Bank ausraube von Simon Bartsch (c) Feuerwerk Verlag

Headerbild: Wie ich ausversehen eine Bank ausraube von Simon Bartsch (c) Feuerwerk Verlag

Jan Lehmann, 21 Jahre alt, ist verliebt in Laura. Laura leidet an Tourette, doch Jan versteht nicht, dass sie eine Krankheit hat, weil er selbst etwas zurück geblieben ist. Er findet die lustigen Grimassen die sie schneidet und die tollen Ausdrücke, die sie immer ruft, lustig. Beide rauben eher „unfreiwillig“ eine Bank aus. Sie machen sich mit der Beute auf eine Reise durch Europa und lernen Paris, London und Brüssel kennen. Gleichzeitig beginnen sie zu verstehen, was es heißt sich zu vertrauen und was es bedeutet, wenn Vertrauen missbraucht wird.

Das Besondere: Mit 10% der Einnahmen unterstützen Simon Bartsch und der Feuerwerk Verlag den „InteressenVerband Tic und Tourette Syndrom e.V.“.


Das Buch ist sehr einfach, mit kurzen Sätzen geschrieben. Es wirkt zunächst, als wäre das ganze schriftstellerisch einfach nur lahm. Doch das Buch wird aus der Perspektive von Jan erzählt, der geistig etwas zurück geblieben ist und deswegen passt der Schreibstil gerade sehr gut. Den so einfach und naiv denkt Jan nun einmal. Trotzdem habe ich mir mit dem Einstieg etwas schwer getan. Auch weil man am Anfang nichts erfährt, weder über Jan noch über Laura. Man merkt zwar schnell was Sache ist und wenn man sich den Klappentext durchgelesen hat, weiß man es ja auch, aber dennoch hat es mich irgendwie gestört.

Das Buch soll eher humorvoll geschrieben sein. Aber leider hat mich der Humor nicht ganz erreichen können, da mich das Buch auch sehr traurig gestimmt hat und ich oft nur den Kopf schütteln konnte. Am Anfang kommt das Buch sehr hart rüber, als würde es sich etwas über diese Krankheiten lustig machen, was aber wirklich ganz und gar nicht der Fall ist. Das ist schon klar, wenn man bedenkt, dass mit dem Buch der Interessenverband Tic und Tourette Syndrom unterstütz wird. Ich glaube, es lag einfach an mir und daran, dass ich so lange brauchte, um mit der Geschichte warm zu werden. Zudem mag ich es immer nicht so sehr, wenn Kapitel so lang sind, auch wenn es zur Geschichte passte. An der ein oder anderen Stelle hätte, vor allem am Ende von Kapiteln, noch etwas Spannung und etwas mehr Abenteuer dabei sein können, um der verrückten Reise richtig gerecht zu werden.

Als ich dann bei der Mitte bzw. eher im letzten drittel des Buches angekommen war, konnte mich Simon Bartsch doch noch überzeugen. Es ist hier stellenweise etwas tiefer und emotionaler geworden, man lernte mehr und mehr eine andere, sanfte Seite von Jan kennen, die doch gar nicht so naiv ist. Denn er erlebt Liebe und Freundschaft auf eine so unschuldige Art und Weise und ist so gutgläubig, dass er oft ausgenutzt wird. Simon Bartsch schaffte es in diesem letzten Teil des Buches, dass ich mich in Jan und Laura hineinversetzen konnte und es ist schlimm, wie grausam Menschen eigentlich sein können. Denn er schildert nebenbei, versteckt hinter der abenteuerlichen Reise von Jan und Laura, wie schwer es Leute, die etwas anders sind, haben und wie viele Menschen sich darüber lustig machen und keinerlei Verständnis haben.


Der Einstieg viel mir recht schwer und ich brauchte lange, bis ich mehr hinter der Geschichte entdecken konnte, gegen Ende hat es sich mich dann aber noch gefangen. Insgesamt hat sie mich fast etwas bedrückt zurückgelassen, war aber dennoch eine nette Lektüre für Zwischendurch, die auch eine gute Botschaft vermittelt.

Infos zum Buch

Titel: Wie ich ausversehen eine Bank ausraubte

Autor: Simon Bartsch

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Feuerwerk Verlag

Format: ebook

Autor

Simon Bartsch wurde 1978 in Köln geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit in England. Bereits damals entstand seine Leidenschaft zum Schreiben. Er studierte Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitete bereits während des Studiums als freier Journalist für den WDR, den Sport-Informations-Dienst und einige Tageszeitungen. Sein Erstlingswerk war „Entschuldigung? Ich bräuchte mal ein Kind!“.

*Das Buch wurde mir von Simon Bartsch zur Rezension zur Verfügung gestellt.