Die Analphabetin die Rechnen konnte / Jonas Jonasson (c) carls books Verlagsgruppe randomhouse

Headerbild: Die Analphabetin die Rechnen konnte / Jonas Jonasson (c) carls books Verlagsgruppe randomhouse

Die junge Südafrikanerin Nombeko kann zu beginn zwar nicht lesen oder schreiben, dafür aber rechnen, wie kaum ein anderer. Sie lebt in den Slums und arbeit als Latrinentonnenträgerin. Als sie mit 15 Jahren von einem weißen Kernwaffeningeniuer überfahren wird, wird sie als Schulidge dazu verdonnert, bei ihm als Putzfrau zu dienen. Von da an nimmt die rasante Lebengeschichte von Nombeko ihren Lauf.


Ich muss sagen, ich bin noch ganz verwirrt und erschlagen von dem Buch, aber auch begeistert. Alleine der Titel zeigt ja schon, dass das kein normales Buch ist. Es ist genauso verrückt, wie der Titel selbst. Der Schreibstil war für mich am Anfang doch sehr gewöhnungsbedürftig, wobei das unter anderem auch daran lag, dass die letzten Bücher, die ich gelesen hatte, alle in Ich-Form waren. Noch dazu entwickelt sich das Buch so schnell und rast von einer Person zur anderne und wieder zurück, dass ich meine Zeit brauchte, um warm zu werden. Dann hat es mich aber mitgerissen und zum Lachen gebracht.

Nombeko ist ausgesprochen klug, vorlaut, hat ein unfassbares Leben und kann noch dazu unfassbar gut rechnen und nicht mal sie weiß, woher sie das eigentlich kann.

„Tja, ich denk mir das so: fünfundneunzig sind fünf weniger als hundert, und zweiundneunzig acht weniger als hundert, und wenn man das jetzt umdreht und die Differenz jeweils von der anderen Zahl abzieht, kommt man beide Male auf siebenundachtzig. Und fünf mal acht ist vierzig. Siebenundachtzig vierzig. Achttausendsiebenhundertvierzig.“ (S. 15)

Das Buch ist einfach irgendwie urkomisch, unterhaltsam und sowas von durchgeknallt, wovon schon alleine die Kapitelüberschriften zeugen.

Vom kurzen Erfolg einer Zeitschrift und von einem Ministerpräsidenten, der plötzlich doch zu sprechen war – Kapitelüberschrift Kp 18.

Das Buch ist eine einzige rasante Reise durch Nombekos Leben, was immer wieder auch andere Personen begleitet. Am Anfang dachte ich mir, was dass den jetzt bitte mit Nombeko zu tun haben soll, aber im Laufe der Geschichte laufen die Fäden dann doch alle zusammen und ergeben einen Sinn. Wenn man das überhaupt so bezeichen kann.

Im Hintergrund sind zahlreiche Politiker sowie politische und geschichtliche Ereignisse eingeflochten, die mit viel Ironie, Sarkasmus und einem Hauch schwarzen Humor aufs Korn genommen werden und mich immer wieder zum Lachen brachten. Von der Arpartheit über diverse Kernwaffenkonflikte bis hin zum schwedischen König ist alles dabei. Selbst deutsche bekannte Fußballer und ein gewisser Bodybuilder und ehemaliger Schauspieler.

„Zu den marignalen Nachrichten gehörte, dass ein ehemaliger Bodybuilder aus Österreich Gouverneur von Kalifornien wurde. (S. 316)

Die Reise durch Nombekos unfassbares Leben ist einfach nur urkomisch und verrückt. Eine Latrinentonnenträgerin, die zufällige an einer Atombombe mitarbeitet und ganz nebenbei noch Unteredungen mit mächtigen Politikern führt und von den Slums bis nach Schweden kommt, wo sie ihre Liebe findet aber zugleich eine dickes Problem an der Backe hat.


Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten, bis ich mich an diesen Stil und diese abgedrehte und rasante Hin und Her gewöhnt hatte, konnte mich das Buch doch noch überzeugen. Es war stets unterhaltsam und brachte mich immer wieder zum Lachen. Ich fand es super, wie einige Politiker aufs Korn genommen werden und das Buch trieft nur so vor Ironie und Sarkasmus, was ich ja immer liebe. Ich kann das Buch also trotz den Anlaufschwierigkeiten empfehlen.

Der Autor:

Jonas Jonasson lebt auf der Insel Gotland und wurde im Jahr 1961 in Schweden geboren. Er arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Jounalist. Später gründete er eine eigene Medien-Consulting-Firma. Nach 20 Jahren verkaufte er die Firma und schrieb seinen weltweiten Bestseller „Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ ist sein zweites Buch.