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Wie man einen Toaster überlistet von Cory Doctorow

von Franzi S.
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Werbung/Rezensionsexemplar – Das Buch wurde mir vom Heyne Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dennoch spiegelt sie meine eigene und ehrliche Meinung wieder.

Salima hat viele Jahre in Flüchtlingsheimen und Notunterkünften verbracht. Endlich kann Sie in ihre eigenen vier Wände umziehen. Die Wohnung liegt im 34. Stock eines Hochhauses. Ein nagelneues Gebäude – doch damit gehen die Probleme auch los: intelligente Toaster, Geschirrspüler und Waschmaschinen. Und eines Tages gibt erst das eine Gerät, dann das nächste den Geist auf. Der Toaster nimmt nicht einmal mehr das autorisierte Brot an. Selbst die Fahrstühle benachteiligen die ärmeren Mieter der oberen Stockwerke, die als Sozialwohnungen hergegeben werden. Sie fast einen Entschluss – es muss einfach einen Weg gehen, das Ganze zu umgehen und die Haushaltsgeräte wieder frei verfügbar zu machen.

Zukunfts-Szenarien – oder nicht?

Cory Doctorow konnte mich mit „Wie man einen Toaster überlistet“ definitiv überzeugen. Ein schmales Büchlein, mit einem witzigen Titel, das auf den ersten Blick eine unterhaltsame Lektüre zukünftiger Szenarien verspricht. Aber auf den zweiten Blick so viel mehr ist – und so viel näher an der Wirklichkeit, als man erst einmal denkt.

Internet of Things, Urheberrechte – alles auch jetzt schon da und präsent. Jetzt schon haben wir Smartphones, die wir nicht einfach vollkommen an unsere Wünsche anpassen können. Ich kann manche Apps nicht einfach löschen, ich könnte keinen anderen App Store installieren. Es gibt Kühlschränke, über die man sein Essen bestellen kann, aber nur bei einem bestimmten Supermarkt. Staubsaugerroboter, die eine Karte deiner Wohnung anlegen und mehr. Eine Waschmaschine, über die du dein Waschmittel bestellst, ein Geschirrspüler, bei dem es ähnlich ist und ein Toaster, über den du bestimmtes Brot kaufst – gar nicht so unwahrscheinlich. Und nun kommt – all diese Geräte lassen aber nur autorisierte Marken bzw. die Eigenmarke zu. Andere Brotsorten verweigert Salimas Toaster beispielsweise. Bis er eines Tages gar nichts mehr macht, wie eine Woche vorher schon der Geschirrspüler. Denn die beiden Firmen, die dahinter stecken, sind pleite. Salima informiert sich – es muss ja schließlich eine Lösung geben.

Neue Geräte? Keine Chance, für sie und die anderen Bewohner der Sozialwohnungen ist das finanziell einfach nicht möglich. Sie mussten die Wohnung so wie sie ist nehmen, mit Geräten, zu denen im Kleingedruckten des Mietvertrages steht, dass sie in keinem Fall verändert werden dürfen. Doch Sie und die anderen müssen ja irgendwie Essen und Waschen. Und so recherchiert Salima im Darknet und finde schnell eine relativ einfache Anleitung, um die Geräte zu hacken. Das macht sie mit ihren und mit denen von Nachbarn. Doch bald schon gibt es neue Firmen hinter den Marken und die finden es ganz und gar nicht gut, das die Menschen die Geräte manipulieren, ebenso wie der Vermieter. Denn schließlich steckt da ein äußerst gewinnbringendes Lizenzgeschäft dahinter. Und die Software ist ja nun mal geschützt und der Hack daher mit hohen Strafen verbunden. Ein Szenario, das gruselig aber äußerst real ist, wenn auch natürlich hier überspitzt dargestellt.

Das alles verpackt Cory Doctorow in einem super flüssigen, einfachen Schreibstil und bringt mit Salima eine äußerst sympathische Protagonistin an den Start. Und er schafft es, in diese Grundgeschichte, die schon wichtig und aktuell ist, eine noch wichtigere und aktuellere Geschichte ganz nebenbei einzuweben. Den Salima kommt ursprünglich aus Libyen. Sie hat eine lange und gefährliche Flucht bis in die USA und viele, gefährliche und anstrengende Jahre in Flüchtlingsunterkünften hinter sich. Von dort kommt sie in eine Übergangsunterkunft, die genauso unter der Menschenwürde ist und dann gemeinsam mit Nadifa in besagte Sozialwohnungen. Doch auch hier werden sie und die anderen behandelt wie etwas, das kaum des Lebens wert ist – und man lässt sie schon mit den Aufzügen spüren, dass sie in den Augen der „Reichen“ weniger wert sind. Denn die haben auf beiden Seiten Türen und bevorzugen immer die Reichen. Die in schicken, blitzenden, Security-überwachten Bereichen aussteigen. Solange ein Reicher im Aufzug ist, stoppt er nicht in den Etagen der Sozialwohnungen. So nebenbei er Salimas Lebensgeschichte auch einfließen lässt, so wichtig ist sie dennoch, den tagtäglich geht es so so vielen Menschen da draußen wie Salima und Nadifa. Gänsehaut pur!

Fazit – Gute Unterhaltung/Lektüre & wichtige Lektüre

Auch dieses Buch schafft es durch diese scheinbare Nebengeschichte in die Bewertungskategorie „wichtige Lektüre“ aber auch die Hauptgeschichte verdient es, hier zu landen. Und auch im gesamten landet Cory Doctorows „Wie man einen Toaster überlistet“ in meiner Kategorie „Gute Unterhaltung/Lektüre“ – zum Highlight fehlte zwar der letzte Funken, dennoch konnte er mich mit klaren, flüssigen Schreibstil, tollen Protagonisten und einem gruseligen aber sehr realistischen Szenario überzeugen und spricht neben Internet of Things und Urheberrecht direkt noch die Flüchtlingskrise und Integration mit an. Klare Leseempfehlung von mir.

Infos zum Buch
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 8.4.2019
Seiten: 176
Genre: Novelle
Format: Hardcover

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