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Abwesenheitsnotiz – Lisa Owens

von Franzi S.
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RezensionsexemplarDas Buch wurde mir von NetGalley/dem Piper Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Die Rezension spiegelt dennoch meine ehrliche und eigene Meinung wieder.

Claire Flannery weiß, dass sie alleine für ihr Glück verantwortlich ist. Sie ist Mitte zwanzig, hat einen Freund mit dem sie in London lebt und der ziemlich viel arbeitet. Claire selbst hat ihren Job gekündigt, weil der nicht zu ihr gepasst hat. Doch, was passt eigentlich wirklich zu ihr?

Vor lauter Möglichkeiten, weiß sie nicht, was sie mit sich anfangen soll und treibt so vor sich hin. Mal mit, mal gegen den Strom. Ob dieser Selbstfindungstripp gut geht? Ob sie wirklich das findet, was sie so verzweifelt sucht? Oder verliert sich Claire nur immer weiter? Oder ist sie gar die einzig schlaue, während alle anderen in mittelmäßigen Jobs ihre Zeit totschlagen, nur um Geld zum Leben zu haben, aber ohne glücklich zu sein?

Lisa Owens hat ein sehr einfaches, klares Werk geschaffen mit schlichtem Schreibstil und viel Humor. Zwar handelt es sich bei „Abwesenheitsnotiz“ nicht um ein wahnsinnig philosophisches oder tiefgründiges Buch. Doch trotzdem schafft Owens es, den Nerv der Zeit zu treffen und hat mich als Leser unweigerlich zum Nachdenken und Reflektieren gebracht.

Claire ist Mitte zwanzig, machte ein Ausbildung und nahm dann einen der ersten Jobs an, der ihr über den Weg lief, einfach, um etwas zu haben. Doch nun ist sie unzufrieden und kündigt, ohne Aussicht auf etwas neues – ein Schritt, der wie ich finde sehr mutig ist. Ein Schritt, über den vielen in ihrem Familien- und Bekanntenkreis nur den Kopf schütteln können. Vor allem nach mehreren Wochen oder gar Monaten, so ganz ist es nicht klar, fragen sie immer mehr nach, verstehen diesen Selbstfindungstripp immer weniger. Luke, ihr Freund, mit dem sie seit 7 Jahren zusammen ist und der auf dem Weg zum Neurochirurg ist, versucht sie so gut es geht zu unterstützen. Doch auch er bekommt zunehmend Probleme, mit der nicht enden wollenden Suche von Claire. Eine Selbstfindung, die sich zwangsweise auch auf private Fragen nach Familie und Heirat ausdehnt.

Lisa Owens trifft mit dieser Selbstfindungsgeschichte von Claire denke ich einen Nerv. Zumindest bei mir. Ich denke, es geht vielen so, vor allem auch vielen, die Studieren, irgendeinen Studiengang und hinterher da stehen, froh sind, einen ersten Job zu haben. Und dann fangen die Zweifel an – war es das wirklich wert, haben sich die Jahre hinter dem Schreibtisch, das viele Geld wirklich gelohnt, nur um jetzt in diesem Job zu sein? Komme ich da wieder raus, wenn es nicht das richtig ist? Wie würde ich es je schaffen, den Sprung in einen anderen Job zu schaffen, wenn der jetzige nicht der richtig ist, wenn ich gar etwas ganz anderes machen möchte? Wie soll man das nur seinem Umfeld erklären, wenn man jahrelang in eine Ausbildung Zeit und Geld investierte? Von was leben, auf dem Weg, das Richtige zu finden? – Fragen über Fragen, die bestimmt viele von uns schon gequält haben oder gerade beschäftigen. Fragen die in einer Zeit entstehen, in der fast jeder von einem erwartet, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. In einer Zeit, in der man nicht eine Ausbildung macht und den Rest des Lebens für einen Betrieb arbeitet, ja eher belächelt wird, wenn man es so machen will, wie damals noch die Großeltern/Eltern.

Owens schafft es mit, mit Claires Gedanken, ihrem losem Herumtreiben, alle diese Fragen zu wecken. Man ist eben doch nicht alleine damit, es geht vielen so. Man solle sich nur trauen, etwas daraus zu machen. Wir haben noch Jahrzehnte voller Arbeit vor uns, es sollte also nie verkehrt sein und schon gar nicht ist es irgendwann zu spät, den für sich richtigen Weg zu suchen. Das eigene Glück ist schließlich wichtiger als das, was alle anderen denken.

Die Geschichte selbst hat zwar kaum Höhepunkte, nichts, worauf sich das ganze zuspitzt. Doch sie unterhielt mich, brachte mich zum Nachdenken, zeigt, dass man sich einfach mal trauen muss. Sie war humorvoll und auf ihre schlichte weiße doch eingehend. Allerdings bin ich vom Ende etwas enttäuscht. Es war vollkommen unrund, abrupt, als wäre ihr einfach nichts mehr eingefallen.

Insgesamt dennoch eine lesenswertes, unterhaltsames Buch, mit dem Lisa Owens einen Nerv bei mir getroffen hat.

Infos zum Buch:

Infos zum Buch
Autorin: Lisa Owens Verlag: Piper Erscheinungsjahr: 2016 Seiten: 288 Format: Gebunden Genre: Roman Preis: [D] 18,00 €; [A] 18,50 € ISBN: 978-3-492-05747-9

Weitere Rezensionen:

Schon halb elf

Miss Booknerd – neu Buchblog.xyz

Gedankenglas

Die Autorin:

Lisa Owens wurde 1985 geboren und lebt in London. Aufgewachsen ist sie in Glasgow und Hertfordshire. Sie besuchte das renommierte Emmanuel College in Cambridge. Danach arbeitete sie sechs Jahre lang in Literaturagenturen und Verlagen. „Abwesenheitsnotiz“ ist ihr Debütroman, dank dem sie als interessante junge Stimme Englands gilt.

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Hallo Franzi,
lieben Dank für deine Verlinkung! Mir erging es wie dir; insgesamt gefällt es mir sehr gut, aber das Ende lässt einen dann doch mit einem Fragezeichen zurück – schade. Aber das nehme ich anhand des restlichen Texts in Kauf. 😉
Viele Grüße!

Hallo!
Danke fürs Verlinken. Ja, mit dem Ende hast du Recht. Das ist wirklich total abrupt und unrund, wie du das so schön formuliert hast! Trotzdem hat das Buch etwa Schönes an sich und gefiel mir ganz gut!
LG Tabea aka Miss Booknerd

Hallo Franzi!

Ich kann das so nur bestätigen. Mich hat das Buch auch in seiner Kernaussage sehr beschäftigt. Claire ist eine wunderbare Identifikationsfigur. Sie steht so gut für diese Suche nach dem perfekten Job, dem Sich-selbst-und-anderen-nicht-genug-sein. Wie du schon schön einleitest, die Autorin trifft einen Nerv.

Deine Meinung zum Ende teile ich. Das war so plötzlich. So urplötzlich einfach da. Dafür, dass man Claire über so einen langen Zeitraum begleitet, hat das einfach wenig Sinn für mich gemacht.

Tolle Rezension!

Sonnige Grüße
Rebecca

Hallo, zunächst vielen Dank für die Verlinkung. 🙂 Mir ging es ähnlich wie dir: Die Fragen und Gedanken, die die Protagonistin umtreiben, beschäftigen auch mich, daher fällt eine Identifikation sehr leicht. Ich habe mich wirklich wiedergefunden: Zum Beispiel bei der Flucht in andere Dinge, aus Angst, am Ende wieder in einem ähnlichen Dilemma zu landen. Achtung Spoiler: Das Ende habe ich gar nicht als so offen und nichtssagend empfunden. Claires größtes Problem war ja das fehlende Verständnis in ihrem Umfeld, weswegen sie niemals offen ihre eigentlichen Sorgen kommuniziert hat. Und so ist das Feedback aus der Umgebung natürlich nicht das,… Weiterlesen »

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