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Hunger von Roxan Gay

von Franzi S.
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Triggerwarnung: Sexueller Missbrauch & Vergewaltigung, Bulimi Werbung/Rezensionsexemplar – Das Buch wurde mir vom BTB Verlag & dem Bloggerportal zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dennoch spiegelt sie meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Vor Kurzem konnte mich Roxan Gay ja bereits mit Bad Feminist begeistern. Auch wenn ich nicht jeden Text mochte, so ist das Buch dennoch eine super wichtige, teilweise unbequeme aber wahre Lektüre. Ihr Buch Hunger wird sie noch einmal offener, persönlicher und gibt uns einen tiefen Einblick in die Person Roxan Gay und ihre tiefstes Inneres, ihre Erlebnisse und was sie geprägt hat.

Roxan Gay wurde mit 12 Jahren vergewaltigt. Dieses Thema wird immer mal wieder angesprochen und erwähnt und am Anfang auch konkreter (ohne irgendwelche genaueren Details, aber für Betroffene vermutlich detailreich genug) beschrieben. Wenn ihr damit nicht umgehen könnt, getriggert werden könntet, dann solltet ihr Roxan Gays Buch Hunger lieber nicht lesen. Denn dieses Ereignis ist das gesamte Buch über präsent, denn es ist schuld an dem Nachher, an all den Jahren und dem Kampf mit sich und ihrem Körper. Zunächst erleben wir kurz Roxan Gays Vorher, der Großteil des Buches nimmt uns aber mit auf ihren ganz persönlichen, von Narben und traumatischen Ereignissen geprägtem Lebensweg.

Nach diesem Ereignis fängt Roxan an zu essen, sie aß und aß und aß, denn sie wollte ihren Körper zu einer Festung machen, unattraktiv werden und fühlte sich mit jedem Kilo mehr sicherer und weg, weit weg von diesem Mädchen im Wald. Es ist ein jahrelanger Kampf, psychisch und physisch, sie schämt sich und gleichzeitig kann sie aber nicht aufhören. Selbst wenn eine der vielen Diäten oder der Sport dann mal helfen, sobald die ersten Kilos weg sind, fühlt sie sich einerseits gut, andererseits kommt die Angst, die Angst des Mädchens aus dem Wald wieder und der Panzer wird neu angelegt. In Hunger nimmt Roxan Gay uns mit auf diesen Weg, gibt uns tiefe, persönliche Einblicke und zeigt auf, wie das Leben als sehr stark übergewichtiger Mensch ist und wie wenig unsere Gesellschaft Körper außerhalb der „Norm“ akzeptieren oder auf sie eingestellt ist. Das geht bei Stühlen mit Armlehnen los und endet bei purer Verachtung, fiesen Sprüchen und der Angst, überhaupt zum Arzt zu gehen.

Gute Lektüre/Wichtige Lektüre

Auch wenn Hunger für mich nicht an Bad Feminist herankommt, ist es dennoch ein unfassbar wichtiges Buch. Ich ziehe meinen Hut vor Roxan Gay und ihrer Offenheit und dem Weg, den sie ging und noch geht. Mit jedem weiteren Abschnitt merkt man, dass die Texte aktueller werden und erlebt ihren eigenen, vor allem psychischen Fortschritt mit. Am Ende weiß sie, dass sie Liebe und Glück erfahren darf, das sie sich begehrenswert fühlen darf und das es wichtig ist, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, ganz unabhängig davon, wie viel man wiegt. Doch sie sagt auch klar, sie ist noch lange nicht am Ende ihres „Heilungsprozesses“ und wird vieles auch nie zurücklassen können.

Ein Buch, das keine leichte Kost ist, das aufrüttelt, schonungslos und gleichzeitig wahnsinnig informativ ist. Sie schafft ein völlig neues Bewusstsein dafür, wie man als stark übergewichtiger Mensch in einer von Schönheitsidealen dominierten Welt lebt und rüttelt auf. Sie wird tagtäglich mit schwierigen Situationen und unmöglichen Reaktionen konfrontiert und teilt diese mit uns. Und zeigt damit auch – es muss Schluss sein, Schluss mit unrealistischen Körper-Idealen und dem Mythos, dünn sein würde glücklich und gesund sein bedeuten. Definitiv eine Empfehlung von mir.

Infos zum Buch
Publisher: BTB
Erscheinungsjahr: 2019
Seiten: 320
Format: Hardcover

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