Miras Welt von Marlies Lüer

Infos zum Buch
Verlag: Traumstunden Verlag Essen; Erscheinungsjahr: 2013; Seiten: Kindle Edition – in Print etwas 281 Seiten; Autorin: Marlies Lüer

Der Roman Miras Welt verwebt die Geschichte zweier komplett unterschiedlicher Frauen. Der Roman basiert auf der Lebensgeschichte des jüngsten Sohnes von Marlies Lüer und verwebt dabei autobiografische Realität mit Magie und Spiritualität. Gemeinsam mit Melissa werden wir in Miras Welt entführt. Melissa, eine 29jährige Journalistin, die scheinbar ein glückliches und zufriedenes Leben führt und Mira, eine alte, liebenswerte Dame, die ein hartes Leben hatte und nun immer für alle Hilfesuchende da ist. Neben ihren hervorragenden Kochkünsten sticht sie vor allem durch ihre Gabe als Lichtbringer hervor. Melissas Leben gerät an ihrem Geburtstag komplett aus den Fugen und die beiden Treffen aufeinander. Diese Begegnung verspricht ein Lichtblick in Melissas Leben zu werden.

Schreibstil

Marlies hat einen lockeren, flüssigen Schreibstil und schaffte es, die spirituellen Themen gekonnt in die Geschichte einzuflechten. Beim Lesen merkte ich genau, wann wir bei einem realen Teil angekommen waren, denn hier wurde das Buch richtig ergreifend. Aufgrund des Themas konnte ich das Buch aber trotz des lockeren Schreibstils nicht mal eben nebenbei lesen, sondern musste mich komplett in die Geschichte fallen lassen und nur auf diese konzentrieren. Das Buch sollte also in Ruhe ohne zu viele Umgebungstumult gelesen werden.

Die Geschichte wird überwiegend aus Melissas Sicht beschrieben, nur ab und an gibt es einen Perspektivenwechsel, der uns Einblicke in Miras Alltag gibt. Alles ist sehr detailliert und bildlich beschrieben, was manchmal etwas zu tief ging, aber gleichzeitig auch dafür sorgte, dass ich beispielsweise den Kuchen und den Kaffee förmlich riechen konnte beim Lesen. Ich bin froh, dass diese leckeren Rezepte sogar am Ende des Buches angefügt sind, denn da lief mir doch öfter mal das Wasser im Munde zusammen.

Charaktere

Wir haben zum einen Mira, eine alte Dame, die bereits viel in ihrem Leben durchmachte. Sie ist unglaublich liebenswert und hilfsbereit. Sie liebt es zu Kochen und zu Backen, legt Tarotkarten, ist Lichtträger und stet in Verbindung zu den Engeln. Aber sie liebt auch ihren Garten, mixt Tees und Kräuter und ist trotzdem auch modern und kann sogar einen PC bedienen. Ich habe Mira sofort in mein Herz geschlossen und konnte sie mir richtig gut vorstellen, in ihrem kleinen schnuckeligen Häuschen, ihren grauen Locken und in ihrer Kittelschürze, wie sie auch meine Oma immer trägt.

Melissa ist nur wenige Jahre älter als ich, sie ist ein Kind der heutigen Zeit, arbeitet als Journalistin und ist mehr oder weniger zufrieden mit ihrem Leben. Auch sie konnte ich von Beginn an in mein Herz schließen und ich hatte auch etwas Mitleid mit ihr, als ihr Leben ausgerechnet an ihrem Geburtstag komplett aus den Fugen gerät und habe mich umso mehr über das Ende gefreut.

Geschichte

Das Buch erzählt von dem Aufeinander Treffen von Mira und Melissa, als Melissa den Kontakt zur Lichtbringerin Mira am dringendsten braucht. Mira schafft es, Melissa ruhiger werden zu lassen, ihr aus ihrem Loch zu helfen und hier ein neues zu Hause zu schenken. Doch auch Melissa ist auf ihre Art eine Bereicherung und ein Halt in Miras Leben.

Die Geschichte ist nicht, wie es zu Beginn scheint, einfach nur eine Geschichte der beiden liebenswerten Protagonisten, sondern ein ergreifendes und tiefgründiges Buch, das vom schweren Schicksal einer Mutter mit autistischen Kind, der zudem an einem Tumorleiden stirbt, zeugt.

Davon, wie ein solches Leben gemeistert werden kann und wie der Tod des eigenen Kindes verkraftet und verarbeitet werden kann. Die Schilderungen gerade gegen Ende des Lebens von Martin, haben mich so tief im Herzen berührt und ich habe mehr als nur eine Träne vergossen. Selbst jetzt, einen Tag später, beim Schreiben der Rezension, läuft mir ein Schauer über den Rücken und ich muss erneut mit den Tränen Kämpfen.

Ein Aspekt, mit dem ich am Anfang meine Schwierigkeiten hatte, war die Spiritualität von Mira. Sie ist Lichtbringer, hat Kontakt zu Engeln und legt Tarotkarten. Marlies webt diesen Teil aber so Geschickt ein, dass ich mich bald sehr gut in das Thema einfinden konnte. Zudem passt dieser Teil einfach in die Geschichte und dürfte auch nicht fehlen. Nur gegen Ende war es mir dann doch noch einmal zu viel, aber das liegt einfach daran, dass ich bisher nicht oft damit in Berührung kam und es so noch etwas gewöhnungsbedürftig war.

Ein berührendes, ergreifendes Buch, was mich mehr als einmal zum Weinen brachte. Gleichzeitig gab es aber auch Stellen, die einen zum Schmunzeln und und zum Lachen brachten. Eine gelungene Mischung aus Schmerz, Leid sowie Glück und Freude mit liebenswerten und tollen Charakteren. Eine Geschichte mit Fiktion und realen Schilderungen, die einem tief im Herzen berühren.

Lediglich für die manchmal zu detaillierten Situationsbeschreibungen und die teilweise zu starken Verflechtungen der Spiritualität ziehe ich ein Herz ab. Aber ich empfehle das Buch voller Überzeugung weiter und ziehe meinen Hut vor Marlies Lüer. Und ich freue mich, weitere Bücher von ihr zu Lesen.

Autorin

Marlies Lüer wurde in Niedersachsen geboren und lebt seit 2009 gemeinsam mit ihrem Mann in Baden-Württemberg. Die beiden hatten zwei Söhne, der jüngere starb im Jahr 2002 an einem Tumor. Miras Welt basiert auf seiner Leidens- und Lebensgeschichte. 2011 begann Marlies ihre Schriftstellerlaufbahn als Indie-Autorin bei Amazon und 2013 erhielt sie einen Verlagsvertrag. Neben Miras Welt schrieb sie auch die Fortsetzung Melissas Welt, ebenso wie eine Fantasytriologie, mit Mirdris Sohn als Teil eins und Erdsängerin als Teil zwei. Teil drei ist noch in Arbeit.

Wollt ihr noch mehr wissen? Dann schaut doch am 25.7 mal vorbei, denn dann gibt es mein Interview mit Marlies im Rahmen der Aktion „Darf ich bitten – Deutschsprachige Autoren im Interview“ und zu gewinnen gibt’s dann auch was.