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Rezensionen/Reviews

[Rezension] Die Magie der kleinen Dinge - Jessie Burton

20. April 2015

Die Magie der kleinen Dinge, Jessie Burton, Buchcover (c) Limes

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Autorin:Jessie Burton

Verlag: Limes - Random House

Erscheinungsjahr: 2015

Seiten: 465

Format: Hardcover

Originaltitel: The Miniaturist

Originalverlag: Picador

Preis: [D] 19,99 €, [A] 20,60 €, [CH] 26,90 €

Nella, 18 Jahre alt, wird mit dem Amsterdamer Johannes Brandt verheiratet. Brandt ist ein reicher und weithin bekannter Handelsmann. Als sie in dem Herrenhaus in der Herengracht in Amsterdam eintrifft, schlägt ihr nur kalte Abneigung entgegen. Nur das Hochzeitsgeschenk - ein Puppenhaus als exakte Nachbildung des Herrenhauses - spendet ihr etwas Trost. Sie bestellt bei einem Miniaturist Dinge für das Puppenhaus. Doch schon bald nimmt die Geschichte einen mysteriösen Lauf.

Meinung

Schreibstil

Der Schreibstil von Jessi Burton konnte mich leider nicht sofort mitreisen. Ich hatte lange Schwierigkeiten, in die Geschichte zu finden. Es passiert sehr lange kaum etwas, die Handlung schleppt sich und dadurch wirkte der Schreibstil für mich etwas steif. Das Holländisch zwischenrein, die Zitate aus der Bibel und die Art zu Reden, wie es im Jahre 1686 üblich war, sind zwar gut getroffen und geben dem Buch durchaus einen Reiz. Sie sorgten aber dafür, dass sich das ganze noch mehr schleppte. Im Laufe des Buches ist es dann aber noch besser und flüssiger geworden. Auch die Übergänge zwischen manchen Kapiteln und Zusammenhänge waren für mein Befinden teilweise etwas holprig, zumindest im ersten Teil des Buches.

„Als Nella den Mantel fester um sich zieht und auf ihr Zimmer zusteuert, bewegt sich oben an der Treppe ein Schatten. Die Rückseite eines Fußes verschwindet mit angehobener Ferse in der Dunkelheit.“ (S, 215)

Sätze wie dieser sorgten vor allem im hinteren Teil des Buches für etwas mehr Spannung und brachten etwas Mysteriöses hinein. Aber leider ist es dadurch gedämpft, dass viele nicht notwendige Ausschmückungen dabei waren. Kurz und knackig, das sich ein Schatten bewegt, hätte gereicht und wäre für mich spannender.

Charaktere und Geschichte

„Aber die Miniaturistin sieht dich - sie sieht uns alle.“ (S. 205)

Nella ist arm und lebt in einem Bauerndorf. Mit 18 wird sie an den reichen Händler Brandt verheiratet. Sie wird mit der kalten Schulter im Herrenhaus aufgenommen und führt ein einsames, tristes Leben. Ihr Leben als Ehefrau, hatte sie sich ganz anders vorgestellt. Johannes ist ständig unterwegs wegen seinen Geschäften, seine Schwester Marin ist eiskalt und launisch. Nur mit dem Diener und dem Dienstmädchen, Otto und Cornelia, wird Nella zunächst warm. Das Puppenhaus, dass sie von Johannes als Hochzeitsgeschenk bekommt, sorgt für etwas Trost. Bis sie das erste Mal bei einem Miniaturist bestellt. Von da an, bekommt sie immer wieder Miniaturen, die sie nicht bestellt hatte, und die Hinweise zu ihrer Familie und deren Schicksal verbergen. Nella beginnt zu erahnen, dass die Brandts nicht so perfekt sind, wie es scheint und gerät immer mehr auf die Spur der dunklen Geheimnisse.

Von der Idee her hat die Geschichte also durchaus Potenzial und klingt sehr interessant. Daher bin ich mit der Erwartung an einen packenden Roman, voller mysteriöser Vorkommnisse herangegangen. Leider hat sich die Handlung mehr als 100 Seiten lang sehr geschleppt, es passierte so gut wie nichts. Später ging es dann um so schneller voran und eine neue Entdeckung und ein aufgedecktes Geheimnis jagt das andere. Wäre es besser verteilt gewesen, hätte das Buch sein Potenzial viel mehr ausgeschöpft. Zudem sind für mich die Handlungsstränge nicht alle perfekt zusammengelaufen oder sind einfach nicht richtig aufgeklärt worden. So erfährt man nie, was denn jetzt die Absichten der Miniaturistin waren, was Nella sich diesbezüglich überlegt hat und wie die Miniaturistin vorgegangen ist. Stattdessen geschehen viele andere Dinge. Es war ein bisschen wie zwei Geschichten, die nicht richtig rund zusammengeführt sind.

Mit den Charakteren konnte mich Jessie Burton aber definitiv überzeugen. Zwar finde ich, kann ich keinen wirklich als sympathisch beschreiben, aber alle sind stark und facettenreich gezeichnet. Ich mag es immer sehr, wenn die Protagonisten nicht einfach gut oder schlecht sind, sondern beides ein bisschen. Denn jeder Mensch hat seine Geheimnisse und sein Päckchen zu tragen. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten. Das hat Jessie Burton wirklich gut umgesetzt und so authentische, starke Charaktere geschaffen, die sehr vielseitig und unterschiedlich sind.

Die Magie der kleinen Dinge von Jessi Burton (c) Limes

Fazit

Ein Buch, bei dem ich mit hohen Erwartungen ans Lesen gegangen bin, dass mich aber nicht ganz überzeugen konnte. Ich habe lange gebraucht, in das Buch zu finden. Die Handlung lief lange sehr schleppend und ereignislos. Erst in der Mitte, oder gar weiter hinten, nahm die Geschichte Fahrt auf. Hier jagte dann ein Ereignis und eine Entdeckung die andere und konnte mich doch noch packen. Die Charaktere konnten mich alle überzeugen. Leider fühlte es sich für mich an, als hätte Jessie Burton zwei verschiedene Geschichten verbinden wollen, was aber nicht ganz rund war. Mir fehlt auch eine Aufklärung rund um die Miniaturistin. Da das Buch aber nach den Anlaufschwierigkeiten noch spannender und ereignisreicher wurde und die Charaktere stark und facettenreich waren, gibt es drei Herzen.

3herzen

Autor:

Jessie Burton wurde 1982 geboren und studiere an der Oxford University und an der Central School of Speech and Drama. Sie lebt in London und arbeitet unter anderem als Schauspielerin. Die Magie der kleinen Dinge ist ihr Debütroman, mit dem sie viele Verlage auf der Welt begeistern konnte. In England eroberte sie sofort die Bestsellerliste. Mehr zu Jessie Burton unter www.jessieburton.co.uk.

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Die Falle - Melanie Raabe

8. April 2015

Die Falle von Melanie Raabe (c) BTB

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Autorin: Melanie Raabe

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: BTB

Seiten: 351

Format: Hardcover

Preis: [D] 19,99 €, [A] 20,60 €, [CH] 26,90 €

Text Buchrücken vom Verlag:

Was muss passiert sein, dass du dich elf Jahre in deinem Haus vor der Welt abschottest?

Ich bin nicht von dieser Welt. Das sagen zumindest die Leute. Als ob es nur eine Welt gäbe. Ich stehe in meinem großen, leeren Esszimmer, in dem ich niemals esse, und sehe nach draußen. Der Raum liegt im Erdgeschoss, der Blick fällt durch die eine große Fensterfront auf die Wiese hinter meinem Haus und auf den Waldrand. Dann und wann kann man Rehe beobachten. Füchse. Meine Welt ist nicht weit, aber meine Welt ist sicher. Zumindest dachte ich das.

Was muss passieren, dass du es wieder verlässt?

Meinung

Schreibstil

Melanie Raabe schreibt die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Linda. Der Schreibstil ist dabei sehr ausdrucksstark und bildhaft. Zwischendurch finden sich Kapitel aus dem Roman, den Linda schreibt. Melanie Raabe schreibt quasi ein Buch im Buch und schaffte es auch, mir glaubhaft zu vermitteln, dass beide von verschiedenen Autorinnen sind. Im Vergleich zum eigentlichen Buch, ist das Buch von Linda eher kühl und schlicht geschrieben.

Charaktere und Geschichte

„Italien erinnert mich an meine Schwester und daran, wie die Dinge früher waren, vor der Dunkelheit.“ (S. 7)

Linda Conrads ist 38 Jahre alt, Autorin und war seit elf Jahren nicht mehr vor der Tür. Sie hat ihre Schwester ermordet in einem Blutbad vorgefunden und den Mörder beim Flüchten gesehen. Seitdem verfolgt sie das Gesicht des Mörders bis in ihre Träume. Aufgrund ihrer Panikattacken und seelischen Risse, die sie durch dieses Ereignis davongetragen hatte, schottet sie sich von der Außenwelt ab. Nur mit ihrem Verlag und ihrer Assistentin hat sie noch Kontakt. Melanie Raabe schaffte es, dass ich als Leser diese seelischen Schmerzen und Ängste richtig spüren konnte. Die Charaktere sind zwar nicht unbedingt Menschen, die man anfängt ins Herz zu schließen, aber sehr authentisch und facettenreich gezeichnet.

Linda kommt in ihrer Welt gut klar und fühlt sich sicher. Bis sie eines Tages das Gesicht dieses Monster im Fernsehen sieht. Sie ist zutiefst schockiert, ihre Welt gerät ins Wanken und sie schmiedet einen Plan, den Mörder in eine Falle zu locken.

„Meine Welt liegt in Schutt und Asche. Ich sitze auf meinem Bett, inmitten der Trümmer und starre auf den Fernseher. Ich bin eine offene Wunde. Ich bin der Geruch von rohem Fleisch.“ (S. 10)

Die Kapitel aus dem Buch, das Linda Conrads schreibt, geben auch Einblicke in die Zeiten damals, kurz vor und nach dem Tod der Schwester. So lernen wir, wie Linda einmal war und auch ein bisschen etwas über Anna, die Schwester. Allerdings sorgte dieses Buch im Buch streckenweise dafür, dass die Geschichte etwas lang war. Auch einige Wort- und Satzkonstellationen wiederholen sich öfter, das zwar beabsichtigt ist, da es die Verwirrung und Ängste von Linda ausdrücken soll, aber nach einer Zeit hat es mich etwas gestört. Dadurch hatte der Spannungsbogen für mich leichte Dellen. Dennoch konnte mich das Buch packen. Melanie Raabe schaffte es, mich erst komplett zu überraschen, auf eine falsche Fährte zu führen, nur um mich dann wieder auf den alten Pfad zu führen, der dann aber doch wieder überraschenden Wendungen bereit hielt.

Die Falle von Melanie Raabe, Buch seitlich (c) BTB

Fazit

Mit den authentischen und facettenreichen Charakteren konnte Melanie Raabe bei mir Punkten. Ihr Schreibstil ist sehr ausdrucksstark und transportiert die Gefühle von Linda so glaubwürdig, dass ich ihre Ängste und seelischen Schmerzen schon fast mit spüren konnte. Stellenweise war das Buch aber etwas lang. Durch manche Wiederholungen, die zwar im Großen und Ganzen die Gefühle von Linda stark ausdrücken, mich aber manchmal störten, hat der Spannungsbogen für mich etwas gelitten. Dennoch war das Buch packend, vor allem durch den Schreibstil und die überraschenden Wendungen, die Melanie Raabe immer wieder einbaute.

4herzen

Autorin:

Melanie Raabe, 1981 in Jena geboren, wuchs in einem kleinen Dorf in Thüringen und einer Kleinstadt in NRW auf. Sie studierte Medienwissenschaft und Literatur in Bochum, lebt in Köln und arbeitet dort als Journalistin, Drehbuchautorin, Bloggerin, Performern und Theaterschauspielerin. Sie betreibt einen eigenen Interview-Blog (www.biographilia.com) und erhielt bereits einige Preise für ihr Schreiben. Die Rechte an „Die Falle“ wurden bereits vor Erscheinung nach Frankreich, Italien, Niederlande, Spanien und ins englischsprachige Ausland verkauft.

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Ein Teelöffel Land und Meer - Dina Nayeri

4. April 2015

Ein Telöffel land und Meer, Buchcover, Dina Nayeri (c) Goldmann

Autorin: Dina Nayeri

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Goldmann

Seiten: 517

Format: Taschenbuch

Originaltitel: A Teaspoon of Earth and Sea

Originalverlag: Riverhead Books

Preis: [D] 9,99 €, [A] 10,30 €, [CH] 13,90 €

Saba und Mahtab, Zwillinge, sind unzertrennlich. Doch nur bis zu ihrem elften Geburtstag. Denn Mathab und ihre Mutter verschwinden innerhalb kurzer Zeit auf mysteriöse Weise. Saba bleibt als halber Mensch zurück. Das Dorf redet von einem Badeunfall im Kaspischen Meer und der missglückten Flucht ihrer Mutter aus dem Iran. Aber Saba glaubt an ihren Zwillingssinn und eine andere Geschichte.

Meinung

Ein Teelöffel Land und Meer

Schreibstil

Das Buch ist überwiegend in der dritten Person geschrieben. Nur zwischendrin gibt es immer wieder kurze Kapitel ihrer Dorfmütter, die von ihnen direkt erzählt werden und mit dem Leser ihre Gedanken und Erinnerungen teilen. Der Schreibstil war schlicht, ohne übertriebene Ausschmückungen und trotzdem detailliert genug und berührend. Dennoch hatte ich am Anfang etwas Probleme in den Stil zu finden. Nach den kurzen Anlaufschwierigkeiten konnte mich Dina Nayeri aber noch komplett einnehmen.

Charaktere und Geschichte

Als Saba elf Jahre alt ist, verändern zwei einschneidende Erlerbnisse ihr Leben für immer. Die islamische Revolution nimmt gerade ihren Lauf, weshalb ihre christliche Familie Teheran verlassen und auf ihre Ländereien in der Gila-Provinz ziehen muss. Nur kurze Zeit später verschwinden ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab spurlos. Mahtab soll ertrunken sein. Ihre Mutter soll bei ihrer Flucht aus dem Iran festgenommen worden sein.

Aber Saba will das nicht glaub. Sie ist sich sicher, dass Mathab und ihre Mutter am Flughafen in ein Flugzeug gestiegen sind und jetzt in Amerika ein gutes Leben führen. Doch je älter sie wird, desto unsicherer ist sie. Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Wenn sie noch Leben, warum nehmen sie keinen Kontakt auf? Und auch wichtige Fragen in ihrem Leben machen es nicht einfacher. Was ist wichtiger, die eigenen Prinzipien, Wünsche, Träume oder Liebe und Sicherheit? Wann wird es Zeit, eigene Entscheidungen zu treffen und das eigene Schicksal in die Hände zu nehmen?

Wir lernen Saba kennen, als sie ein zerbrechliches, elfjähriges Mädchen ist, das gerade erst Mutter und Schwester verloren hat. Verzweifelt versucht sie die Wahrheit herauszufinden und sich an die Hoffnung zu klammern, ihre Schwester würde noch Leben.

„Mann muss es nicht aus ihrem Mund hören, wenn man deutlich sehen kann, wie ihre Hand nach diesem fehlenden Menschen greift, der immer links von ihr Stand.“ (S. 20)

Ihren besten Freunden Reza und Ponneh erzählt sie Geschichten über sie und wartet sehnsüchtig auf einen Brief von Mathab. Auch ihren drei Dorfmüttern, die jede einen wichtigen Teil in ihrem Leben einnehmen, erzählt sie diese Geschichten. Doch eine, Rezas Mutter, macht sich deshalb große Sorgen.

„Ich denke, dass diese Geschichte viele Arten von Wahrheiten enthält, und die größte davon ist, dass Mathab irgendwo noch immer lebt.“ (S. 139)

Wir erleben mit, wie sich Saba von einem kleinen, geschlagenen Mädchen in eine selbstbewusste Frau verwandeln wird, die versucht, ihren Weg im Leben zu gehen. Auf ihrem Weg versucht sie immer die Wahrheit zu finden und muss einiges einstecken. Sie ist ein wirklich starker, authentischer und tiefgründiger Hauptcharakter, denn man nur ins Herz schließen kann.

Und auch die anderen Charaktere, ihre besten Freunde, ihr Vater, die Mullahs, ihre Dorfmütter sind alle individuelle, starke, mal mehr, mal weniger sympathische Charaktere. Sie alle tragen einen wichtigen Teil zur Geschichte bei und machen das Buch abwechslungsreich und spannend.

Ein Teelöffel Land und Meer, Buchrücken, Dina Nayeri (c) Goldmann

Das Buch erzählt die Geschichte von diesem unsichtbarem Faden, dieser tiefen Verbindung von Zwillingen. Und davon, was passiert, wenn Zwillinge getrennt werden, wie sinnlos und leer sich Saba dann fühlte. Sie erzählt vom Kampf des Erwachsenwerdens als Mädchen im Iran. Vom Kampf der Frauen im Iran im allgemeinen und den Ängsten und Sorgen, die sie nach der islamischen Revolution ausstehen.
Einer Welt, in der eine Frau ausgepeitscht wird, weil eine rote Schuhspitze zu sehen war. Es erzählt, wie Saba versucht, dennoch sich selbst zu finden, ihren Prinzipien treu zu bleiben und ihre Träume später zu leben. Träume von einem Leben in Amerika, einem Studium und Unabhängigkeit. Außerhalb eines Lebens, in dem Männer die Macht haben und über Frauen und ihr Handeln bestimmen.

„Manchmal, in ihren grausamsten Tagträumen, wenn Abbas ins Kaspische Meer geworfen oder ausgeweidet wird, fürchtet sie, dass sie genauso ist wie die Basidsch-Frauen. Dass auch in ihr eine bösartig grinsende Bestie lauert […]“ (S. 379)

Fazit

Eine Geschichte, die von der tiefen Verbindung zwischen Zwillingen erzählt. Eine Geschichte über Sorgen und Ängste der Frauen, in dieser Welt, in der Männer die Macht haben, über sie bestimmen und den kleinsten Fehltritt bestrafen. Und über die eigenen Träume, Wünsche und die Sehnsucht nach echter Liebe.
Über die Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit und voller Unabhängigkeit. Die Charaktere waren authentisch, stark und individuell und der Schreibstil schlicht aber packend. Stellenweise war die Geschichte etwas lang und ich hatte etwas Anlaufschwierigkeiten. Deshalb gibt es vier Herzen und eine Leseempfehlung.

4herzen

Autorin:

Dina Nayeri, geboren während der Islamischen Revolution im Iran, emigrierte als Zehnjährige nach Oklahoma. Sie absolvierte ihren MBA und Master of Education in Harvard, in Princeton ihren BA. Sie arbeitete in der Modewelt, als Unternehmensberaterin, in der Universitätsverwaltung, als Investmentbanken und als Rettungsschwimmerin. „Ein Teelöffel Land und Meer“ ist ihr Debütroman und wurde bereits in dreizehn Sprachen übersetzt. Mittlerweile arbeitet sie bereits an ihrem zweiten Roman.

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Tintenzauber

Rezensionen/Reviews

[Rezenzion] Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling

31. März 2015

Das Lachen und der Tod, Buchcover, Pieter Webeling (c) Heyne

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Autor: Pieter Webeling

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Heyne

Seiten: 320

Format: Taschenbuch

Originaltitel: De Lach En De Dood

Originalverlag: Cossee

Preis: [D] 19,99 €, [A] 20,60 €, [CH] 26,90 €

Ernst Hoffmann, niederländischer Komiker, wird im Jahr 1944 mit einem Viehwaggon und zusammen mit anderen Gefangenen in ein KZ in Polen gebracht. Mit Hilfe von Witzen versucht er seine Mitgefangenen abends vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren. Bis ein deutscher Lagerkommandant davon erfährt. Er will Hoffmann dazu bringen, vor den SS-Soldaten aufzutreten. Ernst weigert sich, doch dann wird im das Leben einer Frau versprochen, in die er sich beim Transport verliebt hat.

Meinung

„Sie sind tot, Holländer. Durch den Kamin. Die Menschen aus der rechten Reihe sind Asche im Fluss.“ (S. 54)

Schreibstil

Das Buch wird aus der Ich-Perspektive von Ernst Hoffmann selbst erzählt. Er berichtet uns von seiner Zeit im Konzentrationslager. Dabei verwendet Pieter Webeling einen gnadenlos ehrlichen, knallharten, unverblümten Schreibstil, der die unmenschlichen Grausamkeiten im KZ auf brutale weiße transportiert. Und genau das ist richtig, denn alles andere wäre falsch und würde den Gräueltaten nicht gerecht werden.

„Der andere kontrolliert mit einem kleinen, runden Zahnarztspiegel die Mundstücke und riss mit einem lauten Krachen einen Goldzahn heraus. […] Anschließend wurde die Leiche wie ein nutzlos gewordener Klumpen Fleisch weitergereicht.“ (S. 159)

Charaktere und Geschichte

Von Beginn an erfährt man als Leser, bereits im Klappentext, dass der Komiker Ernst Hoffman das KZ Auschwitz überlebt hat. Wir lernen ihn kennen, als er kurz vor seinem ersten Auftritt nach dem Krieg steht. Dort wartet er nervös auf eine bestimmte Frau in seiner Garderobe. Helena, die er im Viehwaggon beim Transport ins KZ kennenlernte.

„Ich hatte Angst davor, eines Tages ihr Gesicht zu vergessen. Den Geschmack ihrer Lippen oder ihr Lächeln.“ (S. 76)

Helena konnte nicht nur sein, sondern auch mein Herz im Sturm erobern. Denn mitten in diesem Elend, in dem hunderte wie Vieh transportiert wurden, versucht sie den Menschen Hoffnung zu geben, indem sie das Lied der Hoffnung singt. Bald kommt es zu einem Handgemenge im Waggon und Ernst versucht wie Helena, Hoffnung zu säen. Nur versucht er es mit Komik, einem Witz, einem Lacher. Und genau das wird er später auch im KZ, abends in den Baracken, versuchen. Nach dem Motto jeden Tag ein Lacher versucht er, sich an die minimale Hoffnung des Überlebens zu klammern und bereits todgeweihte von ihrem Elend abzulenken.

Als ich den Klappentext las, habe ich erst wochenlang überlegt, ob ich das Buch wirklich haben will. Die harte Realität eines Vernichtungslagers und Humor mischen? Das kann nicht gut sein und ist bestimmt geschmacklos - so dachte ich mir.

„Humor ist nichts weiter als die strikte Weigerung, der Tragödie das letzte Wort zu überlassen.“ (S. 105)

Doch ich bin jetzt, wo ich „Das Lachen und der Tod“ gelesen habe, sehr froh, dass ich mich für das Buch entschieden habe. Denn Ernst Hoffmann schafft es, den Grad zwischen Lachen und Tod gekonnt zu halten. Immer wieder sind Witze dabei, in denen Ernst Hitler und seine Gefolgsleute aber später vor den SS-Leuten auch sich selbst aufs Korn nimmt ohne dabei irgendetwas zu beschönigen oder ins Lächerliche zu ziehen. Durch seinen gnadenlos ehrlichen Schreibstil und seine authentischen und bildhaften Schilderungen all der Widerlichkeiten, Abartigkeiten, unfassbaren Ungerechtigkeiten ist „Das Lachen und der Tod“ eine der wenigen Lektüren zu den damaligen Geschehnissen, welche die pure Wahrheit sagen und nichts zu verschönern versuchen. Pieter Webeling schafft es Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen, die mich sehr traurig machten und obwohl man doch ungefähr weiß, was damals geschah, schaffte er es, mich erneut sprachlos, angewidert und schockiert zurückzulassen.

Die Charaktere sind dabei authentisch, brutal und ehrlich. Sie geben Einblicke in die schwärzesten aber auch hellsten Stellen der menschlichen Seelen. Wir erleben, wie blind die SS-Leute, Kapos und Barackenältesten sind, wie falsch und grauenhaft. Aber auch, wie tief drinnen in manchen etwas Gutes steckt, etwas, dass sich gerne weigern würde. Auch Ernst verzweifelt immer wieder an dieser einen Frage, ob er etwas tun müsste. Einige spielen ihre Rollen, weil sie selber Angst um das eigene Leben haben. Jeder will Überleben und selbst Gefangene werden so leicht zum Tier, und sind nur auf ihr eigenes Wohl bedacht. Und genau diese Ehrlichkeit bereitete mir oft eine Gänsehaut. Jeder von uns ist vermutlich entsetzt, wenn selbst die Häftlinge unter sich grausam zueinander sind und schockiert, dass so viele nur zugesehen haben. Aber keiner kann wirklich sagen, ob er anders gehandelt hätte, wenn es ums nackte Überleben geht.

„‚Angenommen, wir beide überleben nicht wie so viele andere. Hätten wir etwas unternehmen müssen?‘ Das hatte ich mich bereits tausend Mal gefragt, ohne je eine Antwort darauf zu finden.“ (S. 221)

Peter Wiebling zeigt mit seinem Buch, wie wichtig Hoffnung und auch Liebe im Leben sind. Das einzige, was Ernst zum kämpfen ums Überleben bringt, ist der Gedanke an Helena. Es zeigt, dass neben alle der Brutalität, neben Hunger, Leiden, Tod auch Liebe, Freundschaft und Hoffnung entstehen.

Das Lachen und der Tod, Pieter Webeling (c) Heyne

Fazit
Pieter Webeling schafft mit „Das Lachen und der Tod“ die Gratwanderung zwischen Tod und Humor. Wir blicken in die tiefsten Abgründe der Menschheit und lesen gleichzeitig, wie in solchen unfassbar grauenhaften Zeiten dennoch Liebe, Freundschaft und Hoffnung entstehen kann. Das Buch ist hart, brutal, ehrlich, emotional und berührend - schrecklich und wunderschön zu gleich. Ein Buch, dass nichts verschönt und dennoch Hoffnung streut.

5herzen

Autor:

Pieter Webeling wurde 1965 geboren. Als Journalist arbeitet er für angesehene holländischen Zeitungen. Dabei führte er weithin bekannte Interviews mit Holocaust-Überlebenden und Komikern, die im tiefe Einblick in die damalige Welt geben konnten. Nach einem Interview mit einem zeitgenössischen Komiker, reifte die Idee zum Roman. Er interviewte noch viele weitere Zeitzeugen und besuchte mehrfach die Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau. 2010 erschien „Das Lachen und der Tod“ bereits im Original, 2013 gab es dann die deutsche Erstausgabe.

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Während die Welt schlief - Susan Abulhawa

25. März 2015

Während die Welt schlief von Susan Abulhalwa (c) Diana

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Autorin: Susan Abulhalwa

Erscheinungsjahr: 2011

Verlag: Diana

Seiten: 432

Format: Taschenbuch

Originaltitel: Mornings in Jenin

Originalverlag: Bloomsbury

Preis: [D] 9,9 €, [A] 10,30 €, [CH] 13,90 €

Jeden morgen, bei Sonnenaufgang, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Diese Momente des Friedens und der Hoffnung trägt Amal ihr ganzes Leben im Herzen. Ihrem Leben, das in einem Flüchtlingslager begann und sie später nach Amerika führt. Immer geprägt vom Konflikt zwischen Israel und Palästina.

„Jahrzehnte später, an einem trostlosen Februarmorgen in Pannsylvania, sollten Gibrans eindringliche Verse und die Erinnerung an Babas weichen Bariton mein einziger Trost sein.“ (S. 86)

Meinung

während die welt schlief

„‚Seltsam‘, dachte sie, ‚woran man denkt, wenn man sich in diesem Grenzbereich zwischen Leben und Tod aufhält‘.‘’ (S. 7)

Während die Welt schlief erzählt die Geschichte einer palästinensischen Familie über vier Generationen hinweg. Die aus Ein Hod, ihrer Heimat ,durch die Israelis vertrieben wurde. Wir erleben, wie sich Amals Eltern kennen und lieben Lernen, ihre Geschwister bekommen, einen ihrer Brüder verlieren und vertrieben werden. Sie landen im Flüchtlingslager Jenin, in dem Amal später zur Welt kommt. Durch ihre Augen erfahren wir, wie es der Familie in den Zeiten der Vertreibung und des Krieges ergeht und was aus Amal und ihrer Familie wird.

Während die Welt schlief, Buch seitlich, Susan Abulhalwa (c) Diana

Das Buch ist so unfassbar traurig und berührend und gleichzeitig schön. Schön unter anderem aufgrund des emotionalen, tiefgründigen und bildhaften Schreibstils, der mir unter die Haut ging und mich von der ersten Seite an mitriss. Die Vorgeschichte und die Kapitel, die nicht Amal begleiten, sind in der dritten Person geschrieben. Amal selber erzählt uns in der Ich-Perspektive von ihrem harten Schicksal. Gekonnt baut Susan Abulhawa immer wieder kleine, offene Hinweise auf spätere Gegebenheiten ein, die mich als Leser immer tiefer in die Geschichte sogen und das Buch zu einem PageTurner machen.

Die Charaktere waren allesamt stark, authentisch, einzigartig, kraftvoll und doch zu zerbrechlich und machen für mich das Buch zu etwas ganz Besonderem. Hautnah erleben wir ihre Zerrissenheit zwischen Trauer, Wut, Zorn, Verzweiflung aber auch Liebe, Zukunftsträumen und Hoffnung.

„Die Bescheidenheit ihres größten Wunsches bringt mich noch heute zum Weinen.“ (S. 169)

Unfassbar traurig und berührend ist Während die Welt schlief, aufgrund seiner Geschichte. Zwar sind die Charaktere und die Geschichte fiktiv. Doch die Geschehnisse in Israel und Palästina und der Konflikt sind seit Jahrzehnten real. Diese Tatsache hat das Buch ganz besonders hart für mich gemacht. All diese grausamen Inhalte von Krieg, Tod, Terror, Folter, Massakern und zerbrochenen Familien geschehen wirklich und zwar heute noch tagtäglich im nahen Osten und erschüttern mich zutiefst. Konflikte, von denen im Buch eigentlich keiner mehr weiß, warum dies alles nur passiert. Und vermutlich ist dies auch im wahren Leben so - ein Kreislauf der Gewalt und der Rache, der kein Ende zu nehmen scheint.

Während die Welt schlief, Buchrücken, Susan Abulhalwa (c) Diana

Während die Welt schlief hat mich aber auch positiv berührt. Denn trotz all dem Horror, den Amal und ihre Familie und Freunde durchmachen, gibt es immer wieder Momente des Friedens, der Liebe, des Glücks und der Hoffnung. Ein Stück Normalität in diesen harten Zeiten. Eine gelungene Mischung aus dieser tiefer Not, diesem menschenunwürdigen Leben und Familie, Freunde, Beständigkeit, Geborgenheit und Hoffnung.

„Der kalte Stahl drückte gegen ihre Stirn. Ihre Erinnerungen zogen sie in die Vergangenheit, in eine längst verblasste Zeit, in eine Heimat, die sie nie gekannt hatte.“ (S. 8)

Fazit

Ein berührendes, emotionales Buch mit starken, kartvollen und gleichzeitig zerbrechlichen Charakteren das mich zu Tränen gerührt hat. Es ist nicht alleine die Geschichte von Amal und ihrer Familie, die rein fiktiv ist, sondern auch die Tatsache, dass die Geschehnisse in diesem Nahost-Konflikt wirklich passieren - das Leben deren Einwohner, egal auf welcher Seite, besteht aus Krieg, Angst, Tod, Terror und nicht selten auch Massakern. Dies machte das Buch für mich ganz besonders hart und grausam. Gleichzeitig strahlt es dennoch auch Hoffnung aus und zeigt, wie wichtig Liebe und Familie und ein kleines bisschen Normalität sein kann. Das Buch hat mich tief berührt, es war schmerzhaft und doch schön und wird mich lange nicht mehr loslassen.

5herzen

Und weil es so viele waren - hier noch meine Lieblingszitate aus Während die Welt schlief:

„Meine Liebe zu dir ist so groß wie der Ozean und all seine Fische. So groß wie der Himmel und all seine Vögel. So groß wie die Erde und all ihre Bäume.“ (S. 84)

„Nur eine Woche, und die Welt hatte sich von einem Jahrmarkt der Eitelkeiten in eine Hölle verwandelt.“ (S. 104)

„Wir alle werden mit den größten Schätzen geboren, die wir im Leben haben können. Einer dieser Schätze ist dein Verstand, ein anderer dein Herz. Und die unverzichtbaren Werkzeuge dieser Schätze sind Zeit und Gesundheit.“ (S. 181)

„Obwohl wir so wenig hatten und oft hungrig ins Bett gingen, erinnre ich mich gern an diese Jahre, denn sie waren glücklich, erfüllt und lehrreich.“ (S. 204)

„Wir alle waren Opfer von Vertreibung und versuchten, unter der israelischen Besatzung zu leben, so gut es ging. Unsere größte Freude waren Moment der Normalität.“ (S. 220)

„Unser Bund überdauerte Zeit und Raum, sogar Krieg, und erlebte unsere gemeinsamen und individuellen Tragödien und Triumphe.“ (S. 221)

„Ich liebte sie unermesslich. Unendlich. Und ich fürchtete mich vor dieser Liebe so sehr wie vor meinem Zorn der Welt gegenüber.“ (S. 306)

„Ich weiß, dass Du mich geliebt hast, das möchte ich dir sagen.“ (S. 409)

Autorin:

Susan Abulhawa wurde als Kind palästinensischer Flüchtlinge geboren. Sie Wuchs in Kuwait, Jordanien und Jerusalem auf. Im Teenager-Alter ging sie nach Amerika, wo sie noch heute mit ihrer Tochter lebt. Susan Abulhawa engagiert sich für Menschenrechte und die Lebensumstände palästinensischer Kinder, die in besetzten Gebieten leben. Währen die Welt schlief, ist ihr Debüt und ein internationaler Bestseller.

Rezensionen/Reviews

[Rezension] Das Flugverhalten der Schmetterlinge - Barbara Kingsolver

12. März 2015

Flugverhalten der Schmetterlinge, Buchcover, Barbara Kingsolver (c) Bertelsmann

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Autorin: Barbara Kingsolver

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: C. Bertelsmann

Seiten: 462

Format: Hardcover

Originaltitel: Flight Behavior

Originalverlag: Harper Collins Publisher

Preis: [D] 19,99 €, [A] 20,60 €, [CH] 26,90 €

Dellarobia Turnbow, Mutter zweier Kinder, tritt an einem Novembermorgen die Flucht an. Sie ist wild entschlossen, endlich ein neues Leben zu beginnen und kehrt ihrer Familie und dem Farmhaus den Rücken, um sich in ein Abenteuer zu stürzen. Doch unterwegs wird sie von einem kalten Feuer überrascht. Millionen von orangefarbenen Monarchfaltern haben sich auf den Bäumen zum Überwintern niedergelassen. Darin sieht sie ein Zeichen und kehrt zurück nach Hause und schon bald werden Dellarobia und die Schmetterlinge zu einer nationalen Attraktion. Erst von dem Biologen Ovid Byron, der noch dazu sehr attraktiv ist, erfährt sie, was sich hinter diesem wundervollen Anblick verbirgt…

Meinung

Schreibstil

Barbara Kingsolver erzählt die Geschichte von Dellarobia und den Schmetterlingen in der dritten Person. Sie hat einen wirklich einnehmenden, sehr detailreichen und anschaulichen Schreibstil, der dennoch nicht zu abgedroschen oder überladen ist und konnte mich von der ersten Seite an packen.

Charaktere und Geschichte

„Realistisch betrachtet war ihre Familie schrottreif. Wie ein Auto, das sich um einen Telefonmast gewickelt hat, ein Totalschaden, nicht mehr zu retten.“ (S. 8)

Ich mochte unsere Hauptprotagonistin, Dellarobia, sehr. Sie wuchs mir im Laufe der Geschichte mehr und mehr ans Herz. Sie ist liebenswert und ehrlich und will ihr eigenes Glück finden und aus dem Alltagstrott entfliehen. Sie hat Cub, ihren Mann, einfach viel zu früh geheiratet und fühlt sich jetzt, als hätte sie ihr Leben verpasst. Sie ist sehr klug und talentiert, doch lebt nur als Mutter und Hausfrau auf einer Farm und versteht sich mit ihrer Schwiegermutter, die alle wie Kinder behandelt und sie wie jemanden, der nicht dazugehört, überhaupt nicht. Trotzdem kümmert sie sich liebevoll um ihre zwei kleinen Kinder und würde alles für sie geben.

Eines Tages will sie endgültig aus diesem Alltag entfliehen, auf eine Art, die ich nicht gut finde, die sie aber auch selber eigentlich gar nicht will. Auf dem Weg sieht sie die Schmetterlinge, die sie zunächst als ein Zeichen deutet und kehrt deshalb nach Hause zurück. Zunächst glauben alle an ein Wunder, doch Dellarobia wird sehr bald durch den Biologen Ovid aufgeklärt, was diese Naturphänomen wirklich bedeutet. Zunehmend wächst ihr Interesse an dem merkwürdigen Verhalten der Monarchfalter und sie entdeckt ihren Drang nach Wissen und zum Forschen und ein Stück weit sich selbst und beginnt zu begreifen, was sie mit ihrer Zukunft anfangen möchte. Dank der Monarchfalter entwickelt sich nicht nur Dellarobia weiter, sondern ihre ganze Familie.

„In ihr hatte sich etwas aufgetan, und sie hatte das Gefühl, wie jener Jeep auf dem Eis der Katastrophe nicht entgehen zu können und hineinzustürzen.“ (S. 31)

Das Buch ist eine wundervolle Geschichte, in der Hoffnung und Glück in einer gefährdeten Welt immens wichtig sind. Sie bettet das kritische und wichtige Thema des Umweltschutzes und der globalen Klimaerwärmung in eine Geschichte einer Frau ein, die auf der Suche nach sich selbst ist. Sie beschäftigt sich neben der Geschichte und dem Problem, das hinter den wundervollen Anblick der Schmetterlinge steckt, auch mit den Schwierigkeiten des Alltags, eines festgefahrenen Lebens und der Sehnsucht nach Leben und dem Erfüllen der eigenen Wünsche und Träume. Darüber hinaus behandelt das Buch die Frage, warum die Monarchfalter überhaupt nach Tennessee gekommen sind. Bei der Dellarobia den Wisschenschaflter Ovid tatkräftig unterstützt. Barbare Kingsolver schaffte es, das Thema der Klimaveränderung, des Umweltschutzes und Naturkatastrophen geschickt in diese Suche nach dem Selbst einzufädeln. Das brachte mich als Leser viel zum Nachdenken, wirkt aber nicht zu erdrücken.

Das Flugerhalten der Schmetterlinge von Barbara Kingsolver, Buchrücken (c) Bertelsmann

FazitDer Schreibstil von Kingsolver ist ausdrucksstark und einnehmend. Ein Buch, dass das Thema Klimaerwärmung und die große Suche nach sich Selbst und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und der Erfüllung der eigenen Träume geschickt kombiniert. Ein Buch, dass mich berührte, unterhielt und zum Nachdenken brachte. Zwischenzeitlich hatte es aber etwas lange Stellen und es fühlte sich an, als würde die Handlung feststecken. Insgesamt konnte mich das Buch aber von sich überzeugen und bekommt vier Herzen und eine Leseempfehlung.

4herzen

Autor:

Barbare Kingsolver ist eine bekannte und profilierte Autorin in Amerika und wurde weltweit durch ihren Roman ‚Die Giftholzbibel‘ bekannt. Sämtliche Werke von ihr waren auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Sie wurde mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Orangen Fiction Prize. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie in den südlichen Appalachen.

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