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Die Verlobten des Winters von Christelle Dabos (Spiegelreisende Band 1)

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar – Das Buch wurde mir vom Suhrkamp Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dennoch spiegelt sie meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Ophelia versteckt sich am liebsten hinter ihrer dicken Brille und ihrem Schal, der bis zu den Füßen reicht. Doch sie ist gar nicht so unscheinbar, im Gegenteil – Sie kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Sie lebt auf einer der zahlreicher Archen, auf Anima, irgendwo in einer Fantasy-Zukunft inmitten ihrer riesigen Familie. Hier kümmert sie sich hingebungsvoll um das Erber der Ahnen. Doch eines Tages wird ihr Unheilvolles verkündet – Sie soll auf die eisige Arche des Pols ziehen und einen Adligen namens Thorn heiraten. Was hat es mit dieser Verlobung auf sich und wer ist der Man, dem sie folgen soll? Warum wurde ausgerechnet sie, ein zurückhaltendes Mädchen mit leiser Stimme, auserkoren? Dabei ahnt sie nicht, welche tödlichen Intrigen auf der Reise auf sie warten und wie gefährlich ihr neues Zuhause ist.

Dinge Lesen, durch Spiegel reisen – magische, neue Welt

Christell Dabos hat mit der Welt der Spiegelreisenden eine wahrhaft magische, vielschichtige und kreative neue Welt erschaffen. Seit Harry Potter damals hab ich mich nie wieder so schnell in einer Welt und einem Schreibstil so Zuhause gefühlt. Schon das ganze Konzept der Welt überzeugte mich und machte mich vom ersten Satz an neugierig. Die Welt ist hier in zahlreiche Stücke zerbrochen, die quasi um den Erdkern herumschweben. Die größeren Stücke werden Archen genannt und sind bewohnt. Dabei ist jede vollkommen anderes und individuell und auch das Leben auf ihnen lässt sich untereinander nicht vergleichen. Jede Arche hat einen Familiengeist und die Bewohner haben ihre eigenen besonderen Fähigkeiten.

Ophelia lebt auf Anima mit ihrer riesigen Familie. Anima ist eine sehr friedliche Welt, jedes Familienmitglied hat bestimmte Fähigkeiten, die sie nutzen, um die Welt zu erhalten und die Erinnerungen an die alte Welt zu verwalten und zu pflegen. So ist ihr Großonkel beispielsweise ein Archivar, der die Geschichte Animas hegt und pflegt. Dann gibt es da noch den Pol, der vollkommen anders ist. Hier ist keine große heile Familie. Hier leben verschiedene Familienklans. Jeder hat seine eigenen Fähigkeiten. Beispielweise die Drachen ihre Krallen, mit denen sie andere über Gedanken verletzten können. Die Klans leben alle auf dem Wolkenschloss, der vom Mondscheinpalast getoppt wird. Hier ist nichts, wie es scheint, alles besteht aus Illusionen und Schein und so auch der Umgang untereinander – wem kann man trauen, wem nicht? Das muss Ophelia auf die harte Tour lernen. Das Leben am eisigen Pol ist geprägt von Machtspielen und Intrigen. Weitere Archen lernen wir hier nicht kennen, ich bin aber sehr gespannt, ob noch mehr in den Vordergrund rücken werden in den weiteren Bänden.

Großartige Protagonisten

Ophelia ist eine Leserin und Spiegelreisende – heißt: Wenn sie ihre Hände auf Dinge legt, kann sie deren komplette Geschichte zurückverfolgen, so auch, wer ihn besaß und kurze Gefühlsregungen dazu. Beispielweise kann sie anhand einer Kette feststellen, wie sie in den Besitz des derzeitigen Eigentümers kam und wo sie vorher war, bis hin zur Entstehung. Damit sie nicht vollkommen willkürlich alles liest, was sie berührt, trägt sie stets ein Paar Leserrinnenhandschuhe. Gemeinsam mit einem langen Wollschal, den sie immer und überall trägt und der wie ein Haustier ist und sein eigenes Gefühlsleben hat. Weitere Kennzeichen von Ophelia: zersauste Locken, eine dicke Brille, die je nach Stimmung ihre Farbe ändert und sich in wenigen Tagen selbst reparieren kann, eine leise Stimme und Tollpatschigkeit. Außerdem kann sie durch Spiegel reisen von einem Ort zum nächsten oder auch nur ein Ohr hindurch stecken, um zu lauschen. Das alles macht Ophelia zu einer wundervoll sympathischen Protagonistin, die ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Endlich mal eine Heldin, die anders ist als so viele vorher. Nach außen vollkommen unscheinbar, aber eigentlich so voller Überraschungen und eine kleine Chaotin. Je mehr sie versucht, nicht aufzufallen, desto mehr zieht sie eine Katastrophe nach der anderen an.

Aber auch alle anderen Protagonisten waren sehr gut gezeichnet. Alle wichtigen haben genügend detaillierte Eigenschaften und ausreichend Erzählraum bekommen, um sie gut greifen zu können und sind für mich rund. Gleichzeitig bieten sie noch sehr viel Potenzial, sich in den folgenden Büchern weiter zu entfalten. So ist Thorn bisher undurchschaubar. Er ist kühl, liebt seine Akten und Zahlen, ist schroff und scheint sich überhaupt nicht um Ophelia zu scheren. Kühl, rau und teilweise sehr unberechenbar ist auch seine Tante Berenilde sowie sein gesamter Klan. Beide zeigen aber auch andere Seiten, die einen nicht ganz schlau aus ihnen werden lassen und ich bin gespannt, wie sie sich noch entwickeln werden. Auch bei Ophelia bin ich auf weiteres gespannt – eigentlich ist sie als unscheinbare, aber durchsetzungsfähige Protagonistin gezeichnet, die ihren eigenen Willen hat und selbst etwas in die Hand nehmen will. Das schwächelt für mich hier und da aber, denn des öfteren passiert eben genau das Gegenteil, was aber doch auch glaubwürdig scheint, wenn man die Umstände bedenkt.

Fazit – Highlight*

Christell Dabos hat für mich mit diesem ersten Buch der Spiegelreisenden „Die Verlobten des Winters“ eine einzigartige, einfallsreiche, magische neue Welt gezeichnet – mit interessanten, kreativen Ideen, großartigen und authentischen Charakteren und so vielen Infos, die es braucht, um das Große Ganze zu verstehen, ohne aber zu viel zu verraten. So bleibt sowohl was die Welt angeht, als auch was die weitere Entwicklung der Geschichte und Protagonisten angeht, gerade genug offen, um mehr zu wollen – da bin ich froh, dass im Sommer bereits Band zwei erscheint! Schaut euch auch mal auf der Website zum Buch um – hier gibt es zahlreiche Infos zur Welt und den Büchern.

Infos zum Buch
Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 11.3.2019
Seiten: 535
Übersetzung: Amelie Thoma
Originalsprache: Französisch
Weitere Bände: 2. Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast (Juli 19), 3. Das Gedächtnis von Babel (November 19)
Genre: Roman, Historischer Romand
Übersetzung: Andrea Brandl
Format: Klappenbroschur
(c) Buchcover beim Suhrkamp-Verlag

Weitere Rezensionen:

*Nachdem ich mir mit der Punkt-Bewertung ziemlich schwergetan habe, beende ich diese wieder, möchte euch aber dennoch eine Einordnung geben. Tatsächlich hat Stellettereads ein großartiges Bewertungssystem, in welchem ich mich sofort wiederfinden konnte – nämlich nach Kategorien. Dies möchte ich von heute an versuchen zu etablieren und auch nachträglich bei den bisherigen Büchern anpassen. Meine persönliche Einordnung findet auf meiner Seite „Bewertungskategorien“.

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Eine sehr schöne Rezension. Ich kann dir nur zustimmen. Ich bin schon extrem gespannt, wie es weitergeht.
Liebe Grüße
Lisa

Noch ein Fan wie fein 🙂
Ich hab das Buch letzten Sonntag zuende gelesen und es wirklich großartig.
In diesem Buch konnte man einfach wieder richtig versinken.

Viele liebe Grüße
Chrissi

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