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Hallo Ivonne. Vielen Dank, dass du dich meinen Fragen stellst. Zunächst – stell dich doch kurz vor, wer bist du, was macht dich aus, was sind deine Hobbies?

Ivonne Keller (c) Uwe Noelke

Ivonne Keller (c) Uwe Noelke

Hallo Franziska! Ich bin 44 Jahre alt und wohne mit vier Männern in der Nähe von Frankfurt am Main. Ich schreibe in jeder freien Minute, da bleibt wenig Zeit für Hobbys. Ich beschäftige mich allerdings sehr gern mit Psychologie und – ja! – psychischen Erkrankungen – diese Themen wandern irgendwie immer in meine Romane.

Bist du ausschließlich Autorin oder gehst du nebenbei noch einem anderen Beruf nach?

Ich bin gerade dabei, mich beruflich selbstständig zu machen, da die Einkünfte als Autorin leider nicht ausreichen, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Die freiberufliche Tätigkeit wird sich im weitesten Sinne mit dem Schreiben (insbesondere Coaching und Lektorat) beschäftigen, allerdings biete ich auch Bürodienstleistungen an. Ich „kann“ nämlich auch Buchhaltung und Bewerbungsmanagement. Bisher war ich in diesem Bereich angestellt.

Was war dein bisher schönstes Ereignis in deinem Autoren-Leben?

Die Frankfurter Buchmesse 2014, auf der bei am Droemer Knaur Stand mein eigenes Buch in der Rotunde stand. Das hat alles weitere getoppt.

Was war das erste Buch, das du gelesen hast?

„Die vornehme Katze Suleika“. Ich bekam das Buch zu meinem 7. Geburtstag. Seither habe ich Bücher verschlungen.

Wer oder was inspiriert – beim Schreiben und im alltäglichen Leben?

Sobald ich von Leuten höre (oder auch welche erlebe), die sich „merkwürdig“ verhalten, fange ich schon an, Geschichten drumherum zu erfinden. Seltsame Menschen trifft man ja oft mehr als genug, mir wird daher vermutlich niemals der Stoff ausgehen 😉

Hirngespenster beschäftigt sich mit vielen Beziehungsproblemen, psychischen Problemen und dem ganz Besonderem Thema von Menschen, von denen jeder denkt, sie würden nichts um sich herum mitbekommen – Wie kam es zu den Ideen?

Coverrechte liegen beim DroemerKnaur Verlag

Coverrechte liegen beim DroemerKnaur Verlag

Im Grunde ist das Oberthema „sich nicht mitteilen können“. Silvie kann es nicht, weil ihr die Fähigkeit dazu fehlt, Anna kann es nicht aus Frucht vor den Reaktionen ihrer Umwelt. Warum mich das so sehr fasziniert? Ich kenne vermutlich zu viele Menschen, die ein so viel lebenswerteres Leben führen könnten, wenn sie die Dinge an- oder aussprechen würden. Wenn sie ihre Ängste und Bedürfnisse mitteilten. Stattdessen wird in sich hineingefressen, bis man daran krank wird. Vermutlich möchte ich mit meinen Büchern zeigen: Leute, lasst es doch bitte nicht soweit kommen.

Wie hast du für das Buch recherchiert und gibt es Bezugspunkte zu Dingen, die du selbst oder Bekannte im realen Leben erlebten?

Ich habe in Internet-Foren zum Thema Tablettenabhängigkeit und Zwangsstörungen recherchiert. Im realen Leben kenne ich niemanden mit diesen Problemen. Ich schreibe immer nur fiktive Geschichten, da ich niemals jemanden würde verraten wollen, der mir seine Probleme offenbart. Da es einige Menschen gibt, die mir viel von sich erzählen, sind leider schon etliche Tabuthemen entstanden, über die ich nicht mehr schreiben kann.

Auch in Lügentanz geht es um psychische Probleme und Traumata – wie hast du hier recherchiert und woher kam die Idee?

Lügentanz von Ivonne Keller (c) Droemer Knaur

Lügentanz von Ivonne Keller (c) Droemer Knaur

Initialzündung war die Erzählung einer Bekannten, die mir sagte, sie habe ihren Mann am Frühstückstisch gefragt, ob er sie noch liebt und er antwortete mit „Nein“. Der Rest meiner Geschichte hat nichts mit dieser Bekannten zu tun – aber es setzte die Idee für den Roman in Gang. Ich habe mit Psychologen und Ärzten über Traumata und Triggerfunktionen gesprochen.

Hast du einen Charakter, mit dem du dich besonders identifizieren kannst oder der dir am meisten am Herzen liegt?

Am meisten konnte ich mich bisher mit Silvie aus „Hirngespenster“ identifizieren. Sie ist mir glaube ich vom Charakter am nächsten. Anna am wenigsten. Dennoch konnte ich sehr mit ihr mitfühlen, ebenso mit Michaela und Lena. Lena ist mir ebenfalls ähnlich, weil sie so pragmatisch ist.

Was liest du selber gerne und hast du Lieblingsautoren, die du unbedingt empfehlen möchtest?

Ich liebe die Romane von Petra Hammesfahr, Wiebke Lorenz und Gillian Flynn. Abgesehen davon bin ich ein großer Fan von Sophie Kinsella und Marian Keyes, deren Romane ich im Original lese.

Hast du bereits neue Projekte in Planung? Und wenn ja, magst du uns noch kurz etwas darüber erzählen?

Mein neuer Spannungsroman, der nächstes Jahr ebenfalls bei Knaur erscheinen wird handelt von Angststörungen. Meine Protagonistin ist Kosovarin und trifft auf eine Deutsche, die es mit ihrer Hilfsbereitschaft leider zu gut meint, und damit eine Kette von Ereignissen auslöst, die nicht mehr aufzuhalten sind.

Hast du noch ein Lieblingszitat, das du uns zum Schluss mit auf den Weg geben möchtest?

„’Brotlose Kunst’ sagt der, der das Leben nicht verstanden hat.“ (Ich habe leider keine Ahnung, von wem es stammt, möglicherweise von mir selbst ;))

Ich danke dir für deine interessanten Fragen, Franziska – die Beantwortung hat sehr viel Spaß gemacht!