Kafka am Strand von Haruki Murakami (c) BTB

Kafka reißt von zu Hause aus. Er ist 15 Jahre alt. Sein Weg ist gezeichnet von einer schicksalhaften Prophezeiung. Dabei landet er in einer fremden Stadt, wo er Saeki, die geheimnisvolle Leiterin einer kleinen Bibliothek kennenlernt. Er lauscht ihren Geschichten und verliebt sich in diese faszinierende, viel ältere Frau.

Und dann ist da noch Nakata, ein älterer Mann, der die Sprache der Katzen versteht. Deshalb folgt er ihren Spuren und findet verlorene Katzen. Spuren, die ihm den Weg in eine andere Welt zeigen. Ist es ein Traum? Und wo endet diese rätselhafte Reise?

Kafka am Strand von Haruki Murakami (c) BTB

Kafka am Strand von Haruki Murakami (c) BTB

Murakami hat eine absurde Geschichte geschaffen, die fantastische, surreale, reale und auch verstörende Elemente enthält. Ja, mit einer ganz gewissen Sache hat er mich nachhaltig verstört, ich habe heute noch Albträume davon. Dennoch hat er mich total fasziniert und gefangen, es ist einfach so absurd, dass es schon wieder richtig richtig gut ist. Denn Murakami schreibt auch sehr einnehmend und poetisch, irgendwie wild und doch ruhig. In jedem Fall wunderbar stimmig. Eine Geschichte die unter die Haut geht, die man erst mal eine Weile verdauen muss, die ich auch Wochen danach noch nicht ganz begreife.

„Man braucht nur das Lächeln auf ihren Lippen zu beobachten, um den schönen Pfad zu ihrem glücklichen Herzen folgen zu können, so sichtbar wie die Lichtspur, die ein Glühwürmchen im Dunkeln nach sich zieht.“ (S. 30)

Murakami bringt verschiedene Erzählstränge und Perspektiven geschickt in einen Zusammenhang, – die Reise von Kafka, der Geschichte damals, im Zweiten Weltkrieg und dem hier und jetzt von Nakata. Wobei mich die Aufklärung der Sache aus den Protokollen im Zweiten Weltkrieg brennend interessierte. Dahingehend müssen wir aber auch zum Endes des Buches im Dunkeln tappen. Denn der Hauptbestandteil dieser einzigartigen Geschichte ist der um Kafka, gefolgt von Nakata. Später, in einer Welt, von der man nicht weiß ob sie real ist oder nicht, kreuzen sich auch deren Wege auf verwirrende Weise.

„Das spezifische Gewicht der Zeit lastet auf dir wie ein alter, ambivalenter Traum. Unablässig bist du in Bewegung, um der Zeit zu entrinnen. Doch auch wenn du bis an den Rand der Welt läufst, wirst du ihr nicht entkommen. Und dennoch kannst du nicht anders, als bis an den Rand der Welt zu gehen.“ (S. 636)

Trotz der offenen Fragen und ungelösten Rätsel hat mich „Kafka am Strand“ beeindruckt und auch berührt. Denn es war nicht nur eine Art modernes Pop-Kultur-Märchen mit starken, japanischen Einflüssen. Sondern auch eine Geschichte zwischen Schicksal, Vorherbestimmung und der eigenen freie Entscheidung sein Leben so zu führen, wie man es möchte. Darum, Träume zu verwirklichen zwischen all den Erwartungen und Konventionen.

Eine Geschichte, die mehr Fragen bringt als Antworten, verwirrend, verstörend und gerade deswegen ganz besonders und faszinierend. Ich bind nachhaltig beeindruckt, von der Vielschichtigkeit, dem poetischen, tiefgehenden Schreibstil und den faszinierenden Protagonisten.

Zwar habe ich noch immer keine Ahnung, was genau das jetzt alles bedeuten soll. Ich denke, Kafka am Strand ist eine Geschichte in die jeder irgendetwas anders interpretieren kann, in der jeder andere Schwerpunkt sieht. Um das zu verstehen, bleibt euch nur eins – traut euch an Murakami und lest dieses verrückte, einzigartige Werk.

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Infos zum Buch

Titel: Kafka am Strand

Autor:  Haruki Murakami

Erscheinungsjahr: 2006

Verlag: BTB

Seiten: 636

Format: Taschenbuch

Preis: [D] 10,00 €

ISBN 978-3-442-73323-1

Autor:
Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto geboren. Er lebte längere Zeit in Europa und den USA. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungen, ist international gefeiert und wurde mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnet. Zudem hat er die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.