Auf den ersten Blick von Danny Wallace (c) Heyne

Infos zum Buch
Verlag: Heyne; Erscheinungsjahr: 2012; Autor: Danny Wallace; Seiten: 493

Laut Klappentext und Titel geht es um die Liebe auf den ersten Blick, als Jason für eine Unbekannte kurz ihre Taschen hält. Er verliebt sich in ihr Lächeln und bemerkt, dass er ihre Einwegkamera noch in den Händen hält, aber sie fährt schon im Taxi davon. Man erwartet also, eine wundervolle und witzige Liebesgeschichte, die eben auf den ersten Blick entstand. Aber dem ist nicht so…

…denn es geht eigentlich nur im Jason und Dev und lauter andere durchgeknallte Charaktere, aber mehr um Jason und Dev. Um ihr Leben und darum, wie sehr eigentlich alles Mist ist. Sie sind ziemliche Versager, haben kaum Perspektiven und sind den halben Tag nur am Saufen, ohne was aus ihrem Leben zu machen. Ich hatte eine wundervolle Reise durch London erwartet. Aber eigentlich versuchen sie immer nur ab und an mal irgendwas mit den Fotos zu machen aber ich hatte das Gefühl, dass das Buch kaum voran gekommen ist. Die eigentliche Geschichte zum Mädchen, kam dann in den letzten zwei, drei Kapiteln mal in Fahrt, aber auch nur unfassbar kurz und schnell.

Der Schreibstil war ganz gut, ich fand die Idee, den Leser ab und zu direkt anzusprechen ganz gut. Aber es ging mir, gerade am Anfang, alles etwas zu durcheinander. Ständige Sprünge von einem mehr oder weniger bedeutenden Ereignis zum anderen ohne wirklich erkennbaren Faden. Den Einstieg mit dem Amoklauf, fand ich auch nicht so passend. Es hat mehr verwirrt als zu helfen, auch wenn dieser „Amoklauf“ scheinbar der Auslöser dafür war, wie Jason nun mal gerade ist.

Mich hatte es doch sehr gestört, dass das Buch eigentlich die Ganze Zeit kaum vorankommt, vor allem nicht der Kern, mit der Unbekannten. Am Anfang konnte ich die Charaktere eigentlich kaum leiden, sie gingen mir alle etwas auf die Nerven, ebenso wie die ständigen Wiederholungen. Ich fande auch das Ende nicht gut. Es ist zwar schön, dass dann ja doch irgendwie Jason Traum in Erfüllung gegangen ist, aber es war viel zu knapp und lieblos abgehandelt.

Positiv ist aber, dass ich die Charaktere am Ende doch auf die ein oder andere Art lieb gewonnen habe. Ich konnte mich irgendwann sogar mit ihnen freuen oder gemeinsam mit ihnen verzweifelt sein. Auch die Blogeinträge der Unbekannten fand ich gut, von diesen hätte es ruhig mehr geben können. Die Idee an sich fand ich auch gut..eine Einwegkamera, ein kurzer Moment und dann die Suche nach der großen Liebe..gerne auch mit viel Witz und Auf und Abs. Aber es war einfach nicht gut umgesetzt. Aus der Idee hätte so viel mehr entstehen können, aber dem war leider nicht so.

Ich bin von diesem Buch leider etwas enttäuscht. Streckenweise fand ich es ganz gut, irgendwann hab ich mich daran gewöhnt. Aber ich habe lange nicht mehr solange für ein Buch gebraucht und werde diese Buch nicht noch einmal lesen. Ich glaub das Problem ist, dass der Titel, das Cover und der Klappentext ganz andere Erwartungen geweckt haben. Wenn Titel, Cover und Klappentext von Anfang an klar gemacht hätten, dass es eigentlich fast nur um Jason und sein verkorkstes Leben geht, wäre ich mit ganz anderen Erwartungen an diese Buch herangegangen. Wenn es einfach versprochen hätte, dass festgefahrene, etwas chaotische und bekloppte Leben eines Londoner 30something Mannes zu erzählen, dann hätte es mir vielleicht sogar besser gefallen, weil ich dann eben genau damit gerechnet hätte, dann wäre es sogar witzig gewesen. Aber so wurden bei mir falsche Erwartungen geweckt und diese nicht erfüllt. Lasst euch aber nicht abschrecken, wenn man weiß, um was das Buch eigentlich geht, dann macht es euch vielleicht mehr Spass, aber mein Fall war es leider nicht.

Der Autor

Danny Wallace wurde im Jahr 1979 geboren und lebt im Londoner East End. Er ist Comedy-Produzent, schreibt als Journalist für den Independent und den Guardian, ist Autor und Moderator in TV und Radio und ist im Theater präsent. Auf den ersten Blick ist das Romandebüt von Danny Wallace.

Nachtrag:

Vielleicht eine nicht unbedeutende Anmerkung – der Originaltitel und das Originalcover erwecken diese Erwartungen nicht. Es heißt dort einfach nur Charlotte Street und sieht ganz anders aus. Der Klappentext ist zwar ähnlich, aber im Original wären die Erwartungen vielleicht etwas anders gewesen, man erkennt ja schon am Cover auch das Glas Alkohol und das es wohl etwas chaotisch zugeht. Da sieht man wieder, manchmal ist es besser, das Original zu lesen, wer dem Buch also einen Versuch geben möchte, versuchts doch mal mit dem Original, vielleicht ist das in diesem Fall ja auch innen drinnen etwas besser.