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The Future is Female von Scarlett Curtis (Hrsg.)

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar

In Zeiten von #metoo und den wieder zunehmenden öffentlicher und größer werdenden Protesten gegen Geschlechterungleichheit sollte man meinen, dass man Feminismus und Bücher darüber nicht mehr braucht. Doch noch immer sind Dinge wie der Gender Pay Gap, Mansplaining und Co. ein großer Bestandteil unseres Alltages. Man denke ja nur gerade an die aktuelle Media Markt Kampagne – autsch, auch wenn die nicht nur gegen Frauen geht, sondern gegen Männer, wie ich finde, gleich noch mit.

The Future is Female, herausgegeben von Scarlett Curtis, soll für Mädchen und Frauen sein, die sich damit nicht länger zufriedengeben wollen. Es versammelt eine weitgehend vielschichtige und einzigartige Sammlung an Texten unterschiedlichster Frauen. Von der Hollywood-Ikone Keira Knightley, über Katrin Bauerfeind und Emma Watson bis hin zu unbekannteren Stimmen, wie Teenie-Aktivistinnen und Organisationsgründerinnen. Es soll zeigen, dass sich der Feminismus von heute über das Dafür und Miteinander definiert und soll ihm neuen Glanz verleihen. Ob das Gelungen ist? Lest weiter oder scrollt ans Ende der Rezension für die Kurzmeinung.

Durch meine Erfahrungen als junge Frau, weibliche Unternehmerin, Tochter, Schwester und Freundin habe ich gelernt, dass es im Feminismus weniger um die eigene Stimme geht als darum, die eigene Bühne zu nutzen, um andere Frauen darin zu bestärken und dabei zu unterstütezn, die ihre zu finden.

The Future is Femal, Olivia Perez, Seite 184

Vielschichtige Stimmen – oder nicht?

Im Gesamten hat mir „The Future is Female“ schon ziemlich gut gefallen und ich halte es für ein wichtiges Werk, um sich neuen Schwung und Energie und Handlungslust zu holen. Es inspirierte mich und verleiht tatsächlich neue Kraft. Es gab einige Texte und Passagen, mit denen ich mich auch ziemlich gut identifizieren konnte.

Ich bin normalerweise extrem vorsichtig mit meinen öffentlichen Aussagen, einfach, weil es mir seit Langem schon peinlich ist, dass es so wichtig für mich ist, gemocht zu werden. Jemand muss nur ein kleines bisschen gemein zu mir sein, und schon bekommt mein Herz Druckstellen wie eine Banane.

The Future is Female, Alison Sudol, Seite 62

Und ja, es war vielschichtig. Die unterschiedlichsten Frauen haben hier kurze, knackige Texte beigetragen. Zum Feminismus und was diesen ausmacht, wie viele unterschiedliche Arten des Feminismus es gibt, ein bisschen Geschichte des Feminismus, Literaturempfehlungen aber auch sehr persönliche Erfahrungen, Informationen zu Organisationen und Bewegungen, die ich bisher nicht kannte. Es geht um Bildungsgleichheit, Menstruationsarmut, Chancen von Mädchen und Frauen in „Entwicklungsländern“, das Mutter werden und vieles mehr. Auch alte Klischees werden aufgeräumt  und klar gemacht, dass jede Frau so sein darf, wie sie sein will.

Es brauchte Frauen, die laut wurden, die auf die Straße gegangen sind, die widersprochen und einen Fick auf ihre Wahrnehmung gegeben haben. Ob im Minirock oder in Latzhose, perfekt geschminkt oder ungekämmt: Es ist egal, wie wir aussehen, denn es zählt, was wir sagen und eben wie.

The Future is Female, Milena Glimbovski, Seite 171

All das macht das Buch zu einer Bereicherung, wenn auch vielleicht nicht gerade als Einstiegslektüre für jemand, der sich noch nie mit dem Thema auseinandersetzte, aber definitiv als motivierende Lektüre.

Ich finde es großartig, in welche Richtung sich der Feminismus gerade entwickelt, aber es wird sicher noch eine Menge Arbeit und Geduld brauchen, bis diese Entwicklung abgeschlossen ist, bis der Feminismus ganz den damaligen Vorstellungen entwachsen ist. Was meiner Meinung nach absolut notwendig ist.

The Future is Female, Aliosn Sudol, Seite 65

Für viele der Stimmen und auch für die Herausgeberin Scarlett Curtis selbst, ist Feminismus intersektional. Eine Tatsache, die ich wundervolle finde. Denn es bedeutet, kurz gesagt, dass sich die Frauen auch mit jeder anderen Art Diskriminierung auseinandersetzen. Was teilweise funktioniert, denn im Buch kommen auch einige WoC (Women of Color), die uns von ihren Erfahrungen als Frau auch mit Rassismus berichten, vor. So erfahren wir beispielsweise auch etwas zu den leider noch immer weitverbreiteten Genitalverstümmelungen in Afrika und gegen eine Initiative, die sich dafür einsetzt, dass irgendwann kein Mädchen mehr durch dieses barbarische und gefährliche Ritual durch muss.

Der Feminismus ist eine zweihundert Jahre alte soziale Bewegung, die für die Gleichstellung der Geschlechter kämpft. Intersektionale Feministinnen (zu denen gehöre ich) sind überzeugt, dass alle Menschen dieselen Rechte haben, und sie kämpfen für die Beendigung jeglicher Diskriminierung, die auf Geschlecht, sexueller Orientierung, Hautfarbe, ethnischer Herkunft, Religion, Kultur oder Lebensweise basiert.

The Future ist Female, Scarlett Curtis, Seite 223

Auch wenige Trans-Frauen und Aktivistinnen kommen zu Wort, genauer zwei (Charlie Craggs, Rhyannon Styles). Aber weitere Frauen* werden hier kaum präsentiert. Dabei gibt es doch noch so viele Menschen, deren Stimmen gehört werden müssen und die, für mich, auch im Feminismus einbezogen gehören, die sich zum Beispiel weder als Mann, noch als Frau, identifizieren. (Schaut dazu mal beim Missy Magazin vorbei). An dieser Stelle hätte es also noch etwas vielstimmiger sein können und auch in den Themen selbst hätte dieser Bezug noch stärker herausgestellt werden können. Zumindest in den informativeren Beiträgen und den Texten der Herausgeberin selbst.

The Future is Female – grenzwertiger Slogan

„The Future ist Female“, so heißt ja nicht nur das Buch. Der Slogan tauchte bereits vor einer Weile im Zuge des „Women’s March“ auf. Doch für mich spiegelt der Slogan noch mal das wider, dass ich im vorherigen Absatz erwähne. Der Titel und Untertitel suggerieren für mich auf den ersten Blick halt leider erst mal, dasse nur um cis-Frauen geht und Frauen* nicht inkludiert sind, ebenso viele der Texte. Er bezieht sich für mich nicht auch ausreichend auf queere, trans oder nicht-binäre Identitäten. Außerdem suggeriert er für mich auch, dass eine Art Machtumverhältnis stattfinden soll, Frauen also an erste Steller stehen und dafür Männer herabgestuft werden. Was aber nicht das ist, was Feminismus sein soll. Denn er steht ja für Gleichberechtigung. Ein Aufmerksamkeitsgenerierender Titel, ebenso wie die Farbe, der aber für mich etwas am eigentlichen Ziel vorbeigeht. Der englische Titel ist da passender gewählt.

Fazit

Ihr seht, ich mochte das Buch zwar, aber es ist eben nicht perfekt und hat die ein oder andere Stelle, die ich sehr schade finde. Um dem Statement der vielen Stimmen gerecht zu werden, dass der heutige Feminismus für sie vor allem intersektional ist, hätten mehr Frauen* zu Wort kommen müssen und manche Themen etwas differenzierte betrachtet werden können. Dennoch halte ich das Buch für ein bereicherndes und inspirierendes Werk, vor allem für jeden, der sich mit dem Thema schon beschäftigt hat und neue Stimmen, persönliche Erfahrungen und motivierende Worte entdecken möchte. Einsteiger sollten definitiv noch mehr Lektüren dazu lesen, in denen noch besser auf das Thema Intersektionalität eingegangen wird.

Weitere Rezensionen:

Die Herausgeberin, Die Übersetzerinen:

Scarlett Curtis ist die britische Style-Kolumnistin und Pink-Protest-Gründerin. Übersetzt wurde das Buch von:

  • Elke Link
  • Kristin Lohmann
  • Johanna Ott


Infos zum Buch

Verlag: Goldmann Verlag

Erscheinungsjahr: 2018

Seiten: 416

Originaltitel: Feminists don’t wear pink and other lies

Originalverlag: Penguin

Genre: Sachbuch

Format: Klappenbroschur

ISBN: 978-3-442-15982-6

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