She read books as one would breath air, to fill upd and live - Annie Dillard
Startseite » Rezensionen/Reviews » Sechzen Wörter von Nava Ebrahimi

Sechzen Wörter von Nava Ebrahimi

von Franzi S.
0 Kommentar 384 views
Werbung/Rezensionsexemplar – Das Buch wurde mir vom BTB Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dennoch spiegelt sie meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Es gibt Wörter, die wir nicht kennen. Deren Bedeutung wir aber erahnen. Als wären sie immer schon hier gewesen. Als hätten sie schon immer in uns gewohnt. Und manchmal wollen sie endlich ausgesprochen werden.

(c) BTB

Mona beschließt, ein letztes Mal in den Iran zu fliegen, als ihre Großmutter stirbt. Sie war eine sehr eigenwillige Frau, die stets einen unpassenden Witz auf den Lippen hatte. Mona wagt mit ihrer Mutter die Reise, in die trügerische Heimat. Ihren Rückflug zurück in ihr Kölner Leben zwischen Club und Coworking hat sie bereits gebucht. Doch ihr iranischer Langzeitliebhaber Ramin überredet sie zu einem Abschiedstrip nach Bam. Die Stadt, die fünf Jahre vorher von einem Erdbeben komplett zerstört wurde. Monas Mutter schließt sich kurzerhand als Anstandsdame an, damit die Sittenwächter nicht auf falsche Ideen kommen. Auf der Fahrt wird Mona mit ihrer eigenen Identität und Herkunft konfrontiert, über die vieles im Dunkeln liegt. Doch dann wird ihr das Fremde auch wieder so vertraut und dafür das einst vertraute verschwommen.

Eine Frau, zwei mal Heimat

Erst war es nur ein Wort. Es überfiel mich, wie all diese sechzehn Wörter, aus dem Hinterhalt. Nie hatte ich es bisher geschafft, mich zu wehren, stets zwangen sie mir aufs Neue ihre Botschaft auf; da ist noch eine andere Sprache, deine Muttersprache, glaube ja nicht, die Sprache, die du sprichst, wäre deine Sprache.

(c) Zitat vom Buchrücken, BTB Verlag, Nava Ebrahimi, Sechzen Wörter

Mona ist im Iran geboren und lebt als freie Journalistin in Köln, zwischen Clubszene und Coworking-Space, eine moderne, junge Frau Anfang 30 und Single. Zuletzt war sie einige Jahre zuvor für ein Jahr in Teheran, um über den Fall eines Deutschen zu berichten, der dort inhaftiert war und hingerichtet werden sollte, da er gegen die iranischen Sitten verstoßen hatte, in dem er außerehelichen Geschlechtsverkehr einging. Damals lernte sie auch Ramin kennen, mit dem sie immer nur dann Kontakt hat, wenn sie mal im Iran ist.

Solange sie in Deutschland ist, ist das ihre Identität, ihr Leben, ihre Sprache und Heimat. Der Iran ist dann für Sie immer sehr weit weg, das dortige Leben mit dem in Deutschland vollkommen getrennt. Nur ihre Großmutter, die sie öfter Besuchen kam, bringt einen Hauch iranische Kultur mit und ein Stück der anderen Heimat. Mit der Großmutter und der Beschreibung, wie sie war und wie die Besuche bei und von ihr waren, startet Nava Ebrahimi auch die Geschichte. Gemeinsam fliegen wir zur Beerdigung und gehen mit Mona, ihrer Mutter und Ramin auf den spontanen Trip nach Bam. Dabei fallen ihr im Laufe der Erzählung, mehr und mehr Erinnerungen und Momente von früher ein, die sich in 16 Kapiteln anhand von 16 iranischen Wörtern aufteilen. Wörter, die sie immer schon unterbewusst in sich hatte, deren Bedeutung sie früher und im Laufe der Reise erfragt und teilweise zum ersten Mal so richtig versteht.

Zwei Identitäten, eine Reise in die Kultur des Irans

Während wir mit ihr nach Bam Reisen erleben wir auch ihre Zerrissenheit, zwischen den zwei Identitäten – die in Deutschland und die im Iran. Schon immer hat sie gespürt, dass diese beiden Welt nicht richtig zueinander passen wollen und dieses Gefühl transportiert Nava Ebrahimi sehr gut. Wir erleben mit ihr, wie sie Stück für Stück wieder die andere Heimat und Sprache erlebt und kennenlernt. Anhand dieser 16 Wörter, die uns einen Einblick in ihre Familiengeschichte aber vor allem auch in die Kultur ihrer anderen Heimat geben. Und eine Reise, die zeigt, dass sie irgendwie zwischen zwei Welten lebt – im Iran fällt sie durch ihr schlechtes Persisch und die hellere Haut auf. In Deutschland genau das Gegenteil – auch hier hat sie schon in jungen Jahren gelernt, dass sie irgendwie anders ist. Dabei beschreibt Nava in beiden Ländern sowohl lustige, fröhliche Momente aber eben auch Momente, in den diese Zerrissenheit, das Zwischen den Stühlen Sitzen besonders stark hervortritt und auch unangenehme Erlebnisse, die dadurch bedingt für Mona entstehen.

Infos zum Buch
Verlag: BTB
Erscheinungsjahr Taschenbuch: 2019
Seiten: 320
Genre: Roman
Format: Taschenbuch
Kaufen?

Weitere Rezensionen:

Das könnte dir auch gefallen:

0 Kommentar
1

Das könnte dir auch gefallen

Hinterlasse einen Kommentar

  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Hier gibts Lovely Kekse. Und zwar für Piwik und Analytics. Beides verschlüsselt Eure Daten und sie werden nach 28 Tagen gelöscht. Ihr könnte aber auch im Datenschutz für beides widersprechen oder es hier akzeptieren. Klar doch Ich will mehr wissen