Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung von Catrin Barnsteiner (c) Berlin Verlag

Headerbild: Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung von Catrin Barnsteiner (c) Berlin Verlag

Sandra Schläpple stolpert eines Tages in das Leben von Fred Eisenborg und verdreht ihm den Kopf so heftig, dass er gar nicht mehr weiß, wo sein Beamtenscheitel sitzt. Sandra ist eine verträumte Gärtnerin die Unkraut und das Chaos liebt. Fred liebt seinen Job als Finanzbeamter und will immer alles perfekt haben. Für Sandra wagt er die erste Regelabweichung seines Lebens. Er verpasst allerdings ihr zu sagen, was er beruflich eigentlich wirklich macht.


Schreibstil:

Der Schreibstil ist sehr einfach und locker gehalten. Wir erleben die Geschichte in der dritten Person, überwiegend aus Freds Sicht, manchmal auch aus Sandras Sicht. So lernte ich beide gut kennen. Die Kapitel sind wunderbar kurz und das Buch ist insgesamt kurzweilig und eine entspannte Lektüre für zwischendurch

Charaktere:

Fred Eisenberg ist ein steifer Beamter. Er liebt seinen Job im Finanzamt, ist überkorrekt, alles muss perfekt sein. Er kauft nur vorgedruckte Geburtstagskarten, denn wenn jemand einen Vordruckt macht, dann weiß er ja was er tut. Aber selbst die müssen 100 %ig perfekt sein.

„Er klappte die Karte auf, las noch mal – stutzte dann und griff aufgeregt nach dem Rotstift: Dass er das übersehen hatte! Sorgsam fügte er das fehlende Komma ein zwischen ‚glückliches‘ und ‚gesundes‘. Und den Punkt hinter ‚Lebensjahr‘“. (S. 6)

Fred ist sehr bemüht, dass man ihm seinen Job auch ansieht, immer korrekt gekleidet mit Beamtenscheitel und hängt immer noch an seiner Ex, die wirklich nicht sehr nett mit ihm umgegangen ist.

„Sie hat gesagt, du bist so korrekt, dass du Tipp-Ex pinkelst.“ (S. 7)

Ich fand Fred zwar durchaus sympathisch, weil er nachdem er Sandra kennenlernt auch zeigt, dass er doch irgendwie auch menschlich ist. Insgesamt war sein Charakter aber doch etwas sehr überzogen und klischeehaft dargestellt.

Sandra ist sehr chaotisch und hat eine eigene, mobile Gärtnerei. Sie legt gleich mal einen sympathischen Auftritt hin, als sie gegen die gerade verschlossene Tür der Postfiliale rennt. Da fühlt ich mich doch gleich mit ihr verbunden.

Geschichte:

Sandra verdreht Fred den Kopf vom ersten Moment an, an dem sie in sein Leben tritt. Er endet damit, ihr zu erzählen das er Archäologe ist. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie und sie auch etwas in ihn, obwohl sie noch mit Gerry zusammen ist. Und irgendwie versäumt er es, ihr zu erzählen, was er eigentlich beruflich macht.

Sandra lebt in einer Familie, die sich einmal im Monat zum Familiennachmittag trifft. Auf den ersten Blick ganz normal mit Kaffee und Kuchen. Auf den zweiten Blick total durchgeknallt und kleinkriminell. Denn sie treffen sich, um sich in Form eines Spieles zu überlegen, wie sie das Finanzamt beim nächsten Mal bescheißen können.

„Andere Familien halten ihre Spiele-Nachmittage, die Schläpples fälschen gemeinsam Betriebsquittungen.“ (S. 66)

Die Geschichte erfindet das Rad jetzt wirklich nicht neu. Eine Geschichte, mit einem typischen Ablauf, wie ich ihn schon oft gelesen hab, ohne große Überraschungen mit einem etwas faden Ende. Die Erzählung drum herum war aber amüsant gemacht.


Ein nettes, unterhaltsames Buch. Den Verlauf der Geschichte liest man nicht zum ersten Mal, die Charaktere sind alle ganz gut gemacht. Nur Fred ist etwas zu klischeehaft. Insgesamt aber eine nette und unterhaltende Lektüre für zwischendurch. Ich gebe drei von fünf Herzen. Autorin:

Catrin Barnsteiner wurde 1975 geboren. Sie arbeitet als Drehbuchautorin, schreib als freie Journalisten für verschiedene Tageszeitungen und Magazine. Sie wurde mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ausgezeichnet. 2004 veröffentlichte sie den Erzählungsband „Verglüht“. Catrin Bernsteines lebt in Oxford und Berlin.