Das Siegel der Tage von Isabel Allende (c) Suhrkamp

Isabel Allende knüpft in diesem Buch an ihren Lebensroman Paula an und erzählt die Geschichte, dieser vierköpfigen und doch viel größeren Familie weiter. Das Buch ist das Zeugnis einer Frau, die mit bemerkenswerter Stärke jeden Tag von neuem mit ihrer Sippe durch das Leben geht und alle Tiefen und Schicksalsschläge meistert.

Schreibstil:

Isabel Allende schrieb das Buch wie einen Brief an ihre verstorbene Tochter Paula. Am Anfang viel es mir recht schwer, in den Stil hineinzufinden, weil es etwas steif wirkte. Aber insgesamt war das Buch mit viel Zuneigung, Wärme und einer guten Prise Humor, Ironie und vor allem auch Selbstironie geschrieben.

„Ehe ich zu dieser Gruppe stieß, hatten die Frauen sich schon seit Jahren getroffen, sich über ihr Leben ausgetauscht, zusammen meditiert und für Menschen gebetet, die krank oder in Not waren. Seit ich dabei bin, tauschen wir auch Schminksachen aus, trinken Champagner, schlagen uns den Bauch mit Konfekt voll und besuchen ab und an die Oper […]“ (S. 36)

Geschichte und Charaktere:

Das Buch knüpft an den Roman Paula an und beginnt im Jahre 1992, als Isabel und ihre Familie die Asche von Paula in einem nahegelegenen Wald verstreut. Sie erzählt ihrer Tochter quasi in Schriftform, wie sich die Familie und ihr Leben in den kommenden Jahren bis 2006 weiterentwickelt hat. Sie erzählt von allen Höhen und Tiefen, von guten und schlechten Tagen. Dabei ist die Geschichte gespickt mit vielen Mitgliedern ihrer wirklichen Familie und dem Rest ihrer Sippe, der im Laufe der Jahre dazu kam. Alle sind auf ihre Art liebenswert oder auch bedauernswert, alle haben ihre Eigenheiten, ihre Stärken, Schwächen und Schrulligkeiten, wie es sie nur im echten Leben geben kann. Alle sind durch ihr Leben, ihre Vergangenheit, ihre Religionen und Weltanschauungen und ihre Schicksalsschläge, egal ob gut oder schlecht, geprägt.

Das Buch strotzt nur so vor Lebenslust einer sehr starken Frau, die vieles durchgemacht und erlebt hat, aber ihren Halt immer in ihrer Sippe, ihrer Familie finden konnte und bei ihrem Mann, der ihr Seelenverwandter ist.

„[…], wie ich mit diesem Mann verschmolz, mit dem ich einen langen und steilen Weg gegangen war, mit dem ich gestolpert und gefallen und wieder aufgestanden war, mich gestritten und mich versöhnt hatte, ohne daß wir einander je verraten hätten. Das Siegel der Tage, Leid und Freuden geteilt zu haben, war längst unser Schicksal.“ (S. 410)

Wir erleben, wie Isabel es gemeinsam mit ihrer Sippe schafft, den Tod ihrer Tochter zu verarbeiten und allen Härten des Lebens trotzt. Dabei ist Paula ein konstanter Begleiter, der der Familie immer in Erinnerung ist und ihr Kraft gibt. Wir erleben, wie ihre Beziehung zu Willie schwankt und doch wieder stärker wird, wie sie sich gemeinsam mehr und mehr finden. Wir begleiten die Familie, wie sie sich im Laufe der Jahre verändert, Familienmitglieder kommen und gehen und wie sie sich schließlich festigt. Wir erleben einen unglaublichen und bewegenden Zusammenhalt, der die ganze Sippe all die Jahre immer wieder zusammenführt und wie sie trotz allem ihre Lebensfreude behalten oder zumindest erneut finden.

Ein bewegendes und unterhaltendes Buch. Eine Lebensgeschichte einer bemerkenswerten Frau mit einer bemerkenswerten Familie und einzigartigen Freunden. Eine Geschichte, die berührt. Über ein Leben mit vielen Höhen und Tiefen, gespickt von Trauer und Freude. Am Anfang viel es mir schwer in das Buch zu finden, doch ich konnte mich schnell mit dem Stil arrangieren und lernte die Art zu schreiben, voller Wärme, Zuneigung und mit Humor und Ironie schätzen. Ich gebe vier von fünf Herzen und ziehe meinen Hut vor dieser Familie.

Autorin:

Isabel Allende ist eine chilensich-US-amerikanische Schriftstellerin. Bislang wurden ihre Werke in 27 verschiedene Sprachen übersetzt. Sie verkaufte mehr als 51 Millionen Exemplare. Sie hat ein bemerkenswertes und bewegendes Leben hinter sich. Schaut am besten mal hier und hier vorbei.