Romeo oder Julia von Gerhard Falkner (c) Berlin Verlag

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Rezensionsexemplar

Werbung: *Das Buch wurde mir von Netgalley und dem Berlin Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrlich und eigene Meinung wieder.

Kurt Prinzhorn, Schriftsteller, wohnhaft in einem alten Hof, vermutlich nahe Nürnberg, denn der Ort ist eigenschaftslos, Berlin und als wir ihn kennenlernen, in rasanter Weise in Europa unterwegs. So rasant, dass ich schnell einfach nur irritiert war und kaum noch hinter her kam. Wie bei der ganzen Storyline. Die Geschichte von Falkner war auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und so richtig nachvollziehen kann ich das nicht.

Es fängt kurios an, als Prinzhorn auf einem Ersten der vielen versnobten, versoffenen, von banalen und pseudehochtrabenden Schriftstellertreffen ist. Dieses ist in Innsbruck, alle trinken Wodka, reden über Banalitäten, sexuelle Anspielungen fliegen hin und her, es wird über (Welt-)Literatur und die eigene Arbeit geredet. Als Kurt am Abend sein Hotelzimmer betritt, hängt ein großes Büschel schwarzer, langer Haare in seiner Badewanne. Bald merkt er, sein monströser Schlüsselbund wurde entwendet und sein Notizbuch. Von wem? Keine Ahnung. Wie? Keine Ahnung. Die Polizei und der Hoteldirektor denken, er hat sie nicht mehr alle.

Zack, schon geht es weiter nach Moskau, hier kommen noch streunende Hunde und ein paar ungewollte Prostituierte ins Spiel. Zack, ab nach Berlin, und zack, ab nach Madrid. Hier gibts dann mal noch eine alte Geliebte dazu. Die eigenartig verschroben ist, aber eigentlich braucht es sie nicht. Und ach, diese komische mysteriöse Unbekannte verfolgt ihn die ganze Zeit.

Von einem Moment auf dem anderen, kurz bevor er wieder nach Deutschland fliegt, trifft er auf besagte mysteriöse Unbekannte. Die Sache klärt sich auf. Ende.

Ein bisschen schwarzer Humor hier (der mir gefiel), viel aufgebauschte Sätze und Wortspielereien, die mir einfach zu viel waren, ein wirres Aufeinanderfolgen solcher Szenen, Charaktere, die blass blieben und für mich keinerlei Sinn für die Handlung machen. Auch Kurt selbst war für mich frauenfeindlich und absolut unsympathisch. Zwar klärt sich der Titel am Ende auf und die leichte Anspielung am Ende auf das Original gefiel mir.

Aber insgesamt war mein durchgängiger Gedanke: What the f**? Was soll das, was ergibt das für einen Sinn, wo soll das hin, wo ist die Spannung und einfach nur warum? Für mich fehlte ein Sinn hinter der Handlung. Abgesehen von wenigen Sätzen und Szenen, die mir gefielen, fand ich das Ganze sprachlich etwas zu aufgebauscht. Die Protagonisten ließen mich absolut kalt und die Spannung um den „Kriminalfall“ fehlte für mich vollkommen. Vieles wirkt wie einfach nur irgendwie hingeworfen, ohne einen Zusammenhang, ich wurde nur gehetzt und kaum unterhalten. Daher von mir leider keine Leseempfehlung.

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Infos zum Buch

Autor: Romeo oder Julia
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: Berlin Verlag
Seiten: 272
Format: WMEPUB
ISBN: 978-3-8270-7943-5
Preis eBook: [D] 18,99 €; [AT] 18,99 €

Autor:

Gerhard Falkner zählt zu den bedeutendsten Dichtern der Gegenwart. Er wurde 1951 geboren und veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände. Dazu gehören beispielsweise „Hölderlin Reparatur“, für den er 2009 den Peter-Huchel-Preis erhielt. Zuletzt veröffentlichte er den Gedichtband „Ignatien“, mit Bildern von Yves Netzhammer, im Jahr 2014. 2008 erhielt er den Kranichsteiner Literaturpreis für seine Novelle „Bruno“. Er ist einer der mistausgezeichneten deutschsprachigen Autoren. Im Jahr 2013 war er der erste Fellow für Literatur in der Kulturakademie Tarabya in Istanbul und 2014 Stipendiat in der Villa Aurora in Los Angeles. Heute lebt er in Berlin und Bayern. Sein Roman „Apollokalypse“ wurde 2016 für den Deutschen Buchpreis nominiert.