Katerstimmung von Philipp Reinartz (c) Rororo

Infos zum Buch
Verlag: rororo; Erscheinungsjahr: 2014; Seiten: 256; Autorin: Philipp Reinartz

Max arbeitet als Volontär bei den News eines großen Fernsehsenders. Sein Leben ist ziemlich unspektakulär und er ist unzufrieden mit seiner Arbeit. Seine beiden Freunde Wilhelm und Lenny haben im Vergleich zu ihm Geld, Zeit und, zumindest Lenny, Frauen. Max hat nichts davon. Und dann wird ihm auch noch der Urlaub gestrichen. Auf einer Party tröstet er sich mit Gin und der Spanierin Ana. Doch als er am nächsten Morgen aufwacht, hat er keinerlei Erinnerungen mehr an den Abend. Auf der Suche nach seiner Ana, reißt er überstürzt mit Lenny und Wilhelm nach Spanien und ein wilder Roadtrip nimmt seinen Lauf. Doch den Urlaub kann Max nur rechtfertigen, wenn dabei auch News-würdige Dinge passieren. Für die muss er sorgen.

Schreibstil

Das Buch ist in der Ich-Form aus Sicht von Max erzählt. Grundsätzlich ist der Schreibstil locker, jugendlich und leicht, aber stellenweise mit zu vielen Klischees, Witzen und Gags vollgestopft, dass das Lesen manchmal etwas schwer viel und leicht der rote Faden verloren werden kann. Als ich dann mal reingekommen bin, ging es aber doch recht flott von der Hand und konnte mich unterhalten.

„Das Spektakulärste, das ich in den letzten Jahren erlebt habe, war ein sechsstündiger Stromausfall in der Kölner Südstadt.“ (S. 15)

Charaktere

Max führt ein recht langweiliges Leben, bestimmt von seinen Jobs als Volontär bei den News, als Mitarbeiter in einer Werbeagentur in der er Markennamen mit erfindet und als Journalist beim Express, für den er ab und an mit Pseudonym schreibt. Mit Frauen hat er kein Glück, er zieht das Unglück magisch an und ist nur am Arbeiten. Er ist ein liebenswerter Unglücksrabe den ich von Anfang an mochte.

Lenny und Wilhelm sind seine besten Freunde. Lenny ist ein Frauenheld, Geld spielt keine Rolle und erinnert etwas an Barney Stinson in seinen besten Zeiten. Wilhelm ist etwas verquer und ein typischer Dauerstudent, mit Frauen hat er es auch nicht so, dafür ist er ziemlich schlau. Beide mochte ich auch auf ihre Art und Weise.

Die drei sind alle so unterschiedlich und geben gemeinsam wirklich ein interessantes und lustiges Trio ab, das immer wieder für ordentlich Spass sorgte.

Geschichte

Auf einer Party erklärt Max gerade Lenny und Wilhelm, dass er den gemeinsam geplanten Urlaub absagen muss. Seine Enttäuschung ertränkt er im Alkohol und mit der Spanierin Ana, die ein Auslandssemsster macht. Am nächsten morgen hat er keine Ahnung mehr vom Abend und der Nacht. Lenny erzählt im daraufhin, Ana würde noch am selben Tag wieder zurück nach Spanien fliegen und so brechen die drei Hals über Kopf auf, um sie noch am Flughafen abzupassen. Sie verpassen Ana und schon startet die wilde Reise nach und durch Spanien, auf der Suche nach ihr. Immer wieder bekommt Max von Ana eine SMS, mal aus Barcelona, dann wieder aus Valencia und gemeinsam mit Lenny und Wilhelm, reist er hin und her, nur um seine Traumfrau wieder sehen zu können.

Offiziell Urlaub hat er aber nicht, und so muss er irgendwie dafür sorgen, dass in Spanien etwas News-würdiges passiert. Er macht sich zum Horst bei einer Tomatenschlacht und verfolgt mit Lenny und Wilhelm eine wilde Drogenmaffia-Story. Dabei erleben die drei ein Abenteuer nach dem anderen.

„Wackel geht noch weiter: Er stigmatisiert das lyrische Ich als neoliberal und oberflächlich, da er es fragen lässt: Kaufst du gerne Vogelfutter ein? Wird man denn dadurch ‚gut zu Vögeln‘, dass man Vogelfutter kauft? […]“ (S. 220-221)

Durchspickt ist das Ganze mit Klischees, Gags, Witzen, Sarkasmus, Ironie und ist eine wahre Satire. An manchen stellen war es allerdings zu viel des Guten, und man kam etwas schwer in das Buch rein. Trotzdem konnte ich mehrfach lauthals auflachen. Die Entwicklung von Lenny hat mich etwas enttäuscht und auch das Ende fand ich etwas fad, obwohl alle Fäden zusammenliefen und keine Fragen offen bleiben. Irgendwie hat mir das i-Tüpfelchen gefehlt.

Das Buch ist ein amüsanter und wilder Roadtrip von drei verqueren und liebenswerten Charakteren. Es ist ohne Tiefgang, mit viel Witz, Ironie und Sarkasmus. Ich konnte mehrmals lauthals Lachen.

Abstriche muss ich allerdings geben. Zum einen war es manchmal einfach zu viel des Guten an Gags und Informationen, so dass ich fast den roten Faden verloren hätte. Zudem waren manchen Witze nicht ganz nach meinem Geschmack, die Entwicklung von Lenny fand ich nicht so gut und beim Ende hat mir irgendwie der Funken gefehlt. Aber das sind alles Punkte, die einfach meinen Geschmack nicht getroffen haben.

Deshalb gebe ich drei von fünf Herzen. Ich kann das Buch als leichte Sommerlektüre empfehlen vor allem für Fans von Roadmovies und Hangover.

Autor

Philipp Reinartz wurde 1985 in Freiburg geboren. Er studierte Theater, Film und Fernsehen, Germanistik, Geschichte, Journalismus und Design Thinking in Köln, Saragossa und Potsdam. Erst vor Kurzem gründete er gemeinsam mit Freunden eine Firma für Smartphonespiele. Katerstimmung ist sein Debütroman.