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Tattoo von Ashley Dyer

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar

Wir befinden uns im Liverpool, rund um Weihnachten und Neujahr. Ein perfider Frauenmörder treibt in der Stadt sein Unwesen. Die Opfer findet man sorgfältig arrangiert. Alle sind von Kopf bis Fuß mit kryptischen Tätowierungen bedeckt. Gestochen hat der Killer diese selbst, mit einem Dorn.

Seit Monaten machen Detective Greg Carver und seine Kollegin Ruth Lake Jagd auf den von der Presse betitelten „Dornenkiller“. Doch bis jetzt ohne Erfolg. Und dann gibt es die nächste tätowierte Leiche. Das Opfer sieht Carvers Frau zum Verwechseln ähnlich und ihm wird klar, der Killer jagt auch ihm.

Distanzierte Charaktere

Ich hab ewig keinen Thriller mehr gelesen. Als dann „Tattoo“ neulich im Newsletter beworben wurde, bin ich neugierig geworden. Schon allein, weil mich die Art der Geschichte direkt an Dexter erinnerte. Da punktet man bei mir immer. Das Buch habe ich auch in nicht mal zwei Tagen gelesen, was auf jeden Fall für die Geschichte und den Schreibstil spricht. Dennoch hat mich das Buch nicht zu hundertprozent überzeugt.

Nach Klappentext sind die beiden Hauptprotagonisten Carver und Lake. Wobei vor allem Lake im Vordergrund steht. Den Carver liegt die meiste Zeit des Buches im Krankenhaus und ist eigentlich kaum zu gebrauchen oder trägt wertvoll zur Ermittlung bei. Und, was mich mal wieder störte: Er hat ein Alkoholproblem, eine zerbrochene Ehe. Zugutehalten muss man allerdings, dass hier nichts verschönigt wird, im Gegenteil. Der Alkoholismus wird als das Arschloch hingestellt, dass es ist! Er ist am Ende, weiß, dass er ein gewaltiges Problem hat und fühlt sich mitverantwortlich für all die Geschehnisse, die im Buch zu passieren. Dennoch frag ich mich, warum den in so gut wie jedem Thriller oder Krimi einer der Ermittler ein verschissenes Alkoholproblem haben muss? Das muss doch auch ohne gehen, oder? Alles in allem blieb mir Carver als Protagonist auch recht fern und war für mich mehr eine Nebenfigur.

Die Hauptrolle spielte hingegen seine Kollegin Lake. Sie begleiten wir durchgehend. Nur hin und wieder wechselt die Erzählperspektive mal nur zu Carver. Gemeinsam mit ihr gehen wir zu zahlreichen Befragungen, Fachgesprächen, stöbern uns durch zahlreiche Videoaufnahmen und erleben Konfrontationen mit Carver. Kurzum: Wir ermitteln gemeinsam mit ihr und versuchen, die Wahrheit zu Carvers Schusswunde und zum Dornenkiller ans Licht zu bringen. Ansonsten blieb mir Lake tatsächlich auch eher fern. Ich blieb bei beiden Protagonisten eher ein distanzierter Beobachter, ohne mich in sie hineinversetzen zu können. Dafür erfährt man einfach zu wenig. Deswegen sind sie nicht schlecht und für das Genre wohl auch recht normal und damit auf jeden Fall ok.

Viel Ermittlung, weniger Spannung

Die Geschichte an sich hat viel versprochen, konnte meine Erwartungen aber nicht ganz erfüllen. Ich hatte auf einen hoch spannenden, etwas blutigen Thriller gehofft. Bekommen habe ich allerdings eher einen typischen Ermittlungs-Krimi mit viel Detektivarbeit. Ich mochte gerade diese Spurensuche, das Finden neuer, versteckter Hinweise und den psychologisch angehauchten Aspekte der Ermittlungen von Lake. Solche Rätsel, bei denen ich selbst mit nach einer Lösung suche, finde ich immer super. Bis kurz vor Schluss war ich der felsenfesten Überzeugung, dass ich weiß, wer der Dornenkiller ist und wurde dann doch noch eines Besseren belehrt. Hier punktet Ashley Dyer definitiv mit einem überraschenden Täter, den ich gar nicht auf dem Schirm hatte.

Dennoch fehlte es in „Tattoo“ für mich an Spannung. Der „Nebenfall“ von Carvers Schusswunde und allem, was da noch so dran hängt, war für mich etwas zu lang. Die Ermittlungssuche etwas zu oft in einem „dead end“, das wir auch hätten weglassen können. Eine kürzere Fassung, der zwar interessanten, aber teilweise zu langatmigen Ermittlungen, hätte dem Spannungsbogen nicht geschadet.

Alles in allem war „Tattoo“ für mich daher zwar eine gut zu lesende Lektüre, die mich mit rätseln lassen hat. Wer auf detaillierte, psychologisch angehauchte Ermittlungsarbeit steht, ist mit dem Buch sehr gut bedient und bekommt eine klare Leseempfehlung von mir. Einen besonders blutigen, rasanten, hoch spannenden Thriller solltet ihr aber nicht erwarten.

Ein negativer Aspekt war schließlich noch, dass die Übersetzung zum Tätowierungsprozess an sich nicht so geglückt war, denn hier wird davon gesprochen, sie würden geätzt werden – das ist mir auch neu. Mehr zur missglückten Beschreibung der Tätowierungssache schreibt Mareike von Crowandkraken in ihrer Rezension, schaut mal vorbei.

Weitere Rezensionen:

Die Autorin:

Ashley Dyer ist ein Pseudonym. Dahinter verbergen sich die englische Thrillerautorin Margaret Murphy und die Forensikexpertin Helen Pepper. Margaret Murphy ist in Liverpool aufgewachsen und hat bereits zahlreiche hochgelobte Kriminalromane verfasst, die international veröffentlicht wurden. Nebenbei engagiert sie sich bereits seit einigen Jahren für die Förderung der Kriminalliteratur. Helen Pepper besuchte als Tatortermittlerin udn Leiterin der Spurensicherung mehr als dreitausend Tatorte und verfasste bereits zahlreiche Beiträge zur kriminalistischen Fachliteratur.


Infos zum Buch

Verlag: Blanvalet

Erscheinungsjahr: 2018

Seiten: 560

Genre: Thriller

Format: Klappenbroschur

Originaltitel: Splinter in the Blood (Carver & Lake 1)

Originalverlag: Corsair

Übersetzung: Bettina Spangler

ISBN: 978-3-7341-0651-4


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Huhu meine Feine!

Hach jee, eine weitere Meinung die mich vom Kauf abhält. Habe schon einiges an Kritik zu dem Buch vernommen, vor allem die fehlende Spannung – das Todesurteil in dem Genre. Und dann mal wieder ein Ermittler mit den Standard-Problemen, braucht es einfach nicht mehr … Er oder sie dürfen gerne ihre Probleme haben, das gehört zum Leben, aber es darf gerne mal was anderes sein. Und es darf gerne nicht allumfassend sein – der Fall im Vordergrund stehen bei solch einer Geschichte.

Liebe Grüße, Janna

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