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[Rezension] Das unerhörte Leben des Alex Woods – Gawin Extence

von Franzi S.
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Headerbild: Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat – Gawin Extence (c) Limes

Alex Woods, 10 Jahre alt, hatte einen nicht ganz konventionellen Start ins Leben. Mit seiner hellseherisch begabten Mutter macht er sich bei seinen Mitschülerin auch nicht sonderlich beliebt. Alex weiß außerdem, dass selbst die unwahrscheinlichsten Ereignisse eintreten können und er trägt Narben, die das beweisen. Aber er weiß noch nicht, das der alte, übellaunige, zurückgezogen lebende Mr. Peterson ein Freund, wenn auch ein ungleicher, werden wird. Einer, der im sagt, dass man nur ein einziges Leben hat und deshalb immer die bestmöglichen Entscheidungen treffen muss. Das ist auch der Grund, warum sich Alex einigermaßen sicher ist, das Richtige getan zu haben, als er fünf Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird.

„Es sah ganz so aus, als ob ich in einem überdimensionalen Haufen Scheiße hockte.“ (S. 8)


Schreibstil

Das Buch ist aus der Perspektive von Alex geschrieben, Lex, wie in seine Mutter nennt. Er erzählt uns seine Geschichte, in seiner schlichten, jugendlichen Sprache. Dem Buch fehlt es dadurch aber nicht an Tiefe und Emotionen. Besonders gefallen hat mir der typische, trockene, englische Humor, der das ernste Thema, das sich im Buch erst recht spät einstellt, humorvoll und dennoch ernsthaft erzählt.

„Ich will Ihnen meine Geschichte erzählen, die ganze Geschichte, in der Art und Weise, wie sei meiner Meinung nach erzählt werden sollte.“ (S. 16)

Charaktere

Der wohl wichtigste Protagonist ist Alex Woods, zu Beginn 10 Jahre alt, als er von einem Meteoriten am Kopf getroffen wird, ins Komma fällt und anschließend an Temporallappenepilepsie leidet.

„Dein Meteorit wiegt etwas mehr als zwei Komma drei Kilogramm und flog mit einer Geschwindigkeit von fast dreihundertzwanzig Kilometern pro Stunde, als er auf euer Haus prallte. Es ist ein absolutes Wunder, Alex, dass du noch hier bist.“ (S. 29)

Alex achtet daher auf seine Gesundheit und meditiert regelmäßig. Er ist alles andere als ein typischer Junge. Durch seinen Unfall ist er, was das Grundschulwissen anbelangt, total zurückgeblieben, kennt sich dafür hervorragend mit Meteoriten und allem was dazugehört und dem Gehirn aus. Deswegen will er auch entweder Neurologe oder Astrophysiker werden. Er ist skurril, neugierig, ein kleiner Klugscheißer aber er hat ein großes Herz und versucht immer das Richtige zu tun, egal was andere davon halten.

Unser zweiter wichtiger Protagonist ist Mr. Isaac Peterson. Er ist Kriegsveterinär, hat seine Frau schon vor ein paar Jahren verloren und keine Kinder. Ein typischer, alleinstehender, älterer Zeitgenosse, der immer knurrig und schlecht gelaunt ist. Tief drinnen hat er aber ein ebenso großes Herz wie Alex und wird ein guter Freund und eine wichtige Bezugsperson für ihn.

Geschichte

Von der Geschichte selbst möchte ich nicht mehr verraten, als das was bei den Charakteren und der Inhaltsangabe schon steht. Denn alles andere würde schon viel zu viel preisgeben. Alex erzählt uns mit seinem trockenen, britischen Humor und vor allem den von Mr. Peterson, seine Geschichte. Er ist oft naiv aber auch besserwisserisch, mal erzählt er, als wäre er noch ein kleines Kind, dann wieder, als wäre er viel älter und erwachsener, als er es in Wahrheit ist. Ziemlich spät im Buch stößt man als Leser auf das eigentliche Thema des Buches, das sehr ernst und in der Gesellschaft kontrovers diskutiert ist. Dennoch schafft es Gawin Extence das Buch stets locker und leicht zu halten und brachte mich gleichzeitig zum Nachdenken.

„Ich dachte an Architektur und an die wunderschönen Dinge, die Menschen erschaffen hatten. ich dachte an London und das Naturhistorische Museum, an Charles Darwin und an die Theorie von Allem. Ich dachte an die Zukunft.“ (S, 311)


Zwischenzeitlich fand ich das Buch etwas lang, was wohl besonders daran lag, dass das für mich wichtigste Thema des Buches erst so spät aufkam und Alex beim Erzählen auch gerne mal abschweift. Alles in allem war das Buch aber humorvoll mit sehr starken Charakteren, die, wie ich finde, das Besondere an der Geschichte sind. Gespickt mit englischem Humor konnte mich das Buch nicht nur zum Nachdenken sondern auch zum Schmunzeln bringen und erhält vier von fünf Herzen.

Infos zum Buch
Titel: Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat Autor: Gawin Extence Erscheinungsjahr: 2014 Verlag: Limes Seiten: 316 Format: ebook Originaltitel: Alex Woods VS The Universe

Autor:

Gawin Extence wurde 1982 geboren und wuchs in der englischen Grafschaft Lincolnshire auf. Dort verbrachte er seine Kindheit in einem kleinen Dorf namens Swineshead und machte eine kurze, aber glanzvolle Karriere als Schachspieler. Er nahm an zahlreichen nationalen Turnieren teil und reiste sogar nach Moskau und St. Petersburg. Dort maß er sich mit den besten jungen Schachspielern Russlands und gewann nur ein Spiel. „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ ist sein Debütroman und war in Großbritannien bereits ein großer Erfolg.

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Huhu,
eine schöne Rezi, die genau das wiedergibt, was auch ich empfunden habe. Die erste Hälfte fand ich zum Teil sehr langatmig – zum Glück aber habe ich durchgehalten, denn die zweite Hälfte fand ich super. Das liegt vor allem aber an dem hier behandelten Thema. Ich wußte nicht, was da noch auf mich zukommt – umso überraschter war ich von dieser Wendung, die ich niemals erahnt hätte. Das Buch besticht wirklich durch die Charaktere und die sensible Behandlung eines schwierigen Themas.
LG Sabine

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