Aetherhertz von Anja Bagus

Autorin: Anja Bagus; Erscheinungsjahr: 2013; Titelbild: Anja Bagus, Inhalt und Gestaltung: Anja Bagus; www.anja-bagus.de

Seit der Jahrhundertwende steigt der seltsame grüne Aethernebel über den Flüssen auf. Er hat die Welt verändert, zum Guten und zum Schlechten. Für Industrie und Technik ist er ein Segen, für viele Menschen ein Fluch. Denn er verändert sie zu Figuren aus Märchen und Sagen. Der schlechte Aether bringt viele „Verdorbene“, die eingesperrt und gejagt werden. 1910 sterben in der Kurstadt Baden-Baden zahlreiche junge Frauen, die von einer rätselhaften Substanz vergiftet werden. Annabelle Rosenherz kommt auf eine Spur und gerät mitten in eine Verschwörung. Sie begibt sich in große Gefahr, denn ihr eigenes Geheimnis wird ihr zum Verhängnis.


Schreibstil:

Das Buch ist in der dritten Person geschrieben und hat recht lange Kapitel. Die sind aber unterteilt in verschiedene Blickwinkel. So fließen neue Einblicke und Entwicklungen ein, die sich optimal zusammenfügen und das Buch sehr kurzweilig machten.

Anja Bagus Schreibstil ist wunderbar beschreibend, mit viel Gefühl aber auch Action und Spannung. Auch das Setting, im historischen Baden-Baden und die Entwicklung durch den Aether fügen sich perfekt in die Geschichte ein und machen das Buch zu einem spannenden, packenden und gefühlvollen Werk.

Charaktere:

Hauptprotagonistin ist das junge Fräulein Annabelle Rosenherz. Sie lebt zusammen mit ihrer Hausdame Barbara im Haus ihres Vaters, der seit einiger Zeit spurlos verschwunden ist. Damals waren Frauen eigentlich noch dafür da, ehrbar zu heiraten, um dann das Haus zu hüten und Kinder zu bekommen. Vor allem in gehobeneren Kreisen ist das frühe heiraten und positive Darstellung vor der Gesellschaft besonders wichtig.

Doch Annabelle ist dank ihrer Erziehung und ihres Wesens anders und sträubt sich Dagegen. Auf der Schwelle zum Erwachsen werden stellt sie sich ihrer Vergangenheit, bricht mit Konventionen, stellt sich ihrer Zukunft, ihrem Geheimnis und findet zugleich ihre erste große Liebe.

„Sie brauchte jemanden, der die gleiche Faszination für die großen und kleinen Dinge empfand, der stets neugierig war, der Fragen stellte, und sie auch beantworten wollte.“ (S. 95)

Ein weiterer wichtiger Protagonist ist der junge Paul, Sohn des Anwalts, welcher sich um das Vermögen von Annabelle’s Vater kümmert. Als Paul die Sammlung ihres Vaters katalogisieren soll, lernen sich die beiden kennen. Doch auch sein Bruder, Friedrich, ist von Annabelle nicht abgeneigt. Er ist ein angesehener und gutaussehender Blitzmann, während Paul ein Bastler und Bücherwurm ist.

Dr. Burger, ihr Patenonkel, Frau Barbara und Johanna sind wichtige und allesamt auf ihre Art liebenswerte und heldenhafte Charaktere. Die machtgierigen und stinkreichen Bösewichte, die sich ihren Einfluss erkaufen, fehlen ebenfalls nicht und sind gelungen und bist ins Detail dargestellt.

Geschichte:

Aether ist der Beginn von allem. Um die Jahrhundertwende kommt er zurück und bringt alte Magie mit. Magie, die viel Positives aber auch sehr viel Negatives bringt.

„Aether war äußerst nützlich. Er trieb Maschinen, Flugschiffe und Zeppeline, Eisenbahnen und Autos an.“ (S. 15)

Viele, die in den Aetherwerken arbeiten, werden zu „Verdorbenen“, sie sind anders und deshalb schlecht. Doch sind wirklich alle „Verdorbenen“ gefährlich oder verändern sich einige vielleicht sogar zum Guten? Das ist der Gesellschaft egal und sie werden alle weggesperrt. Doch was hinter den Mauern passiert, weiß kaum einer.

„Aether war gefährlich. Wer sich ihm zu lange aussetzte wurde anders. Man nannte sie dann „Verdorbene““. (S. 14)

Annabelle schlittert mitten in dunkle Machenschaften hinein und gerät dadurch selbst in Gefahr. Die Geschichte ist historisch detailliert und zugleich trotzdem kurzweilig. Der Plot ist sehr gut durchdacht und historisches mit dem Aether, seiner Entstehung und seiner Auswirkungen hervorragend verwoben. Hier entsteht eine neue, vom Aether beherrschte Welt, die gleichzeitig einen Hauch Magie bereit hält. Eine tolle Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Seite spannend und immer wieder überraschend ist.

Es gibt Liebe, Fantasie, Magie, Technik und Historisches und viel Spannung. Anja Bagus wirft immer wieder neue Wendungen ein und schafft es doch, so viele Brocken zu werfen, dass ich als Leser immer wieder eigene Ideen hatte, wie sich das Ganze wohl verhält. Dabei spricht das Buch auch einen der größten Fehler der Gesellschaft an. Kaum ist jemand irgendwie anders, weicht von der Norm ab, kann mit ihm etwas nicht stimmen und er wird gemieden. Nichts anderes passiert mit den Veränderten, egal ob gute oder schlechte.


Das Buch war mein erstens Steampunk-Buch und ich bin begeistert. Eine gelungene Mischung aus Spannung, Action, Verschwörung, Liebe und Gefühl, in einem gelungenen historischen und mit Aether verflochtenem Setting.

Es ist unterhaltsam und kurzweilig und wunderbar bildhaft geschrieben und ich kann es nun kaum erwarten, auch die anderen beiden Teile dieser Trilogie zu lesen. Von mir gibts es daher fünf von fünf Herzen.

Seit ihr neugierig geworden? Dann könnt ihr euch schon mal freuen – denn Anja Bagus wird mir einige Fragen im Rahmen der Aktion „Darf ich bitten“ beantworten, die ab Oktober weitergeht.

*Das Buch wurde mir von Anja Bagus zur Rezension zur Verfügung gestellt.

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