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Rezensionen/Reviews

[Rezension] Die Magie der kleinen Dinge - Jessie Burton

20. April 2015

Die Magie der kleinen Dinge, Jessie Burton, Buchcover (c) Limes

inhalt3

Autorin:Jessie Burton

Verlag: Limes - Random House

Erscheinungsjahr: 2015

Seiten: 465

Format: Hardcover

Originaltitel: The Miniaturist

Originalverlag: Picador

Preis: [D] 19,99 €, [A] 20,60 €, [CH] 26,90 €

Nella, 18 Jahre alt, wird mit dem Amsterdamer Johannes Brandt verheiratet. Brandt ist ein reicher und weithin bekannter Handelsmann. Als sie in dem Herrenhaus in der Herengracht in Amsterdam eintrifft, schlägt ihr nur kalte Abneigung entgegen. Nur das Hochzeitsgeschenk - ein Puppenhaus als exakte Nachbildung des Herrenhauses - spendet ihr etwas Trost. Sie bestellt bei einem Miniaturist Dinge für das Puppenhaus. Doch schon bald nimmt die Geschichte einen mysteriösen Lauf.

Meinung

Schreibstil

Der Schreibstil von Jessi Burton konnte mich leider nicht sofort mitreisen. Ich hatte lange Schwierigkeiten, in die Geschichte zu finden. Es passiert sehr lange kaum etwas, die Handlung schleppt sich und dadurch wirkte der Schreibstil für mich etwas steif. Das Holländisch zwischenrein, die Zitate aus der Bibel und die Art zu Reden, wie es im Jahre 1686 üblich war, sind zwar gut getroffen und geben dem Buch durchaus einen Reiz. Sie sorgten aber dafür, dass sich das ganze noch mehr schleppte. Im Laufe des Buches ist es dann aber noch besser und flüssiger geworden. Auch die Übergänge zwischen manchen Kapiteln und Zusammenhänge waren für mein Befinden teilweise etwas holprig, zumindest im ersten Teil des Buches.

„Als Nella den Mantel fester um sich zieht und auf ihr Zimmer zusteuert, bewegt sich oben an der Treppe ein Schatten. Die Rückseite eines Fußes verschwindet mit angehobener Ferse in der Dunkelheit.“ (S, 215)

Sätze wie dieser sorgten vor allem im hinteren Teil des Buches für etwas mehr Spannung und brachten etwas Mysteriöses hinein. Aber leider ist es dadurch gedämpft, dass viele nicht notwendige Ausschmückungen dabei waren. Kurz und knackig, das sich ein Schatten bewegt, hätte gereicht und wäre für mich spannender.

Die Magie der kleinen Dinge, Jessie Burton (c) Limes

Charaktere und Geschichte

„Aber die Miniaturistin sieht dich - sie sieht uns alle.“ (S. 205)

Nella ist arm und lebt in einem Bauerndorf. Mit 18 wird sie an den reichen Händler Brandt verheiratet. Sie wird mit der kalten Schulter im Herrenhaus aufgenommen und führt ein einsames, tristes Leben. Ihr Leben als Ehefrau, hatte sie sich ganz anders vorgestellt. Johannes ist ständig unterwegs wegen seinen Geschäften, seine Schwester Marin ist eiskalt und launisch. Nur mit dem Diener und dem Dienstmädchen, Otto und Cornelia, wird Nella zunächst warm. Das Puppenhaus, dass sie von Johannes als Hochzeitsgeschenk bekommt, sorgt für etwas Trost. Bis sie das erste Mal bei einem Miniaturist bestellt. Von da an, bekommt sie immer wieder Miniaturen, die sie nicht bestellt hatte, und die Hinweise zu ihrer Familie und deren Schicksal verbergen. Nella beginnt zu erahnen, dass die Brandts nicht so perfekt sind, wie es scheint und gerät immer mehr auf die Spur der dunklen Geheimnisse.

Von der Idee her hat die Geschichte also durchaus Potenzial und klingt sehr interessant. Daher bin ich mit der Erwartung an einen packenden Roman, voller mysteriöser Vorkommnisse herangegangen. Leider hat sich die Handlung mehr als 100 Seiten lang sehr geschleppt, es passierte so gut wie nichts. Später ging es dann um so schneller voran und eine neue Entdeckung und ein aufgedecktes Geheimnis jagt das andere. Wäre es besser verteilt gewesen, hätte das Buch sein Potenzial viel mehr ausgeschöpft. Zudem sind für mich die Handlungsstränge nicht alle perfekt zusammengelaufen oder sind einfach nicht richtig aufgeklärt worden. So erfährt man nie, was denn jetzt die Absichten der Miniaturistin waren, was Nella sich diesbezüglich überlegt hat und wie die Miniaturistin vorgegangen ist. Stattdessen geschehen viele andere Dinge. Es war ein bisschen wie zwei Geschichten, die nicht richtig rund zusammengeführt sind.

Mit den Charakteren konnte mich Jessie Burton aber definitiv überzeugen. Zwar finde ich, kann ich keinen wirklich als sympathisch beschreiben, aber alle sind stark und facettenreich gezeichnet. Ich mag es immer sehr, wenn die Protagonisten nicht einfach gut oder schlecht sind, sondern beides ein bisschen. Denn jeder Mensch hat seine Geheimnisse und sein Päckchen zu tragen. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten. Das hat Jessie Burton wirklich gut umgesetzt und so authentische, starke Charaktere geschaffen, die sehr vielseitig und unterschiedlich sind.

Die Magie der kleinen Dinge von Jessi Burton (c) Limes

Fazit

Ein Buch, bei dem ich mit hohen Erwartungen ans Lesen gegangen bin, dass mich aber nicht ganz überzeugen konnte. Ich habe lange gebraucht, in das Buch zu finden. Die Handlung lief lange sehr schleppend und ereignislos. Erst in der Mitte, oder gar weiter hinten, nahm die Geschichte Fahrt auf. Hier jagte dann ein Ereignis und eine Entdeckung die andere und konnte mich doch noch packen. Die Charaktere konnten mich alle überzeugen. Leider fühlte es sich für mich an, als hätte Jessie Burton zwei verschiedene Geschichten verbinden wollen, was aber nicht ganz rund war. Mir fehlt auch eine Aufklärung rund um die Miniaturistin. Da das Buch aber nach den Anlaufschwierigkeiten noch spannender und ereignisreicher wurde und die Charaktere stark und facettenreich waren, gibt es drei Herzen.

3herzen

Autor:

Jessie Burton wurde 1982 geboren und studiere an der Oxford University und an der Central School of Speech and Drama. Sie lebt in London und arbeitet unter anderem als Schauspielerin. Die Magie der kleinen Dinge ist ihr Debütroman, mit dem sie viele Verlage auf der Welt begeistern konnte. In England eroberte sie sofort die Bestsellerliste. Mehr zu Jessie Burton unter www.jessieburton.co.uk.

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Das unerhörte Leben des Alex Woods - Gawin Extence

15. Februar 2015

 

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat - Gawin Extence (c) Limes

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat - Gawin Extence (c) Limes

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Alex Woods, 10 Jahre alt, hatte einen nicht ganz konventionellen Start ins Leben. Mit seiner hellseherisch begabten Mutter macht er sich bei seinen Mitschülerin auch nicht sonderlich beliebt. Alex weiß außerdem, dass selbst die unwahrscheinlichsten Ereignisse eintreten können und er trägt Narben, die das beweisen. Aber er weiß noch nicht, das der alte, übellaunige, zurückgezogen lebende Mr. Peterson ein Freund, wenn auch ein ungleicher, werden wird. Einer, der im sagt, dass man nur ein einziges Leben hat und deshalb immer die bestmöglichen Entscheidungen treffen muss. Das ist auch der Grund, warum sich Alex einigermaßen sicher ist, das Richtige getan zu haben, als er fünf Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird.

„Es sah ganz so aus, als ob ich in einem überdimensionalen Haufen Scheiße hockte.“ (S. 8)

Meinung

Schreibstil

Das Buch ist aus der Perspektive von Alex geschrieben, Lex, wie in seine Mutter nennt. Er erzählt uns seine Geschichte, in seiner schlichten, jugendlichen Sprache. Dem Buch fehlt es dadurch aber nicht an Tiefe und Emotionen. Besonders gefallen hat mir der typische, trockene, englische Humor, der das ernste Thema, das sich im Buch erst recht spät einstellt, humorvoll und dennoch ernsthaft erzählt.

„Ich will Ihnen meine Geschichte erzählen, die ganze Geschichte, in der Art und Weise, wie sei meiner Meinung nach erzählt werden sollte.“ (S. 16)

Charaktere

Der wohl wichtigste Protagonist ist Alex Woods, zu Beginn 10 Jahre alt, als er von einem Meteoriten am Kopf getroffen wird, ins Komma fällt und anschließend an Temporallappenepilepsie leidet.

„Dein Meteorit wiegt etwas mehr als zwei Komma drei Kilogramm und flog mit einer Geschwindigkeit von fast dreihundertzwanzig Kilometern pro Stunde, als er auf euer Haus prallte. Es ist ein absolutes Wunder, Alex, dass du noch hier bist.“ (S. 29)

Alex achtet daher auf seine Gesundheit und meditiert regelmäßig. Er ist alles andere als ein typischer Junge. Durch seinen Unfall ist er, was das Grundschulwissen anbelangt, total zurückgeblieben, kennt sich dafür hervorragend mit Meteoriten und allem was dazugehört und dem Gehirn aus. Deswegen will er auch entweder Neurologe oder Astrophysiker werden. Er ist skurril, neugierig, ein kleiner Klugscheißer aber er hat ein großes Herz und versucht immer das Richtige zu tun, egal was andere davon halten.

Unser zweiter wichtiger Protagonist ist Mr. Isaac Peterson. Er ist Kriegsveterinär, hat seine Frau schon vor ein paar Jahren verloren und keine Kinder. Ein typischer, alleinstehender, älterer Zeitgenosse, der immer knurrig und schlecht gelaunt ist. Tief drinnen hat er aber ein ebenso großes Herz wie Alex und wird ein guter Freund und eine wichtige Bezugsperson für ihn.

Geschichte

Von der Geschichte selbst möchte ich nicht mehr verraten, als das was bei den Charakteren und der Inhaltsangabe schon steht. Denn alles andere würde schon viel zu viel preisgeben. Alex erzählt uns mit seinem trockenen, britischen Humor und vor allem den von Mr. Peterson, seine Geschichte. Er ist oft naiv aber auch besserwisserisch, mal erzählt er, als wäre er noch ein kleines Kind, dann wieder, als wäre er viel älter und erwachsener, als er es in Wahrheit ist. Ziemlich spät im Buch stößt man als Leser auf das eigentliche Thema des Buches, das sehr ernst und in der Gesellschaft kontrovers diskutiert ist. Dennoch schafft es Gawin Extence das Buch stets locker und leicht zu halten und brachte mich gleichzeitig zum Nachdenken.

„Ich dachte an Architektur und an die wunderschönen Dinge, die Menschen erschaffen hatten. ich dachte an London und das Naturhistorische Museum, an Charles Darwin und an die Theorie von Allem. Ich dachte an die Zukunft.“ (S, 311)

Fazit

Zwischenzeitlich fand ich das Buch etwas lang, was wohl besonders daran lag, dass das für mich wichtigste Thema des Buches erst so spät aufkam und Alex beim Erzählen auch gerne mal abschweift. Alles in allem war das Buch aber humorvoll mit sehr starken Charakteren, die, wie ich finde, das Besondere an der Geschichte sind. Gespickt mit englischem Humor konnte mich das Buch nicht nur zum Nachdenken sondern auch zum Schmunzeln bringen und erhält vier von fünf Herzen.

4herzen

Autor:

Gawin Extence wurde 1982 geboren und wuchs in der englischen Grafschaft Lincolnshire auf. Dort verbrachte er seine Kindheit in einem kleinen Dorf namens Swineshead und machte eine kurze, aber glanzvolle Karriere als Schachspieler. Er nahm an zahlreichen nationalen Turnieren teil und reiste sogar nach Moskau und St. Petersburg. Dort maß er sich mit den besten jungen Schachspielern Russlands und gewann nur ein Spiel. „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ ist sein Debütroman und war in Großbritannien bereits ein großer Erfolg.

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