Rendezvous im Café de Flore von Carolin Bernard (c) Aufbau Verlag*Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Aufbau Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Das Copyright am Buchcover liegt beim Aufbau Verlag

Caroline Bernard nimmt uns mit in das Paris der 20er Jahre und in das Paris von heute. Auf den Spuren von zwei Frauen und zwei Liebesgeschichten. Zum einen haben wir Vianne. Sie treffen wir im Jahr 1928, mit jungen 17 Jahren. Um Ihren größten Traum zu erfüllen, reißt sie von zu Hause aus. Sie möchte Botanikerin im renommierten Jardin de Plantes in Paris werden. Sie landet in Montmartre und teilt sich dort mit Clothilde ein Zimmer sowie den harten Job als Wäscherin. Wir begleiten Sie durch Ihre ersten Jahre im neuen Leben, auf dem Weg, Ihr Glück zu finden. Und wir lernen mit ihr ihre erste große Liebe zum Maler David Marlow Scott kennen.

Im Erzählstrang der heutigen Zeit lernen wir Lili Marlène (ja, so haben ihre Eltern sie wirklich genannt) kennen. Sie ist Ende dreißig, brach ihr Studium in Paris hab, lebt in einer kleinen Küstenstadt. Unzufrieden mit dem Job, die Ehe stark am krieseln. Ihren Mann fand ich einfach nur grauenvoll, ein richtiger Vollidiot. Er blieb sehr blass, brachte nur hin und wieder das Arschloch zum Vorschein. Sie landen in Paris, weil sie an einem romantischen Wochenende zum Hochzeitstag ihre Liebe wieder auffrischen wollen. Das läuft nicht so und so begibtt sie sich allein ins Musste d’Orsay und landet vor dem Bild einer Frau, die ihr bis aufs Haar gleicht. Gemeinsam mit einem Auktionär, den sie dort kennen lernt, begibt sie sich den Rest des Buches auf Spurensuche.

Caroline Bernard wechselt dabei immer wieder von Marlène zu Vianne. Beides Frauen, die mitten im Leben stehen. Mit Marlene bin ich gar nicht warm geworden, genauso wenig, wie mit ihrem Mann. Sie blieb für mich auch eher distanziert und blass. Jedes Mal wieder werden wir darauf hingewiesen, wie schrecklich ihre Ehe ist, wie blöd sie alles findet. Das hat für mich leider etwas den Lesefluss gestört. Sie schwamm mir etwas zu sehr in Selbstmitleid und hat sich gedanklich immer zu sehr nieder gemacht, auf äußerst nervige Art und Weiße für den Leser.

Auch der Sprung zwischen Caroline und Vianne war immer sehr hart. Ich wurde für die ersten Sätze immer erst mal aus dem Lesefluss geschmissen. Eine optische Abgrenzung wäre hier hilfreich gewesen. Gut gefiel mir die Beschreibung von Paris. Sie weckte wieder meine Lust, endlich auch einmal in diese Stadt zu fahren, insbesondere nach Montmartre. Allerdings war es doch etwas zu dick aufgetragen. Die atemberaubende Schönheit wurde so oft betont, immer wieder wurde über die traumhaften Gassen gestaunt, und was für eine Stadt der Liebe, und oh wie romantisch Paris doch ist. Das ist mal ok, aber es kam einfach etwas zu oft vor. Eine anschauliche Beschreibung der Umgebung, der Stadt, dass gefällt mir. Aber ich muss nicht auf fast jeder Seite vom Lob erschlagen werden. Ihr seht – kurz gesagt fand ich dieses übermäßige Liebesbekundung zu Paris, sowie vor allem die Geschichte rund um Caroline in Paris, zu kitschig.

Viannes Part fand ich hingegen deutlich besser. Hier erfahren wir etwas über das Leben der Frauen in den 20er Jahren in Paris. Ich mag Geschichten, die in der damaligen Zeit, in Zeiten der Boheme spielen. Wobei auch dies eher oberflächlich bliebt, nichts, was ich nicht schon gelesen hätte. Interessant hingegen fand ich die Zeit im Krieg, als Frauen aktiver Bestandteil der Widerstandsbegegnung waren. Was mir besser gefallen hätte – Caroline entdeckt nur das Bild und einen bedeutend größeren Teil nimmt dann die Kunst, die Botanik und die Frauen im Krieg ein. Denn insgesamt kamen gerade diese Interessanten Stränge recht kurz. Die Vergangenheit hätte ich gerne ausführlicher gehabt, denn in den Grundsätzen war Vianne für mich die weitaus interessantere Protagonistin.

Bücher dieser Art haben es sonst immer geschafft, mich so in den Bann zu ziehen, dass ich mehr über Kunst der damaligen Zeit erfahren wollte. Mehr über die Geschichte von Paris. Diesmal wurde ich nicht mitgezogen, da mir doch zu viele Stellen zu kurz, zu blaß und zu kitschig waren. Beide Enden fand ich dann sehr schnell abgehandelt. Einen Teil davon sogar etwas unrealistisch und konstruiert.


Insgesamt war „Rendezvous im Café de Flore“ ok zu lesen. Ein bisschen Parissehnsucht habe ich bekommen, es gab interessante Punkte, aber vom Hocker konnte mich die Geschichte nicht hauen. Das Cover und die Beschreibung haben mich an die Bücher „Madame Picasso“ oder auch „Die Tochter des Malers“ erinnert, die mich begeistert hatten. Bernard kann hier leider nicht mithalten.

Weitere Rezensionen:

Buchmomente
Sinje Blumenstein
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Infos zum Buch
Erscheinungsdatum: 16.11.2016 Verlag: Aufbau Verlag Seiten: 432 Genre: Liebesroman Meine Wertung: 2 von 5 Sternen Format: Klappbroschur ISBN: 9783746632711 Preis: [D] 12,99 €

Autorin:

Carolin Bernard wurde 1961 in Hamburg geboren und ist Literaturwissenschaftlerin. Bereits vor dem Abitur reiste sie das erste Mal nach Paris. Sofort verlor sie ihr Herz an die Stadt. Später gab es längere Aufenthalte als Au-Pair, Sprachschülerin und Stipendiatin. Aus Ihrem Leben sind Reisen nach Paris oder auch die Provence und die Normandie nicht wegzudenken. Sie lebt als freie Autorin in der Nähe von Hamburg.