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Niemand weiß, dass du hier bist von Nicoletta Giampietro

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar – Das Buch wurde mir vom Piper Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dennoch spiegelt sie meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Der 12-jährige Lorenzo wird von seiner Mutter nach Siena geschickt. Hier soll er einigermaßen sicher unterkommen, bis der Krieg vorüber ist. Denn die Toskana gilt als sicher. Hier lernt Lorenzo Franco kennen. Beide Träumen vom glorreichen Triumph des faschistischen Italiens. Doch dann begegnet er Daniele und realisiert mehr und mehr, was um ihn herum eigentlich passiert. Das bringt seine Überzeugungen ins Wanken – denn, Daniele ist Jude. Und dann wird die Stadt schließlich von den Deutschen besetzt und er und seine Eltern schweben in großer Gefahr. Lorenzo trifft eine folgenreiche Entscheidung.

Zweiter Weltkrieg – aus Sicht eines 12 Jahre alten Jungen in Italien

Lorenzo wird von seiner Mutter zu seiner Tante und seinem Nonno geschickt, als sein Vater, obwohl nicht kriegstauglich, an die Front in Ägypten geschickt wird. Wie Lorenzo glaubt, kämpft er hier mit dem heldenhaften Rommel, dem Wüstenfuchs. Seine Mutter bleibt zurück, weil Sie ihren Mann da rausholen möchte. Doch Lorenzo soll sicher sein und Siena, in der Toskana gelegen, gilt als sicher. Außer etwas Lebensmittelknappheit ist der Krieg hier kaum zu spüren. Zumindest zunächst. Doch der Faschismus und die gottgleiche Verehrung Mussolinis ist auch hier an der Tagesordnung. Lehrer, die sich nicht konform veralten, werden entlassen. Die Töne der faschistischen Lehrer immer härter. Und dann kommen keine jüdischen Kinder mehr zur Schule.

Die Tatsache, wie hier den Kindern diese Ideologien von klein auf eingebläut werden, der Erste Weltkrieg als Heldenkrieg verkauft wird und somit auch heldenhaft ist, was Italien und der Faschismus erreichen wollen, lässt es einen eiskalt über den Rücken laufen. Die Erzählperspektive aus Sicht eines 12-Jährigen ist dass, was das Buch am meisten unter die Haut gehen lässt. Wir fragen uns oft, wie Leute einer solch kranken Ideologie verfallen können – wenn Kindern aber auf solche Art und Weise der Faschismus und der Krieg nahegebracht werden, braucht man sich kaum wundern. Doch je mehr der Krieg und die Gräueltaten, die mit ihm einhergingen, an Siena rückt, desto mehr merken wir – auch hier gibt es den Widerstand, und auch Lorenzo zweifelt durch Daniele und dem netten jüdischen Doktor immer mehr an dem, was ihnen da erzählt wird.

Die Niederlagen Häufen sich, die Deutschen besetzten schließlich auch Siena und Umgebung. Und Danieles Familie und die anderen Juden, sind trotz deren teilweise gutgläubigem Denken, dass die Stadt schon zusammenhält, in Lebensgefahr. Bis die Deutschen schließlich zuschlagen. Doch Daniele kann flüchten und wird fortan von Lorenzo in seiner Dachkammer versteckt. Niemand darf wissen, dass er dort ist und es ist noch eine lange, gefährliche Zeit zu überstehen, bis im Juli 1944 schließlich auch Siena befreit wird.

Dicht, atmosphärisch und Geschichtsstunde in einem

Nicolette Giampietro bringt uns die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs aus Sicht eines Jungen näher und vor allem auch die Entwicklungen in Italien und Nordafrika – mal eine andere Perspektive, als die, die man sonst so liest. Auch wenn es für mich nicht das erste Buch war, dass sich mit den Kriegsgeschehnissen außerhalb Deutschlands befasst, so waren mir doch einige Entwicklungen in Italien noch unbekannt. „Niemand weiß, dass du hier bist“ ist sehr atmosphärisch und dicht geschrieben. Zunächst ist der Schwerpunkt noch auf Lorenzo und darauf, wie er sich in Siena einlebt und wie er die Euphorie des Krieges und des Faschismus mit aufsaugt. Anschließend fokussiert sich das Buch mehr und mehr auf die Wandlung Lorenzos und auf die Geschichte rund um ihn und Daniele.

Bis in einem dritten Teil schließlich auch weitere Kriegsgeschehnisse und Entwicklungen auftauchen, wie die Widerstände der Partisanen, inklusive grauenhafter, unvorstellbarer Vergeltungsaktionen der Deutschen, Folter, Vergewaltigung – es wird fast etwas viel. Hier hätte weniger definitiv nicht geschadet, denn Kriegsverbrechen, Partisanenkämpfe und deren Vergeltungsaktionen sind alleine schon so komplex, dass sie eine eigene Geschichte einnehmen können. Es verliert eine glaubwürdige Entwicklung rund um die Geschichte des 12-jährigen Lorenzo dadurch etwas aus den Augen.

Fazit – Highlight/Wichtige Lektüre

Trotz dieses kleinen Minuspunktes, weil Nicoelette Giampietro am Ende etwas zu viel in die Geschichte einbaut, ist „Niemand weiß, dass du hier bist“ ein klares Highlight und definitiv eine wichtige Lektüre für mich. Es gelingt ihr einnehmend, dicht und Gänsehaut bereitend die Entwicklungen des Zweiten Weltkrieges in Siena aus Sicht eines Jungen darzustellen und auch die Wandlung Lorenzos berührte mich und war für mich glaubhaft und gelungen umgesetzt. Ein Stück Geschichte – denn, auch wenn die Geschichte an sich fiktiv ist, ist sie doch in einen wahren, historischen Kontext und ein reales Setting eingeordnet. Ganz klare Leseempfehlung von mir – aber bereitet euch auf eine ernste, auch bedrückende Geschichte vor, bei der man das ein oder andere Mal ganz schön Schlucken muss.

Infos zum Buch
Verlag: Piper Verlag
Erscheinungsdatum: 01.03.2019
Seiten: 416
Genre: Roman
Format: Hardcover

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