinweg mit ihren Mentoren an einem Physik-Projekt, welches den Nobelpreis erhielt. Geehrt werden die Professoren, obwohl Melanie den entscheidenden Beitrag zum Erfolg liefert. Doch damals war sie nur die Doktorandin und das zählte daher weniger. Kurz nach der Nobelpreisfeier sterben innerhalb kürzester Zeit zwei ihrer Mentoren, der dritte bekommt einen „Schwächeanfall“. Mel stößt in der Folge auf verwirrende Indizien, war es eventuell kein Zufall, sondern Mord? Doch wer hätte ein Motiv? Mel gerät immer stärker in einen Strudel aus Leistungsdruck, Schuldgefühlen und Angst und dabei kriecht ein Schatten einer lange verdrängten Vergangenheit wieder in den Vordergrund. Bis sie am Ende nicht mehr weiß, wem sie noch trauen kann, selbst sich selbst nicht mehr. Ist sie gar selbst nicht so unschuldig, wie alle denken?

Eine Inhaltsangabe, die mich sehr neugierig machte und so habe ich das Buch sehr gerne als Rezensionsexemplar angenommen. Solveig Engel hat für ihr Buch „Neondunkel“ den Indie Autoren Preis im Jahr 2018 gewonnen und auch mich konnte sie größtenteils in den Bann ziehen und überzeugen. Ich mochte ihren Schreibstil sehr. Sie transportiert gerade die Atmosphäre unter der Universität rund um die Labore sehr eingänglich (ich hatte irgendwie immer ein bisschen Anatomie-Feeling) und überzeugt von Beginn an mit dem großen Fachwissen, dass sie im Bereich Physik mit sich bringt. Zwar versteh ich nicht mal die Hälfte davon, aber sie hat es so geschickt in die Geschickte eingebaut, dass ich mich damit nicht überfordert oder erschlagen gefühlt hatte.

Ein besonders spannender Aspekt der Geschichte war ein zweiter Erzählstrang, bei dem wir eine ganze Weil im Dunkeln gelassen werden, wer oder was dahinter steckt. Zwar war es auch verwirrend, aber es hielt mich, neben der Geschichte um die mutmaßlichen Morde bis zuletzt in Bann. Schließlich wollte ich wissen, was das alles zu bedeuten hat. Zum Schluss wird das ganze sogar einer richtiggehend mysteriös und sorgt für neuerliche Verwirrungen und mögliche Wendungen, sehr gelungen. Bis zum Ende kommen immer wieder verschiedene Verdachtspersonen und mögliche Lösungen für den Fall auf. Dennoch war mir von Beginn an klar, wer wohl hinter all den Geschehnissen steckt und ich behielt tatsächlich auch recht. Den Weg dahin hat sie aber so verschlungen aufgebaut, mit so vielen möglichen Ergebnissen, dass es dennoch Spaß machte, „Neondunkel“ bis zum Schluss zu folgen, ich hätte ja auch falsch liegen können.

Auch die Charaktere waren alle gelungen und authentisch, wenn ich auch hier und da etwas Probleme mit Mel hatte. Ich bin nicht wirklich so warm mit ihr geworden, was aber nichts macht, denn eine authentisch gezeichnete Protagonistin ist sie dennoch. Eine brillante Wissenschaftlerin, die am liebsten ihre Tage nur im Labor verbringen möchte und mit sozialen Dingen hier und da etwas überfordert ist. Den Part mit Phil und wie anhänglich und unselbständig sie hier teilweise wurde, mochte ich aber weniger, weshalb es hier etwas Abzug in der Charaktergestaltung für mich gab. Besonders grauenvoll war ihr Vater, aber auch hier ebenfalls sehr gut gestaltet. Hier war ich von Beginn an eher bei Erzählstrang zwei und ihr Vater ist auch mit der Grund, warum „Neondunkel“ auch eine Art „Wer bin ich eigentlich wirklich“-Geschichte ist, den Mel weiß irgendwann selber nicht mehr, wer oder was sie ist und was sie eigentlich selbst von ihrem zukünftigen Leben erwartet und was in der Vergangenheit passierte.

Was ist wahr, was falsch? Das solltet ihr euch am besten selbst erlesen. Neondunkel ist trotz der wenigen Schwächen, wie das für mich doch erwartbare Ende und Mels kurzzeitige charakterliche Züge, die ich nicht ganz so rund fand, ein spannender und interessanter Wisschenschaftsthriller, mit leicht düsterer, knisternder Atmosphäre.

Infos zum Buch

Verlag: neobooks Verlag

Erscheinungsjahr: 2018

Seiten: 546

Genre: Thriller

Format: e-book

ISBN: 978-3-7427-5659-6

Preis: [D] 3,49 €

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Autorin:

Hinter Solveig Engel steckt die Autorin Sabine Engel. Solveig Engel ist quasi ihr böser Zwilling. Sabine studierte Physik an der Bochumer Uni und promovierte am TRIUMF-Lap. Nebenbei hat sie für Spektrum der Wissenschaft geschrieben. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann und Kindern in Berlin. Schon 2013 erschien ihr erstes Kinderbuch „Mission im Schwein“ im Baumhaus Verlag. Unter dem Pseudonym Solveig Engle veröffentlicht sie Wissenschaftskrimis/thriller, in denen unterirdische Labore, einsame Sternwarten und Forschungsschiffe dazu verführen, die dunklen Stellen der Seele zu erforschen.